„Manchmal würgt’s mich schon“

Grausiger Job: Tatortreiniger erzählt über seine Arbeit

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Blut, Exkremente und andere Körpersäfte: Peter Anders hat für alles die richtigen Mittel. In Messiwohnungen greift er zur Schaufel.

München - Wenn ein Mensch stirbt - womöglich in seiner eigenen Wohnung - ist Peter Anders zur Stelle. Der Tatortreiniger beseitigt dann Blut, Körperflüssigkeiten und andere Hinterlassenschaften. Ein Job, der an die Nieren geht.

„Der Tod riecht süßlich und penetrant“, sagt Peter Anders. „Wenn man ihn einmal gerochen hat, wird man ihn nie wieder vergessen.“ So wie Bettina M., in deren Wohnung in Fürstenfeldbruck vor ihrem Einzug mehrere Wochen lang eine Leiche lag. Der 50-Jährige beseitigt das, was der Mensch nach seinem Tod hinterlässt – Blut und Gestank. Er ist Münchens Tatortreiniger!

Ein blutüberströmter Flur - ein Bild, das Anders oft zu sehen bekommt.

Ein dünner, weißer Overall schützt Anders bei seinen Arbeitseinsätzen. „Den oft üblen Geruch kann aber keine Maske der Welt fernhalten“, sagt er. Bei Leichen, die lange am Fundort liegen, rieche es massiv. Dementsprechend hat sich oft auch bereits Ungeziefer breitgemacht. Anders putzt aber auch an Orten, an denen brutale Verbrechen passierten. „Da sind wir eher mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten konfrontiert.“ Der frühere Feuerwehrmann hat in seinem Job schon viele schlimme Dinge gesehen, gewöhnen kann er sich an solche Arbeitsbedingungen aber kaum. Der professionelle Umgang erleichtere die Sache, sagt Anders. „Aber es ist tagesformabhängig. Manchmal geht’s besser, manchmal würgt’s mich schon.“

Wie geht man mit den Angehörigen um?

Oft geht sein Tätigkeitsfeld über das bloße Saubermachen hinaus. Nicht selten trifft Anders am Einsatzort auf Angehörige der Toten. Wie geht man damit um? „Ganz pietätvoll“, sagt Anders. „Manchmal sprechen wir ein oder zwei Stunden mit den Leuten, bevor wir anfangen.“ 

Über ein prägendes Ereignis schreibt Peter Anders auch in seinem Buch Was vom Tode übrig bleibt (Heyne Verlag). Eines der erschütterndsten Erlebnisse sei gewesen, als eine Mutter, deren Tochter gestorben war, sogar mitputzen wollte. Anders weiß, dass es an solchen Orten oft emotional zugeht: „Wir sind ja keine gefühlskalten Brocken, die nur den Tod aus dem Boden kratzen.“ Deshalb spricht Anders auch mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter über seine Erlebnisse. „Das sind meine besten Psychologen“, sagt Anders. „Bei ihnen kann ich mir alles von der Seele reden.“

Besonders traurig: Fälle von vergessenen Menschen

Was ihn ebenso traurig wie nachdenklich macht, sind Fälle, bei denen Menschen offenbar vergessen wurden. Oft liegen die Toten monatelang in ihren Wohnungen oder Häusern – bis der Leichendunst durch jede Ritze nach außen dringt. Peter Anders hat keine Angst vor dem Tod. Es gibt aber Todesformen, mit denen er sich nicht anfreunden kann. Er sagt: „Ich will nicht einfach in einer Wohnung vor mich hinfaulen.“

Tod, Verbrechen, Gestank – es gibt angenehmere Jobs. Ein Grund, warum es Peter Anders trotzdem macht: Weil es sich lohnt! Lesen Sie unten, was passiert, wenn sich Vermieter und Hausbesitzer die Reinigungskosten sparen.

Fehler bei der Reinigung

Wenn ein Mensch wochenlang tot in seiner Wohnung liegt, ist der Verwesungsprozess weit fortgeschritten. Dann verliert der Körper Flüssigkeiten aller Art. Blut, Urin und Exkremente sickern durch Teppiche, Fliesenbeläge und Holzböden – so wie in der Wohnung von Bettina M.. Die 46-Jährige wusste lange nicht, dass ihr Vormieter langsam in seinen eigenen vier Wänden verfault war. Nachdem er Selbstmord begangen hatte, wurde er von niemandem vermisst. 

Anstatt die Reinigung einem Profi zu überlassen, hat der Vermieter einen fatalen Fehler gemacht. Denn auch Monate später wabert der Leichengeruch durch Bettina M.s Wohnung. Peter Anders wundert das nicht: „Viele Hausverwalter wollen sich das Geld sparen. Aber am Ende zahlen sie doppelt und dreifach.“ Zwischen 2.000 und 5.000 Euro kostet eine fachgerechte Reinigung. Meist reicht es nämlich nicht, nur den Boden auszutauschen. Die Hinterlassenschaften der Toten dringen in Estrich und Wände ein. Letzter Ausweg: Komplettsanierung!

Johannes Heininger

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