Taxifahrer als Bordell-Schlepper

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Zur Wiesn boomt das Geschäft der etwa 180 Münchner Bordelle (Symbolfoto) – und beschert etlichen Taxlern einen lukrativen Verdienst 

München - Sie sprechen gezielt Männer an, locken mit verführerischen Tipps: Zurzeit sind in München Taxifahrer unterwegs, die auf Kundenfang für Bordelle gehen.

Der Mann will anonym bleiben. Zu gefährlich ist das, was er weiß. Es geht um Kopfgeldprämien für Freier, die Münchner Bordelle an Taxifahrer zahlen. „Diese Taxler verdienen extrem viel Geld damit, sind sehr gefährlich und aggressiv“, schreibt er. „Sie würden zum Äußersten greifen, um ihr Geschäft zu schützen.“ Es sind Taxifahrer, die ausschließlich sexhungrige Männer aufgreifen. Ihr „Geschäft“ boomt besonders zum Oktoberfest oder zu Messen.

Das Geschäft mit der käuflichen Liebe ist heftig umkämpft. Etwa 180 Bordelle buhlen in München um zahlungsfreudige Männer. „Bis zu 120 ­Euro pro Gast werden an Taxler gezahlt, wenn sie Kunden bringen“, weiß der Insider.

Die Bordell-Schlepper arbeiten fast nur in den Nachtstunden. „In der Lederer- oder Schillerstraße wird seitlich geparkt, die Fenster sind offen, die Zentralverriegelung bleibt geschlossen“, berichtet der Insider. Die Fahrer sprechen dann gezielt Männergruppen an. Andere Nachtschwärmer, die ein Taxi brauchen, werden abgewimmelt.

Die eingefangene Männergruppe wird dann zu jenen Bordellen gefahren, die am meisten zahlen. „Am Freitag und Samstag erreichen diese Taxler Prämien von bis zu 2500 Euro netto am Tag. Schwarz natürlich“, weiß der Insider.

Die Kopfprämien sind in den vergangenen Jahren immer weiter in die Höhe geschossen. Das Edelbordell ­Pascha hat die Reißleine gezogen. Auf seiner Internetseite schreibt der Club: „Vorsicht, die Herren – Ihr Taxifahrer ist nicht Ihr Freund. Er empfiehlt Ihnen nicht den „besten Club“, sondern verkauft Sie an den höchst Bietenden“.

Die Münchner Polizei hat das Treiben mit den Sex-Prämien im Blick. „Illegal sind solche Zahlungen nicht“, sagt Bernhard Feiner, Leiter des Kommissariats 35 (Sitte). „Bis auf die steuerliche Komponente“. Von einer organisierten Bordellschlepper-Bande will Reinhard Zielinski, Vorstand der Taxi München eG, nichts wissen. „Ich kann solche Zahlungen nicht bestätigen. Dass es in Einzelfällen zu Provisionszahlungen kommt, kann ich aber nicht ausschließen.“

"Sucht ihr was Nettes mit Frauen?"

„Taxi-Mafia und organisierte Zuhälterei mit Puff-Fahrten und Bordellschlepperei“ – mit diesen Worten hat der Insider seinen Brief überschrieben, den er an die tz schickte. Weiter heißt es: „Guten Tag, ich sende Ihnen diesen Brief als Hilfeschrei und möchte Ihnen Details und Vorgehensweise dieser gefährlichen Personen darstellen, die das Taxi „nur“ für diesen Zweck benutzen und täglich fahren.“ Dann schildert der Insider die Masche der Bordell-Schlepper. „Die Fahrer sprechen in den Nachtstunden ausschließlich Männergruppen in der Innenstadt aktiv und penetrant mit den Worten an: „Sucht ihr noch was Nettes mit Frauen und so?“ Steigen die Männer ein, geht’s sofort zu jenen Sex-Clubs, die am meisten zahlen. „Sehr oft, ohne den Taxameter anzuschalten, manchmal sogar gratis.“ Dann fahren die Taxler zurück in die City. „Das Spiel beginnt von Neuem.“ Ein Spiel, dass nach Auffassung des Insiders „extrem organisiert ist“. Besonders im Tal und im Bahnhofsviertel werden die sexhungrigen Männer vor den Nachtclubs abgefangen und in zahlende Bordelle gekarrt.

tz

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