Nach brutalen Überfällen in Freimann

Taxler fordern Video-Überwachung

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Taxifahrer Thorsten T. (33) wurde mit einem Messer bedroht, wagte keine Gegenwehr

München - Nach zwei Raubüberfällen in zwei Tagen ist die Diskussion um Videoüberwachung in Münchner Taxis wieder neu entflammt. Einige Fahrer fordern Kameras in ihren Fahrzeugen.

Jede Tram und jeder Bus, jede U- und S-Bahn, fast jede Tankstelle und jeder Bahnsteig hat sie. Nur die Münchner Taxifahrer – die haben sie nicht: Eine Videoüberwachung. Nach zwei Raubüberfällen in zwei Tagen ist die Diskussion nun wieder neu entflammt.

Fordern Kameras: Thorsten T. (33), Stiefvater Detlev Horn

Einer der Wortführer ist Taxiunternehmer Detlev Horn (58), der seit 37 Jahren fährt und selbst schon einmal überfallen wurde. Am vergangenen Wochenende hat es seinen Stiefsohn Thorsten T. (33) erwischt. Nun will der Unternehmer nicht mehr locker lassen: „Ich bin mir sicher, dass eine Video-Ausrüstung in allen Münchner Taxis einen präventiven Charakter hätte und den etwa 11 000 Münchner Taxifahrern- und Taxifahrerinnen mehr Sicherheit vermitteln würde.“

Denn die Kundschaft hat sich im Laufe der vergangenen Jahre sehr verändert: „Schauen Sie sich doch mal an, was da nachts auf der Feiermeile oder am Kunstpark los ist. Dagegen sind zwei Wochen Oktoberfest ein Kindergarten. Wir Taxifahrer haben eine Beförderungspflicht. Wir können Fahrgäste nur in Extremfällen ablehnen.“

Im Jahr 2005 gab es in München fünf Raubüberfälle auf Taxifahrer, im Jahr 2011 waren es dagegen schon 18. Nicht erfasst sind ungezählte bedrohliche Situationen, denen Taxifahrer Nacht für Nacht ausgeliefert sind. Einzelne haben bereits private Videokameras eingebaut. Das allerdings hat schon mal für Ärger gesorgt – mit einem prominenten TV-Richter, der sich in seiner Privatsphäre gestört fühlte.

„Was wir brauchen, ist Rechtssicherheit. Die jedoch scheiterte bislang an den Datenschützern“, erklärte Reinhard Zielinski, einer der Vorstände der Münchner Taxi-München eG. Wie’s geht, haben die Bremer vorgemacht: Seit März 2009 sind im Stadtstaat alle Taxis mit Videotechnik ausgerüstet. Alle 15 Sekunden wird ein Standbild gemacht. Gespräche werden nicht aufgezeichnet. Die Daten landen gut gesichert auf dem Server in der Taxizentrale und werden nach 48 Stunden gelöscht. Seitdem gab es in Bremen nur noch vier Überfälle in drei Jahren. Aufklärungsquote: 100 Prozent.

Detlev Horn hat diese Erkenntnisse Deutschlands Datenschützern zu ihrer letzten Versammlung am 18. September in Düsseldorf zukommen lassen. Und wurde sehr enttäuscht: „Ich habe noch nicht mal eine Antwort bekommen.“

Dorita Plange

Zwei Opfer innerhalb von zwei Tagen

In Freimann geht ein Serienräuber um, der es auf Taxifahrer abgesehen hat. Thorsten T. (33) stand in der Nacht zum Sonntag am Standplatz am U-Bahnhof Freimann und wartete auf die letzten Nachtschwärmer: „Um 1.20 Uhr öffnete jemand wie zum Test einen Spaltbreit die Beifahrertür.“ Dann wurde die Tür ganz aufgerissen. Ein maskierter Mann bedrohte T. aus nächster Nähe mit einem Messer. Der Taxler ist Kampfsportler und Freiwilliger Feuerwehrmann, hat gute Nerven und kann sich wehren. Hier jedoch geriet er an seine Grenzen: „Ein Messer auf so kurze Distanz im engen Innenraum ist viel zu gefährlich. Ich sah keine Chance, es ihm aus der Hand zu schlagen.“ Äußerlich ganz ruhig hielt er dem Räuber den Gelbeutel hin. Der Täter war offenbar enttäuscht: „That‘s not all!“ („Das ist nicht alles!“), sagte er in einem seltsam künstlichen Englisch. Dann aber fuhr ein zweites Taxi um die Ecke. Da begnügte sich der Täter mit 100 Euro und floh.

Keine 48 Stunden später schlug offenbar derselbe Mann am selben Ort wieder zu: Diesmal wurde ein 50-jähriger Taxler in der Nacht zu Dienstag 20 Minuten nach Mitternacht sein Opfer. Wieder wurde die Beifahrertür aufgerissen, wieder blitzte ein Messer. Der Taxifahrer wurde am Ärmel gepackt, riss sich aber los und ließ sich aus dem Auto fallen. Er verletzte sich dabei leicht am Knie.

Die Taxi München eG hat am Dienstag 250 Euro auf den Täter (wohl Ausländer, maskiert mit schwarzer Wollmütze bzw. Strickmaske mit Sehschlitzen, muskulöse Statur, ca. 95 Kilo schwer) ausgesetzt. Thorsten T: „Mit Videoüberwachung hätten wir der Polizei jetzt vielleicht ein Foto präsentieren können.“

D. Plange

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