"Tatort" in der JVA Stadelheim gedreht

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Die Häftlinge bezeichnen ihre Mitinsassin Marie (Anneke Kim Sarnau) als die „Heilige“, weil sie sich wie ein selbstloser Engel verhält

München - "Bullen raus!" Mit Rufen und Pfiffen wurden die Tatort-Kommissare Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec im Frühjahr diesen Jahres von den Häftlingen in Stadelheim empfangen. Jetzt wird er ausgestrahlt-

Für die neue Folge Die Heilige, die das Erste am Sonntag ausstrahlt, verbrachten die TV-Ermittler mehrere Drehtage in der Münchner Justizvollzugsanstalt. „Wir fühlten uns ja selbst wie Eindringlinge, gegen die sich die Gefangenen nur mit Buh-Rufen wehren konnten. Wir haben das verstanden“, sagte Nemec damals in der tz.

Der Krimi zeichnet ein drastisches Bild der Zustände im Gefängnis. Gewalt, Drogen, Anfeindungen prägen im Film den Alltag vieler Insassen und aus der Toilette klettern die Kanal-Ratten. Es ist nachvollziehbar, dass es immer wieder Straftäter gibt, die aus dem Gefängnis ausbrechen wollen. Doch selten zieht eine Flucht so dramatische Folgen nach sich, wie im neuen Tatort aus München, in dem mehrere Menschen sterben und eine Frau mit gebrochenem Herzen zurückbleibt. Es handelt sich um die Gefangene Marie Hoflehner (Anneke Kim Sarnau). Sie ist allen ein Rätsel. Wie ein selbstloser Engel wirkt sie in der tristen JVA, um den Alltag der Gefangenen zu erleichtern. Dass sie dabei ausgenutzt wird, nimmt sie ergeben hin. Doch ihre Motive bleiben im Dunkeln. Sucht sie nach Liebe und Anerkennung oder ist sie schlicht eine „Heilige“, wie es der Titel suggeriert.

Durch das Drehen im Gefängnis sei ihnen erst wirklich bewusst geworden, wie beklemmend es in einer Gefängniszelle sei, erzählen Wachtveitl und Nemec. Wenn die schwere Stahltür ins Schloss fällt und sich die Abgeschiedenheit schwer auf die Seele legt.

„Wir wurden aber angehalten, mit den Häftlingen nicht in Kontakt zu treten“, sagt Wachtveitl. Eigens abgestellte Aufpasser beobachteten wachsam alles, was beim Dreh geschah. Denn echte und gespielte Gefangene waren auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden. Sie tragen die gleiche Kluft: blaue Hose, blaues Hemd und eine beige Winterjacke. „Nicht dass sich ein Gefangener unters Filmvolk mischt“, sagte der JVA-Beamte Hermann Wals in der tz. „Dann hätten wir ein wirkliches Problem gehabt.“

Gefängnisdirektor Michael Stumpf bescheinigt dem Tatort Realitätsnähe, schränkt aber ein: „Da sind die Extremfälle der vergangenen 20 Jahre aus mehreren Justizvollzugsanstalten in Deutschland auf einen Film verdichtet worden.

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