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Im Hochsommer: Münchner Vermieter dreht Wassertemperatur auf 70 Grad - Anwohner völlig baff

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Von: Andreas Thieme

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Wohnanlage im Hasenbergl
Zu der betroffenen Wohnanlage im Hasenbergl gehören 140 Mietparteien. © Oliver Bodmer

Der Vermieter einer Anlage im Stadtteil Hasenbergl dreht trotz Gaskrise und heißem Sommer die Temperatur hoch. Für die Anwohner nur schwer nachzuvollziehen.

München - Karl Grandl (78) ist verzweifelt: Von 1250 Euro Rente bleiben ihm pro Monat nur 375 Euro zum Leben. 780 Euro Miete gehen allein für seine Mietwohnung im Hasenbergl drauf, 95 Euro fallen zusätzlich für Telefon und Strom an. Kein Wunder, dass dem Senior angst und bange wurde, als kürzlich ein Schreiben seines Vermieters im Briefkasten lag.

Die Ottmann GmbH & Co Südhausbau KG teilt darin mit, dass „zur Verbesserung der Wasserqualität und Rohrleitungsdesinfektion zwischenzeitlich die Vorlauftemperatur des Warmwassers auf ca. 70 Grad“ erhöht werde.

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München: Anwohner sollen Wasser drei Minuten täglich laufen lassen

Den Bewohnern der Anlage in der Münchner Stösserstraße (140 Parteien) wird empfohlen: „Lassen Sie in den nächsten Wochen alle Warmwasserhähne mehrfach (am besten täglich) mindestens drei Minuten (…) bei vollem Wasserstrahl und maximaler Temperatur aufgedreht.“ Ausgerechnet im heißesten Sommer seit Menschengedenken und bei irren Gaspreisen wird die Temperatur hochgedreht.

Hintergrund dafür: ein Legionellen-Befund im Haus. Um die gefährlichen Bakterien abzutöten, muss das Wasser wärmer sein als üblich. Grandl fürchtet aber: „Die Erhöhung der Temperatur bedeutet einen höheren Gasverbrauch. Das zahlen am Ende alles die Mieter. Ich habe Angst, dass hohe Nachforderungen kommen.“ Der Vermieter habe ihn schon aufgefordert, die Vorauszahlungen freiwillig zu erhöhen.

Karl Grandl vor seiner Wohnung im Hasenbergl
Hat Angst vor einer hohen Gas-Nachforderung: Karl Grandl vor seiner Wohnung im Hasenbergl. © Oliver Bodmer

München: Grund für heißes Wasser sind Legionellen

Was sagt der Vermieter? „Die Temperaturerhöhung dient zur Hygieneverbesserung des Warmwassers und zum Schutz unserer Mieterschaft vor etwaigen gesundheitlichen Risiken. Wir kommen damit unseren Betreiberpflichten gemäß Trinkwasserverordnung nach“, so die Südhausbau auf Merkur-Anfrage. Allerdings: Durch die Temperaturerhöhung werde kein zusätzliches Warmwasser verbraucht.

Stattdessen sei nur das Wasser, das im Haus zirkuliere, wärmer. Jeder Mieter zahle weiter nur seinen tatsächlichen Warmwasserverbrauch, der per Zähler gemessen wird. Marketing-Chefin Branka Kern ergänzt: „Die öffentlichen Appelle zum Einsparen von Heiz- und Warmwasserenergie in Zeiten stark steigender Energiepreise führen allerdings zunehmend zu einem Zielkonflikt zwischen Energiesparbemühungen und Gesundheitsschutz…“

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