Die tapfere Theresa braucht unsere Hilfe

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Ob mit der einst langen Mähne, Glatze nach der Chemotherapie, Perücke oder mit den nachwachsenden Stoppelhaaren: Theresa Neumüller hat ihr Lächeln und ihren Lebensmut nicht verloren. Sie geht offen mit ihrer Krankheit um. Jetzt braucht sie einen Stammzellen-Spender, damit sie die Leukämie besiegen kann

München - Andere Menschen verstecken sich hinter einer Perücke. Theresa Neumüller zeigt ihre Glatze. Seit über einem Jahr leidet die 20-Jährige an Leukämie.

Um zu überleben, braucht sie neue Stammzellen. Deswegen organisiert ihre Freundin am 24. Oktober eine Typisierungsaktion.

Früher hatte Theresa lange braune Haare. Doch mit der Chemotherapie fielen sie aus. Ihren kahlen Kopf immer unter einer Perücke zu verstecken, wie es viele Leidensgenossen tun, das tat sie nur am Anfang. Doch je mehr Freunde um die Krankheit wussten, desto öfter traute sie sich ohne Perücke nach draußen. Die 20-Jährige geht offen mit ihrer Krankheit um.

Sie ließ ein Fotoshooting machen, das sie mit und ohne künstliche Haare zeigt. „Ich hatte nach der Chemo plötzlich eine Glatze, das hat mich fasziniert“, erzählt die 20-Jährige dem Fürstenfeldbrucker Tagblatt. „Solch eine Frisur hat man nicht alle Tage.“ Mehrere Bilder hat sie ins Internet-Netzwerk Facebook gestellt. „Es wird Sommer, egal ob mit oder ohne Haare“, schrieb sie vor einigen Monaten in ein Fotoalbum.

Über diese Plattform bittet die junge Frau um Hilfe: „Du kannst Leben retten, bitte werde Spender“, schreibt sie. „Es ist bemerkenswert, wie sie mit der Krankheit umgeht“, sagt Sabrina Grupp von der Deutschen Knochenmarkspendedatei (DKMS).

Seit Sommer 2009 leidet Theresa an Leukämie. Noch immer hofft sie, den aggressiven Blutkrebs besiegen zu können. Doch dafür braucht sie einen Spender. Ganze fünf Minuten dauert die Blutabnahme bei der Typisierungsaktion. Für Theresa kann sie ein ganzes Leben bedeuten. „Nur tatenlos dasitzen und hoffen, jemanden zu finden, ist nicht die beste Lösung“, sagt Isabell Hanelt. Deswegen organisiert die Freundin mit der DKMS die große Aktion im Graf-Rasso-Gymnasium Fürstenfeldbruck, Theresas ehemaliger Schule. Heuer hätte sie ihr Abitur machen sollen. Doch dafür fehlte der jungen Frau die Kraft. „Dass Isabell das tut, freut mich jeden Tag“, sagt Theresa. „Ich weiß gar nicht, wie ich ihr das danken soll.“

In einer Video-Botschaft erzählt Theresa, wie für sie eine Welt zusammengebrochen ist, als sie die Diagnose Leukämie erfuhr. Von ihrer Angst vor der Chemotherapie, den unzähligen Infektionen und der Isolation, als sie die Schweinegrippe hatte. „Ich weiß jetzt, was es heißt, Krebs zu haben.“

Trotzdem blieben auch positive Erfahrungen: „Ich habe wahnsinnig viel Unterstützung durch meine Familie und Freunde erfahren. Und ich weiß jetzt, was es heißt zu leben.“

Ihre Gefühle schreibt sie in ein Tagebuch, das ihre Familie und Freunde später auch lesen dürfen. Die Freundinnen hoffen nun, dass der passende Spender ins Rasso kommt. Aus fünf Millilitern Blut lassen sich zehn Gewebemerkmale bestimmen. Mindestens acht müssen mit Theresas übereinstimmen. 

Der kleine Nadelstich kann ein Leben retten. Doch er ist teuer. Da die Kosten für jeden Test 50 Euro betragen, ist die DKMS auf Spenden angewiesen. Wenn viele Menschen sich testen lassen, kann es bis zu 25 000 Euro kosten. Doch jeder Versuch ist es wert. Denn auch wenn das Blut nicht zu Theresas passt, könnte man einem anderen Menschen helfen, der an Leukämie leidet.

Grupp betont, dass bei einer Stammzellenspende keine riskante Operation nötig sei. Sie ist optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst wird.“

Louisa Kropp

Die Typisierungsaktion findet am Sonntag, 24. Oktober, von 10 bis 16 Uhr im Graf-Rasso-Gymnasium Fürstenfeldbruck statt. Die Spender müssen zwischen 18 und 55 Jahre alt sein, mindestens 50 Kilo wiegen und gesund sein.

2 Millionen Überlebenschancen: DKMS ist die weltgrößte Knochenmarkspenderdatei

Alle 45 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch neu an Leukämie. Nur für etwa jeden dritten von ihnen kann ein geeigneter Knochenmark-Spender innerhalb der eigenen Familie gefunden werden. Die Übrigen sind auf fremde Spender angewiesen.

Um auch diesen Menschen helfen zu können, ist die DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei ins Leben gerufen worden. Sie wurde 1991 aus einer privaten Initiative heraus gegründet und hat sich mit heute über zwei Millionen registrierten Spendern zur weltweit größten Einzeldatei entwickelt. Jeden Tag erhalten mindestens zehn Patienten Stammzellen von Spendern aus der DKMS.

Doch für etwa jeden fünften Patienten kann noch immer kein geeigneter Spender gefunden werden. Ziel der DKMS ist es, durch den weiteren Ausbau der Datei für möglichst alle Patienten einen Lebensspender zu finden. Da die Typisierung für die Aufnahme in die Datei etwa 50 Euro pro Spender kostet, ist die DKMS dringend auf Spenden angewiesen. Weitere Infos im Internet unter www.dkms.de

tz-Stichwort Leukämie

Eine Leukämie (Blutkrebs) zeichnet sich durch eine überschießende Vermehrung weißer Blutkörperchen (Leukozyten) im Knochenmark aus, die jedoch unreif und nicht funktionstüchtig sind. Dies stört die normale Blutbildung und führt zu einem Mangel an reifen und gesunden Leukozyten, roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten). Die Diagnose stellt der Arzt durch eine Blutuntersuchung; zur genaueren Einordnung, welche Leukämie-Variante vorliegt, ist meist die Entnahme einer Knochenmarkprobe (Knochenmarkbiopsie) notwendig. Leukämien werden vor allem mittels Chemotherapie und Knochenmarktransplantation behandelt. Die Ursachen von Leukämien sind bis heute nicht geklärt.

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