Auch Techno-König unter Anwohnern

Protest gegen Kulturzentrum in Haidhausen

München - Gegen ein Kunst- und Kulturzentrum in Haidhausen  regt sich Protest. Interessanterweise befindet sich unter den Anwohnern mit Bedenken der Betreiber des "Harry Klein".

Das Miteinander im urbanen Raum ist nicht immer einfach. Die Geschichte um die „Kulturmeierei“ in Haidhausen beschreibt den immer wiederkehrenden Konflikt zwischen Anwohnern und Freiräumen für Gastronomie und Kultur vielleicht ganz gut: Ein Privatbesitzer schafft eine Fläche für Subkultur, wo genauso gut eine Luxussanierung stattfinden könnte. Kunst statt Kommerz, das gibt es eher selten in München. Doch ehe das Projekt so richtig beginnt, müssen sich die Initiatoren mit Beschwerden auseinandersetzen. Besonders interessant an diesem Fall: Einer der Bedenkenträger ist David Süß, eine schillernde Figur des Münchner Nachtlebens. Süß betreibt den Techno-Club „Harry Klein“ an der Sonnenstraße, wo regelmäßig bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wird.

In einem Hinterhof an der Kirchenstraße 89 nahe dem Haidenauplatz war lange Jahre eine Autowerkstatt untergebracht - bis Juni 2014. Künftig soll dort nun eine Begegnungsstätte für alle möglichen Kulturformen beheimatet sein. Zur Verfügung stehen 1200 Quadratmeter: eine große loftartige Halle, ein Tagescafé sowie Ateliers und Büroräume für Kreative.

Für die Betreiber der Kulturmeierei GmbH war die frei werdende Werkstatt ein „Riesen-Glücksfall“, wie es Teammitglied Dominik Sedlmayr ausdrückt. „Wir waren hin und weg. Das hier ist der Traum.“ Die Agentur besteht mittlerweile aus acht Leuten. Geschäftsführer und Gründer ist Markus Czipzirsch. Der 40-jährige Kaufmann ist schon lange in der Münchner Party- und Veranstaltungsszene aktiv. Für Formen der Subkultur gebe es zu wenig Raum, meint er. Das habe ihn genervt und sei die Motivation gewesen, vor drei Jahren das Projekt Kulturmeierei ins Leben zu rufen. „Meckern ist nicht mein Ding, sondern die Devise: Mach selbst etwas.“ Anfang Januar hat er eine Firma gegründet. Seit 1. Oktober läuft der Mietvertrag für die Räumlichkeiten der ehemaligen Autolackiererei.

Die Genehmigung für eine Umwidmung von Gewerbe in eine kulturelle Nutzung wird derzeit von der Lokalbaukommission (LBK) geprüft. Grundsätzlich seien kulturelle Nutzungen in dem Gebiet zulässig, heißt es vom Planungsreferat. Die notwendigen Auflagen zum Schutze der Anwohner würden von der genauen Ausgestaltung des Betriebsablaufs abhängen. Die LBK bestätigt, dass bereits „diverse Einwendungen“ gegen das Projekt vorlägen.

Süß kritisiert Kommunikationspolitik der Betreiber

Czipzirsch, Sedlmayr und die Medienbeauftragte beteuern, das ganze Vorhaben funktioniere nur im Miteinander mit den Nachbarn. Geplant seien Theateraufführungen, Ausstellungen, Lesungen und Konzerte, aber kein Lokal oder gar ein Club. Sedlmayr sagt: „Wir wollen bewusst Hinterhof-Kultur aufleben lassen.“ Die Medienbeauftragte ergänzt: „Crossover-Kunst.“ Geld ist damit allerdings kaum verdient. Um die Sache profitabel betreiben zu können, soll die Halle für Firmenfeiern oder Events vermietet werden.

Unterdessen haben mehrere Anwohner ihre Sorge über die neue Nutzung im Bezirksausschuss (BA) Au-Haidhausen kundgetan. David Süß, Betreiber des Electro-Clubs „Harry Klein“ an der Sonnenstraße, macht in einem Schreiben deutlich, dass ihm eine Nutzung des Areals mit Ateliers und Übungsräumen herzlich willkommen sei. Die Sorge beziehe sich auf eine Nutzung während der Abend- und Nachtstunden mit hohem Publikumsverkehr. „Es ist Zufall, dass ich Anwohner bin. Die Stadt lebt von solchen kulturellen Initiativen. Aber ich will nur darauf aufmerksam machen, dass wir hier mitten in einem Wohngebiet sind und Konflikte programmiert sind.“

Süß kritisiert, dass die Betreiber bislang nur vage über ihr Projekt aufgeklärt hätten. Man habe den Eindruck, dass eine Nutzung durch Künstler vorgeschoben werde, um eine Genehmigung für einen gastronomischen Betrieb zu erhalten.

Markus Czipzirsch weiß, dass es in unmittelbarer Umgebung knapp 300 Haushalte gibt. Der Prozentsatz der Beschwerdeführer ist seiner Einschätzung nach gering. „Die Alteingesessenen stehen dem Projekt eher aufgeschlossen gegenüber.“ Czipzirsch versichert, dass bei Konzerten spätestens um 23.30 Uhr Schluss sein soll. Im Innenhof werde es eine schalldichte Raucherkabine geben. Bis die Genehmigung der LBK vorliege, werde jede Einzelveranstaltung ordnungsgemäß beim Kreisverwaltungsreferat angemeldet.

Während des Gesprächs kommt zufällig die Besitzerin des Areals vorbei. Sie sagt, sie sei erschüttert, wie viel Gegenwind ihr entgegenschlage. Es seien zwar nur wenige Leute, aber die würden viel Energie in den Protest verwenden. Sie sei mittlerweile massiven Anfeindungen ausgesetzt: „Dabei will ich doch nur etwas Gutes für die Kultur tun.“

Klaus Vick

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