Staatsanwaltschaft forderte neun Jahre Haft

Nach versuchtem Mord: Münchner Taxifahrer zu milder Strafe verurteilt

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Erleichtert: Taxifahrer Peter L. am Dienstag vor dem Landgericht. 

Vor einem Jahr hatte Taxifahrer Peter L. einen Menschen überfahren und danach Unfallflucht begangen. Wegen versuchten Mordes stand er nun vor Gericht. 

München - Es war der Schock zum Wiesn-Auftakt: In der Kapuzinerstraße überfuhr Taxifahrer Peter L. am 15. September einen Fahrgast nach einem Streit. Die Staatsanwaltschaft glaubte an versuchten Mord. Schuldig ist der Taxler nun aber nur der gefährlichen Körperverletzung und der Unfallflucht. „Es war eines der schwierigsten Verfahren, das diese Kammer bislang geführt hat. Wir hatten erhebliche Probleme, den Sachverhalt aufzuklären“, sagte Richter Norbert Riedmann nach dem Urteilsspruch. Denn der Täter hatte keine Angaben gemacht, das betrunkene Opfer erinnerte sich nicht, und neutrale Zeugen gab es keine. Allein die Gutachten konnten also Aufschluss geben.

September 2017: Taxifahrer Peter L. überfuhr sein Opfer und verließ den Unfallort

In jener Nacht hatte der Fahrgast Michael K. (Name geändert) zünftig gefeiert und wollte – entgegen des Rats seiner Freunde – noch weiterziehen in eine Diskothek. Mit 2,5 Promille rief er sich ein Taxi. Peter L. übernahm den Auftrag. Doch schon nach wenigen Minuten kam es in der Kapuzinerstraße zum Streit, weil Michael K. die 6,50 Euro Fahrpreis nicht zahlen wollte. Wütend stieg er aus und schlug auf die Motorhaube, „um den Fahrer zu provozieren“, wie der Richter feststellte.

Es kam zum Wortgefecht. Kurz darauf lag der Fahrgast verletzt am Boden. Was passiert war, blieb lange unklar. Die Staatsanwaltschaft warf Peter L. vor, dass er dem Fahrgast mit Absicht gegen ein Bein fuhr, sodass dieser stürzte. Anschließend sei der Taxler in Panik geraten und habe flüchten wollen. Obwohl er den wehrlosen Michael K. am Boden habe liegen gesehen, sei er nochmals über den stark angetrunkenen Mann gefahren, der einen Trümmerbruch in der Schulter und schwere Knieverletzungen erlitt.

Trotzdem hatte das Opfer Glück: Denn die Reifen erfassten ihn wohl nicht. Das Taxi rollte über den liegenden Mann hinweg, die schweren Verletzungen stammten letztlich vom Unterboden des Taxis. Nach der Tat schrieb der Taxler einer Freundin: „Ich habe einen überfahren und liegen gelassen.“

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Urteilsverkündung: Staatsanwaltschaft forderte neun Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft forderte neun Jahre Haft, weil Peter L. den Tod des Mannes billigend in Kauf genommen habe. Am Ende setzte sich aber Verteidigerin Birgit Schwerdt durch, die einen Tatvorsatz kategorisch ausschloss: „Mein Mandant hat den Mann nicht absichtlich überfahren.“ Ein erneuter Erfolg für die Anwältin, die bereits etliche Angeklagte vor langen Haftstrafen bewahrt hat, darunter auch Gabi P. aus Haar, die ihren Ex-Freund mit einer Kreissäge tötete, aber dank Schwerdt nicht wegen Mordes verurteilt wurde.

Peter L. durfte am Dienstag nach elf Monaten Untersuchungshaft das Gefängnis verlassen – und ging direkt zur Wiesn. Mit dem Urteil wurde ihm auch die Fahrerlaubnis entzogen, neun Monate bleibt er gesperrt, darf dann wieder als Taxler arbeiten. „Wir sind sehr erleichtert“, sagte Schwerdt. „Es war ein extrem komplizierter Fall.“ Ob die Staatsanwaltschaft Revision einlegt, ist noch unklar.

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