Taxler (58) setzt sein Auto als Waffe ein

Bob L. (39) winkte nach einem Taxi – und verlor fast das Leben.

Fahrer Josef E. (58) nahm den niederländischen Touristen auf die Motorhaube, gab Gas, bremste nach 60 Metern von 50 auf 0 herunter und schleuderte den unglücklichen Anästhesisten durch die Luft, direkt vor die Polizeiinspektion in der Hochbrückenstraße – Schädelbruch, Schädelhirntrauma. Vor dem Amtsgericht gab der Taxifahrer und Partner einer Reinigungsunternehmerin das Verbrechen des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr (Höchststrafe 15 Jahre) gestern zu.

„Der Vorwurf stimmt!“, ließ er seinen Verteidiger Karl-Heinz Seidl sagen. Vor dem Saal klang es in der Pause anders: Er, obwohl Fallschirmspringer, habe in jener Juni-Nacht „Todesangst“ gehabt. Angeblich baute sich der Hüne Bob L. drohend vor seinem Mercedes auf, der gleichfalls kräftige Begleiter Oskar D. (35) habe gegen die Scheibe geschlagen. Da gab’s angeblich nur eins: Schleunige Flucht.

Richterin Sabine Kehl verlas die Aussagen der beiden Holländer (waren damals auf Zechtour im Hofbräuhausviertel unterwegs). Anästhesist L. hatte keine Erinnerung mehr, ist damals erst im Krankenhaus wieder zu sich gekommen. Laut Zahntechniker Oskar D. wollte sein Freund das Taxi stoppen und stand deshalb auf der Straße. „Der Fahrer hat kurz angehalten und dann Gas gegeben. Bob lag auf der Motorhaube, konnte sich nicht festhalten. Der Chauffeur hat absichtlich scharf gebremst!“ So hat es auch ein Kollege des Angeklagten in Erinnerung. Bernhard M. (57): „Die beiden machten keinen aggressiven Eindruck. Der eine klopfte leicht ans Fenster, als wolle er mit dem Kollegen reden“.

Eigentlich schreie das unbegreifliche „Austicken“ des Angeklagten nach einem psychiatrischen Gutachten, fand die Richterin. Doch die Parteien hatten sich bei einem Vorgespräch auf eine andere Lösung geeinigt: zwei Jahre Bewährungsstrafe, 300 Stunden gemeinnützige Arbeit, fünf Jahre Führerscheinsperre. „Sie haben das Auto als Waffe eingesetzt!“ so die Staatsanwältin. Nur 40 Jahre unfallfreies Fahren und das fortgeschrittene Alter des Angeklagten ermögliche das milde Urteil. Ob und wann er seine Fahrerlaubnis wieder bekomme, stehe im Ermessen der Behörde. Josef E. nahm das Urteil an – und tönte vor dem Saal: „Es ist ungerecht!“

Quelle: tz

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