Mann blieb mit Jacke hängen

Taxi-Tragödie: „Er rief: Stopp, Stopp, Stopp!“

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Vor der Verhandlung drückte seine Lebensgefährtin den Taxifahrer. Der 49-Jährige war mit seinem Taxi über den Kopf eines 31-Jährigen gerollt. Der junge Mann starb

Niederpöcking/München - Ein Taxi schleifte Silvester 2013 einen 31-Jährigen mit, überrollte seinen Kopf. Der Mann starb. Der Fahrer ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt.

Um lästige Fahrgäste wie Betrunkene und aufdringliche Wiesngäste loszuwerden, hat ein 49-jähriger Taxifahrer vom Starnberger See eine ziemlich rabiate Methode. Er fahre kurz an, um sie zu erschrecken und so loszukriegen, sagte er gestern vor dem Landgericht München II beim Prozessauftakt. „Und das ist immer gut gegangen?“, fragte der Vorsitzende Richter Martin Rieder. „Ja“, antwortete der Angeklagte.

Aber einmal endete seine Methode in einer Tragödie. Und zwar am 1. Januar 2013 um 2.38 Uhr in Niederpöcking im Landkreis Starnberg. Damals verhakte sich die Jacke eines 31-jährigen Informatikers in der Türe des Taxis, als der Fahrer ruckartig anfuhr.

„Der Alexander ist wie ein nasses Handtuch auf den Boden geschlagen, und ich hab‘ gesehen, wie das Großraumtaxi über seinen Kopf und den linken Oberarm gerollt ist“, sagte sein 33-jähriger Bekannter. Er war mit dem in der Silvesternacht 2013 tödlich verletzten 31-Jährigen und dessen Lebensgefährtin um halb drei Uhr nachts von einer Silvesterparty in Niederpöcking an die Ferdinand-von-Miller-Straße gegangen, um von dort mit einem Taxi nach Starnberg zu fahren. „Wir standen keine zehn Minuten an der Straße, da hielt das Taxi“, sagte der Zeuge.

Taxifahrer: "Ich dachte, es sind Beschimpfungen"

Alexander M. und seine Lebensgefährtin seien bei der hinteren Schiebetüre in den Mercedes Viano eingestiegen, er selbst habe die Beifahrertüre geöffnet. Doch dann habe der Taxifahrer klar gemacht, dass eine Verwechslung vorliege und er von einem anderen Ehepaar bestellt worden sei. Die Lebensgefährtin von Alexander stieg aus, und als der 31-Jährige ihr folgen wollte, fuhr während er ausstieg das Taxi ruckartig an, sagte der Zeuge. „Alex rief Stopp, Stopp, Stopp, das muss der Fahrer gehört haben, weil ich es ganz deutlich hörte, und ich stand ja weiter weg“, sagte er.

Der Angeklagte erklärte jedoch in seiner Aussage, der grauenhafte Unfall habe sich ganz anders zugetragen. Er habe Rufe gehört, diese aber nicht verstanden. „Ich dachte, es sind Beschimpfungen“, sagte er. Nach seiner Darstellung haben die abgewiesenen Fahrgäste ihren Unmut geäußert. Sie seien aber nicht ins Taxi eingestiegen, sondern hätten daneben gestanden. Er ging kurz von der Bremse, um das Fahrzeug mit Automatikgetriebe anrollen zu lassen. Er habe das Zuziehen der Tür gesehen und sich „darauf verlassen, dass alles in Ordnung ist“.

Beim Anfahren hörte er ein Geräusch und merkte, dass der Wagen über etwas gerollt war. Seine Aussage wurde an dieser Stelle verwirrend: „Vielleicht war ja die Schiebetüre wieder aufgegangen“, mutmaßte der Angeklagte. Der gelernte Konditor sprach „sämtlichen Beteiligten“ sein tiefes Bedauern aus. Es gehe ihm sehr nahe, dass er „in irgendeiner Weise daran beteiligt war“. Auch er leide noch immer.

Die zwei Geschwister des Getöteten und seine Lebensgefährtin nehmen bei dem Prozess als Nebenkläger teil. Auch die Lebensgefährtin musste mitansehen, wie der 31-Jährige stürzte, mit dem Kopf unter das rechte Hinterrad geriet und wenige Minuten später starb. Die junge Frau erlitt einen Schock und ist wegen ihres Traumas noch immer in psychotherapeutischer Behandlung. Der Prozess dauert an.

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