420 Mitarbeiter verzweifelt

Telekom: „Unsozialer geht’s nicht“

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Mehrere Hundert wütende Mitarbeiter versammelten sich am Freitag vor dem Telekom-Gebäude in der Dingolfinger Straße.

Petra Jung (44) hat Tränen in den Augen – vor Wut und vor Verzweiflung. „Ich habe eine neunjährige Tochter, unsere gesamte Existenz steht auf dem Spiel“, sagt die alleinerziehende Mutter. Und fragt: „Bin ich meiner Firma denn gar nichts wert?“

Die Nachricht schlug am Donnerstag ein wie eine Bombe: Die Telekom will im Rahmen ihrer Umstrukturierung auch das Callcenter in der Dingolfinger Straße schließen. Die 420 Mitarbeiter sind schockiert – niemand dachte, dass München als zweitgrößter Standort in Bayern ebenfalls betroffen sein könnte. „Viele haben erst über das Radio und Internet von der Schließung erfahren – das ist einfach ein Unding“, erzählt ein Angestellter.

Telekom-Demo: wütende Angestellte

Dass die Telekom die Mitarbeiter laut Tarifvertrag bis Ende 2012 nicht kündigen darf, ist für viele nur ein schwacher Trost. Zwar bietet der Konzern den Betroffenen alternative Arbeitsplätze an. Die liegen aber in Traunstein, Augsburg oder Kempten – zum Teil über 200 Kilometer vom Wohnort der Beschäftigten entfernt. „Viele Frauen haben Familie und arbeiten in Teilzeit. Für sie sind eine lange Fahrt zur Arbeit oder ein Umzug einfach undenkbar“, sagt Susanne Becker von der Gewerkschaft Verdi. Ebenso verhalte es sich mit den rund 60 körperbehinderten Mitarbeitern, die am Standort München beschäftigt seien: „Man kann nicht erwarten, dass blinde oder auf den Rollstuhl angewiesene Mitarbeiter täglich mehrere Stunden in die Arbeit pendeln. Die Angebote der Telekom sind Schönfärberei: Den meisten Beschäftigten wird nichts anderes übrig bleiben, als von sich aus zu kündigen. Genau das hat der Konzern scheinbar vor – schließlich ist das die beste Methode, viele Mitarbeiter loszuwerden.“

Die Telekom plant, aus Einsparungsgründen 39 Callcenter in Deutschland zu schließen – mit München sind in Bayern insgesamt sechs Standorte betroffen, darunter Weilheim, Ansbach, Passau, Bad Kissingen und Würzburg. Um ihrer Wut Luft zu machen, versammelten sich am Freitag mehrere Hundert Mitarbeiter des Münchner Callcenters zu einer Kundgebung vor dem Telekom-Gebäude in Berg am Laim. Susanne Becker verspricht: „Wir werden uns mit allen Mitteln für die Beschäftigten einsetzen. Die Schließungen sind behinderten- und frauenfeindlich – unsozialer könnte das Vorgehen der Telekom nicht sein.“

C. Schmelzer

Quelle: tz

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