"Tatort"-Vorspann: Grafikerin geht leer aus

+
Der Schöpferin des Vorspanns der ARD-Krimiserie “Tatort“ geht leer aus.

München - Der Schöpferin des Vorspanns der ARD-Krimiserie “Tatort“ geht leer aus. Ein Gericht urteilte nun, dass ihr keine Nachvergütung zusteht. In der Begründung bekommt die Grafikerin selbst die Schuld in die Schuhe geschoben.

Lesen Sie dazu auch: Berufungsprozess um "Tatort"-Vorspann gestartet

Die ARD muss für den legendären “Tatort“-Vorspann doch nicht tiefer in die Tasche greifen: Der Schöpferin des Krimi-Trailers mit dem Auge im Fadenkreuz steht kein Geld mehr zu. Das entschied das Oberlandesgericht (OLG) München am Donnerstag und hob damit ein anderslautendes Urteil des Landgerichts München weitgehend auf. Außerdem muss die Grafikerin Kristina Böttrich-Merdjanowa, die den Vorspann vor über 40 Jahren geschaffen hat, nicht als Urheberin genannt werden. Die beklagten ARD-Anstalten Bayerischer und Westdeutscher Rundfunk setzten sich damit in der Berufung durch (AZ 29 U 2749/10).

Der Vorspann mit dem Auge im Fadenkreuz und den Beinen eines flüchtenden Täters sei kein “wesentlicher Beitrag“ zum nachfolgenden Kriminalfilm, entschied der Senat und ließ Revision gegen das Urteil nicht zu.

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Böttrich-Merdjanowa hat den Trailer 1969 gestaltet und dafür ein einmaliges Honorar von 2500 Mark erhalten. Der “Tatort“ entwickelte sich zur erfolgreichsten Kriminalserie im deutschen Fernsehen. Neben den neuen Folgen werden in mehreren Regionalprogrammen jede Woche Wiederholungen ausgestrahlt. Die Grafikerin sah ein krasses Missverhältnis zwischen ihrem Honorar und dem Erfolg der Serie, an dem sie durch den einprägsamen Vorspann maßgeblich beteiligt sei. Das Landgericht bejahte in erster Instanz ihren Anspruch auf Nennung als Urheberin und einen finanziellen “Fairness“-Ausgleich nach dem Urhebergesetz.

Das OLG war anderer Meinung. Voraussetzung für eine zusätzliche Vergütung sei eine nicht nur untergeordnete Bedeutung des Werkes. Das Publikum sehe sich die 90-minütigen Filme nicht wegen des Vorspanns an, sagte der Vorsitzende Richter Rainer Zwirlein. Vielmehr seien die Zuschauer an der Handlung der Krimis interessiert. Der Vorspann habe innerhalb des Gesamtwerks nur eine “kennzeichnende Funktion“. Sein hoher Bekanntheitsgrad gehe auf die regelmäßige Ausstrahlung zurück, die ihren Grund wiederum in der hohen Akzeptanz der Kriminalfilme habe. Auf diese habe er keinen weiteren Einfluss. Den Schöpfer eines Vorspanns zu nennen, ist laut Urteil in der Branche nicht üblich. Auch habe die Grafikerin diese Praxis jahrzehntelang hingenommen.

BR und WDR haben die Bestätigung ihrer Rechtsauffassung begrüßt. Das Landgerichtsurteil gegen sie hat nur in einem Punkt Bestand: Es darf nicht mehr behauptet werden, ein BR-Mitarbeiter habe den Vorspann kreiert.

dpa

auch interessant

Kommentare