Grusel-Abzocke am Telefon

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tz-Leser Marc Schaut (32) durchschaute die Abzocke am Telefon.

München - Telefonanrufe mit abschreckenden Roboter-Ansagen waren gestern: Betrüger lassen sich immer neue Tricks einfallen. Wie die neue Grusel-Abzocke funktioniert.

Bislang läuft die Telefon-Abzocke per Bandansage so: Es läutet, eine Roboter-Stimme rattert los. „Hallo. Sie haben gewonnen. Sie müssen nur einen Anruf tätigen. Wählen Sie 0190-…“ Allein der Klang wirkt so abschreckend, dass man schon auflegen will. Und die Masche mit den überteuerten Nummern durchschaut fast jeder.

Das war einmal: Jetzt verwickeln die Computer in so nette Gespräche, dass man nicht mal merkt, dass da nur ein Roboter am anderen Ende der Leitung sitzt. Sie stellen sich sogar auf ihre Gesprächspartner ein. Die neue Grusel-Abzocke am Telefon! „Sitzen Sie gut?“, fragt der nette Anrufer den tz-Leser Marc Schaut (32) aus München. Der Herr gibt sich als Mitarbeiter der „Verbraucherschutzzentrale Freiburg“ aus und gratuliert zu einem Gewinn – eine Million Euro oder ein neuer S-Klasse-Mercedes! Der Münchner müsse nur noch eine Bearbeitungsgebühr von 44,95 Euro überweisen. Da dämmert es Marc Schaut – er reagiert pampig. Der Anrufer entschuldigt sich freundlich, er habe sich verwählt, und legt auf. Der tz-Leser sagt: „Ich habe nicht gedacht, dass das ein Computer ist.“

Derzeit machen Anrufe nach diesem Muster die Runde. Die Männerstimme meldet sich als Mitarbeiter wahlweise von „Verbraucherschutzzentrale“, „Verbraucherzentrale“, meist aber vom „Verbraucherinstitut“ in Freiburg, gelegentlich nennt die Stimme den Namen „Thomas Friedrich“. Davor warnen etliche Nutzer von Internet-Foren. Die tz hat selbst so ein Telefonat geführt. Offenbar häufen sie sich in München.

Allein kommt kaum ein Opfer auf den Gedanken, dass sie mit einem Roboter gesprochen haben. Erst in der Zusammenschau wird die Masche deutlich. Es fallen immer genau die gleichen Sätze! So erinnern sich die Opfer an den Wortlaut:

- Mit „Sitzen Sie gut?“ beginnt das Gespräch offenbar jedes Mal.

- Dann folgt: „Ich sage Ihnen jetzt mal was, herzlichen Glückwunsch. Sie sind in der Endrunde!“

- Das Gewinnversprechen lautet anschließend: „Für eine Million Euro hätten Sie doch noch Platz auf Ihrem Konto?“

Offenbar stellt sich die Stimme auf die Opfer ein. Denn sie verlangt nicht stur sofort die persönliche Daten. Dreist reagiert die Stimme auf ablehnende Begriffe wie „Polizei“, „Anzeige“, „Bundesnetzagentur“, bei der man verbotene Anrufe anzeigen kann. Im Falle des Telefonats mit der tz war es wohl das Wörtchen „illegal“. Auf solche Schlüsselbegriffe antwortet die Stimme mit dem immergleichen Satz: „Es läuft nicht immer alles glatt im Leben.“ Spitzt sich der Streit weiter zu, faselt der Anrufer irgendwas von einem Zahlendreher in der Nummer und sagt: „Ich sehe gerade, ich habe mich wohl verwählt.“ Wünscht noch einen schönen Tag – und legt auf.

Die Tricks der Daten-Hacker

Die Tricks der Daten-Hacker
Die Tricks, mit den sich Computerhacker Zugriff auf persönliche Daten verschaffen, werden immer vielfältiger. Waren es früher vor allem Viren und Trojaner, sind es mittlerweile Phishing-Methoden und Exploit-Attacken. Erfahren Sie hier die wichtigsten Tricks der Daten-Hacker und wie Sie sich dagegen schützen können: © mol
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VIREN: Die überwiegende Anzahl der Viren gelangt als Anhang in E-Mails auf den PC. Auch eine Infektion über CD-ROM, USB-Stick oder Datei-Download aus dem Internet ist möglich. Viren können die Funktionsweise von Programmen beeinflussen, seltsame Texte ausgeben oder auch die Festplattte löschen. Viren sind aber auch in der Lage, vertrauliche Daten wie Bankverbindung oder Passwörter an ihre Programmierer weiter zu leiten. © dpa
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WÜRMER: Würmer sind zwar auch Viren, Würmer verbreiten sich aber über Computernetzwerke selbstständig weiter (Viren müssen durch einen Anwender mit den infizierten Dateien kopiert werden). Durch ihre schnelle Verbreitung benötigen Würmer enorme Netzwerk- und Rechenressourcen, wodurch es zum Ausfall von Servern kommen kann. Dies wiederum kann bei Firmen enormen wirtschaftlichen Schaden verursachen. © dpa
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TROJANER: Die Bezeichnung bezieht sich auf das Trojanische Pferd. Trojaner funktionieren auf die gleiche Weise: Ein scheinbar nützliches Programm versteckt im Inneren ein schädliches Programm. Dieses späht dann Passwörter und andere vertrauliche Daten aus. Trojaner verstecken sich zum Beispiel in Freeware- oder Shareware-Programmen, die im Internet zum Download angeboten werden. © dpa
Die Tricks der Daten-Hacker
BROWSER-ENTFÜHRUNG: Hacker können auch Ihren Browser entführen. Darunter versteht man die Umleitung von Browser-Anfragen auf fremde Internetseiten - statt auf Ihrer Startseite landen Sie zum Beispiel auf einer Werbeseite. Auch Ihre Lesezeichen oder Favoriten können durch die kleinen Schadprogramme geändert oder ergänzt werden. © dpa
Die Tricks der Daten-Hacker
PHISHING: Beim „Passwort-Fischen“ versenden Internet-Betrüger E-Mails, die vorgeben, beispielsweise von Banken zu sein. Die Mails fordern den Empfänger auf, die Kundendaten zu aktualisieren. Über einen Link in der E-Mail gelangt man dann auf gefälschte Internet-Seiten der Betrüger. So „fischen“ die Betrüger dann Bankverbindungen und andere Nutzerdaten ab.  © dpa
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PHARMING: Diese Betrugsmethode ist eine Weiterentwicklung des Phishing: Durch Trojaner oder Viren wird der PC so manipuliert, dass der Browser auf manipulierte Seiten umgeleitet wird, obwohl die richtige Internet-Adresse eingegeben wurde. Der Begriff „Pharming“ beruht darauf, dass die Betrüger große Server-Farmen unterhalten, auf denen die gefälschten Webseiten abgelegt sind. © dpa
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EXPLOITS: Mit so genannten Exploits testen Hacker Computersysteme auf Schwachstellen. Häufig sind Angriffe aus dem Internet mittels manipulierter Datenpakete oder spezieller Datenströme auf Schwachstellen in Netzwerksoftware. Diese Lücken nutzen die Hacker aus, um den Computer dann zu manipulieren. © dpa
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SQL-INJECTION: Eine spezielle Art der Exploits sind SQL-Injections. Hacker versuchen dabei, sich über SQL-Statements (die „Sprache“ mit der Datenbanken kommunizieren) über das Login-Feld Zugang zu den Datenbanken zu verschaffen. Mit den gewonnnen Informationen könnnen Hacker dann beispielsweise den Seiteninhalt von fremden Internetseiten ändern und so Viren und Trojaner einschleusen. Aber auch Nutzerdaten gelangen so in die Hände der Hacker. © dpa
Die Tricks der Daten-Hacker
DRIVE-BY-DOWNLOAD: Hacker hinterlegen unsichtbaren Schadcode auf einer (eigentlich seriösen) Internetseite. Wird die Seite aufgerufen, wird der Schadcode auf den Rechner geladen - wie der Name beschreibt, quasi im vorrübergehen. Die Hacker nutzen dabei Sicherheitslücken im Browser aus. Das Schadprogramm lädt dann meistens weitere Software nach, die dann persönliche Daten ausspioniert. © dpa
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HOAX: Diese Falschmeldungen (engl. Hoax) werden in der Regel in E-Mails verschickt. Ein vermeintlich sachlicher Text soll den Leser dazu ermutigen, auf einen Link in der E-Mail zu klicken. Dann landet der Nutzer beispielsweise auf infizierten Internetseiten. Eine Liste mit aktuellen Hoaxes gibt es bei der TU Berlin. © dpa
Die Tricks der Daten-Hacker
WÖRTERBUCH-ATTACKEN: Um sich Zugang zu Sozialen Netzwerken oder anderen Mitglieder-Bereichen zu verschaffen, nutzen Hacker beispielsweise Wörterbuch-Attacken. Dabei werden Seiten mit unzähligen Kombinationen aus Benutzernamen und Passwörtern “bombadiert“. Die Passwörter zieht der Hacker dabei aus so genannten Wörterbüchern: Textdateien mit zahllosen Begriffen. © dpa
Die Tricks der Daten-Hacker
So können Sie sich gegen die Daten-Hacker schützen. © mol
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So können Sie sich gegen die Daten-Hacker schützen. © mol
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So können Sie sich gegen die Daten-Hacker schützen. © mol
Hier geht‘s zur Fotostrecke: So machen Sie Ihr Passwort sicher © dpa

Im Nachhinein sind sich alle Opfer sicher, dass sie es mit einem Roboter zu tun hatten. Auch tz-Leser Marc Schaut kamen Zweifel. Er arbeitete selbst mal im Telefon-Marketing, kennt sich mit Gesprächsschulungen aus, in denen Mitarbeiter vorgefertigte Antworten lernen. Er dachte sich: „Der Anrufer hält sich aber gut an seine Texte.“ Jetzt sagt er: „Wenn das ein Computer war, muss der aber ausgereift sein.“ „Technisch ist das möglich“, urteilt Christian Gollner von der Verbaucherzentrale Baden-Württemberg, in deren Einzugsgebiet das genannte Freiburg liegt. Und die Computer-Anrufe machen aus Sicht der Betreiber sogar Sinn: So müssen sie keine Honorare bezahlen, Verrat durch Komplizen fürchten und vor allem: Bandansagen seien zwar genau wie Anrufe durch Menschen verboten, könnten aber nicht mit Bußgeld belegt werden! „Eine Gesetzeslücke!“, erläutert der Verbaucherschützer.

Das bestätigt auch die Bundesnetzagentur. Allerdings sei fraglich, ob es sich bei dem Anruf noch um Werbung handele, möglicherweise komme sogar Betrug in Betracht, sagt Sprecher Cord Lüdemann der tz. Opfer könnten sich an Polizei und Staatsanwaltschaften wenden. Die Bundesnetzagentur könne diese Grusel-Abzocke kaum verfolgen, da der Anrufer seine Nummer nicht preisgibt. Außerdem sei die Behörde mit tausenden Beschwerden pro Monat „sehr gut ausgelastet“.

Kein Wunder, heißt es bei der Verbrauchzentrale Bayern. Seit dem Verbot der ungefragten Werbeanrufe letzten Sommer „hat sich nichts geändert“, sagt Tatjana Halm. „Die nehmen eher zu!“ Die Verbaucherschützer sammeln derzeit sämtliche solcher Anrufe, um auf eine Verschärfung der Gesetze zu drängen. Solange gelte: Keine persönlichen Daten preisgeben, auf dubiose Fragen nicht mit „ja“ antworten, um nicht aus Versehen Telefon-Verträge einzugehen, und ganz unfreundlich einfach auflegen. Ist ja ohnehin nur ein Roboter dran.

David Costanzo

Die Tricks der Betrüger

Dass sich die Telefon-Abzocker als Verbraucherschützer ausgeben, ist schon lange bekannt. „Sie nutzen den guten Ruf der Verbraucherzentralen aus“, sagt Juristin Tatjana Halm. „Wir rufen niemanden aus heiterem Himmel an – schon gar nicht, um irgendwelche Geschäfte zu machen.“ Die dubiosen Anrufer versuchen, ihren Opfern teure Gewinnspiele anzudrehen – von den Prämien ist schnell keine Rede mehr. Besonders dreist: Andere bieten an, Verbraucher gegen Gebühr in Werbesperrlisten einzutragen. Dabei ist das immer kostenlos möglich! In der Regel fragen die Abzocker aber nach den Bankdaten, um Geld abbuchen zu können.

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