1. tz
  2. München
  3. Stadt

Franz, der Gangster-Schreck! Münchner Senior half der Polizei, eine Betrügerin festzunehmen - „Immenser Druck“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Andreas Thieme

Kommentare

Vor dem Polizeipräsidium in der Ettstraße ehrte Chef-Ermittler Hans-Peter Chloupek (links) den mutigen Münchner: Franz (66) half mit, falsche Polizisten zu fassen
Vor dem Polizeipräsidium in der Ettstraße ehrte Chef-Ermittler Hans-Peter Chloupek (links) den mutigen Münchner: Franz (66) half mit, falsche Polizisten zu fassen © SIGI JANTZ

Einen Schaden von 2,5 Millionen Euro: So viel verursachten Betrüger 2021 in München, indem sie sich als Polizisten ausgaben und Senioren abzockten. Doch dank mutiger Bürger können immer mehr Gangster gefasst werden. Gestern ehrte die Polizei drei Betroffene, die halfen.

München - Ein Einbruch in der Nähe – „und die Täter haben es jetzt auf Sie abgesehen“. Diese Geschichte hörte Franz (66) am Telefon, wo ein angeblicher Polizist ihn aufforderte, seine Wertsachen herauszugeben. „Die müssen wir dringend sichern, denn auch Sie sind in großer Gefahr.“

Doch alles gelogen! Denn das ist die Masche von fiesen Betrügern, die immer häufiger Münchner Senioren abzocken. Bei 2,5 Millionen Euro lag der Schaden im Jahr 2021. Doch Franz fiel nicht darauf rein. Er half der Polizei am Ende sogar eine Täterin zu schnappen – gestern ehrte ihn die Polizei!

„Ich möchte mich ganz besonders bei Ihnen bedanken. Was Sie getan haben, war keine Selbstverständlichkeit“, lobte Hans-Peter Chloupek, Leiter der AG Phänomene, die die Gangster bis in die Türkei jagt. Von dort wurde auch Franz W. Anfang 2020 angerufen – die Täter sprechen perfektes Deutsch und werden für die Betrüger-Anrufe speziell in Callcentern geschult, wo sie auch täglich nach München telefonieren und gezielt nach althergebrachten Namen im Telefonbuch suchen.

München: Senior trickste Betrüger aus und half der Polizei bei einer Festnahme-Aktion

„Die Masche mit dem angeblichen Einbruch kannte ich schon“, sagt Franz W. Er ließ sich dennoch auf das Gespräch ein – aber informierte nebenher gleich die Polizei. „Ich bin gelernter Telefontechniker und habe zuhause mehrere Apparate“, erklärt Franz.
Gegen 22.30 Uhr kam der erste Anruf – etwa zwölf Stunden klickten die Handschellen bei der Betrügerin. In der Zwischenzeit musste Franz Stunden am Telefon verbringen. Die angeblichen Kommissare am anderen Ende der Leitung bauen „oft massiven Druck auf die Betroffenen auf“, erklärt Chloupek. „Sie wollte genau wissen, welche Wertsachen ich habe und wiesen mich an, diese bei der Bank abzuholen, da sie dort nicht mehr sicher seien“, sagt Franz. Er log vor, mehr als eine Million Euro in Goldbarren zu besitzen.

Die Zahlen des Callcenter-Betrug steigen massiv an: 2020 gab es in München 6113 Fälle mit 4,2 Millionen Euro Schaden
Die Zahlen des Callcenter-Betrug steigen massiv an: 2020 gab es in München 6113 Fälle mit 4,2 Millionen Euro Schaden © Julian Stratenschulte (dpa)

Die Bank wusste da längst Bescheid und wickelte Milchkartons und Sektflaschen in Reisetaschen, die wie die Beute aussahen. „Als ich die Filiale verließ, sprach mich eine Abholerin der Bande von hinten an.“ Ihre Bosse hatte sie zu Franz navigiert. Eine Falle! Denn so erfolgte in Neuabing dann der Zugriff der Polizei!

„Es ist wichtig, dass Betroffene ihre Erfahrungen schildern“, sagt Polizeisprecher Andreas Franken. Denn so werden möglichst viele Bürger gewarnt!

Auch interessant

Kommentare