So reagieren die Münchner

Terror-Alarm: Wir lassen uns keine Angst machen!

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Links: Annika Geigel (20), Studentin. Rechts: Michael Martinez (38), Ingenieur mit Sohn Gabriel (1,5).

München - Bilder wie im Krieg aus Paris, Terror-Angst in Hannover: Das bestimmt auch in München die Stimmung. So reagieren die Münchner auf die schlimmen Nachrichten. 

Ja, es ist wahr. Die Ereignisse von Paris und Hannover haben bei uns allen Spuren hinterlassen. In der U-Bahn, im Bahnhof, auf allen öffentlichen Plätzen denken die Menschen: Was wäre, wenn…? Ein mulmiges Gefühl ist der ständige Begleiter seit dem letzten Wochenende. Und doch werden wir dem Terror niemals erlauben, das öffentliche Leben lahm zu legen und unsere freiheitliche Gesellschaft einzuschränken. Das meint jedenfalls Polizeipräsident Hubertus Andrä stellvertretend für alle Münchner Polizisten, die stärker und aufmerksamer denn je über alle Veranstaltungen wie Fußball, Christkindlmärkte und Konzerte wachen werden. Und das denken auch die Münchner, die ihren Alltag nicht dem Terror unterordnen wollen und sich dennoch mit wachen Augen in der Öffentlichkeit bewegen. Und der Kabarettist Helmut Schleich hat in seinem Kommentar zur aktuellen Lage auf den Punkt gebracht, warum wir gerade jetzt erst recht lachen dürfen und sollen:

Marina Novellino (18), Auszubildende

Marina N. (18), Auszubildende: Ich bin aufmerksamer. Einige Freunde durften heuer nicht auf die Wiesn, weil es ihre Eltern verboten haben. Sie hatten zu große Angst vor Anschlägen. Ich hatte ein mulmiges Gefühl und bin trotzdem gegangen. Ich werde dieses Jahr auch wieder aufs Tollwood gehen. Ich bin aufmerksamer und schaue, was um mich herum passiert, aber Angst lasse ich mir nicht machen.

Michael Martinez (38), Ingenieur mit Sohn Gabriel (1,5)

Michael M. (38), Ingenieur mit Sohn Gabriel (1,5): Ich fürchte mich nicht, aber ich habe Angst um meine zwei Kinder – um den kleinen Gabriel und um meinen Teenagersohn. Vor allem habe ich Angst, wie meine Kinder in dieser aus den Fugen geratenen Welt leben werden. Wir werden vorsichtig sein und unter der Woche am Nachmittag auf den Weihnachtsmarkt gehen, wenn nicht so viele Menschen da sind.

Dennis Bastalec (23), Fahrer aus Kroatien

Dennis B. (23), Fahrer aus Kroatien: Ich komme aus Kroatien und arbeite hier für einen Monat. Deutschland wirkt auf mich derzeit nicht wie ein starker Staat. Aber es war richtig von Angela Merkel, die Flüchtlinge alle nach Deutschland zu lassen. Jetzt muss sie durchsetzungsstark gegen die Terroristen sein. Großveranstaltungen können sicher sein, deshalb habe ich keine Angst zu Fußballspielen oder auf den Weihnachtsmarkt zu gehen.

Annika G. Studentin: "Es gibt gefährlichere Orte".

Annika G. (20), Studentin:  Natürlich ist es gefährlich, an Orte zu gehen, an denen viele Menschen sind. Dort werde ich in Zukunft vorsichtig sein. Aber durch strengere Beobachtung und bessere Kontrollen könnten auch Konzerte, Fußballspiele und Weihnachtsmärkte geschützt werden. Angst habe ich nicht direkt, aber es ist furchtbar, dass der Terror immer mehr zum Thema wird und näher an uns rückt.

Alexandra Kaselowsky (21) und Marvin Sperlich (18), Figurentheaterspieler

Alexandra K. (21) und Marvin S. (18), Figurentheaterspieler: Wir gehen dieses Jahr das erste Mal nicht auf das Tollwood-Festival. Denn wenn einer die Absicht hat, Menschen zu töten, dann wird er das auf jeden Fall schaffen. Das Risiko auf dem Tollwood ist uns einfach zu groß. Gestern haben wir die Evakuierung im Fernsehen gesehen – das war krass, dass ein Spiel wegen Terrorgefahr abgesagt wurde.

Jürgen Eichendorf ()50), Rentenberater

Jürgen E. (50), Rentenberater:  Ich habe das Gefühl, dass es wie nach dem 11. September viel Geschrei und viele Mitläufer gibt. Es war aber besser, das Fußballspiel abzusagen, denn der Schutz der Menschen geht immer vor. Großstädte vor Attentaten zu schützen ist wie der Versuch, Mäuse und Ratten zu verjagen. Das kann nicht funktionieren. Ich freue mich trotzdem auf die Christkindlmärkte.

Nicola Erhard (21), Studentin

Nicola Erhard (21), Studentin: Mit Angst zu leben ist das Schlimmste, was man machen kann. Dann haben die Terroristen erreicht, was sie wollten. Nachdem am Dienstagabend im Fernsehen auf allen Kanälen die Terrorgefahr beim Fußballspiel in Hannover Thema war, bin ich ins Bett gegangen und habe ein schönes Buch gelesen. Natürlich beschäftigen mich Terrorattentate und Kriege, aber das soll nicht meinen Alltag bestimmen.

Felicitas Rebattu (19), Auszubildende

Felicitas R. (19), Auszubildende: Ich habe Freunde in Paris und am Freitagabend sofort gecheckt, ob es ihnen gut geht. Ich war so erleichtert, als sie bei Facebook geschrieben haben, dass bei ihnen alles okay ist. Da war der Terror plötzlich ganz nah. Dienstagabend habe ich im Fernsehen verfolgt, was in Hannover los war. Ich mache mir Gedanken darüber, was ist, wenn plötzlich etwas bei uns passiert. Aber wenn es soweit ist, dann kann ich es sowieso nicht ändern. Deshalb mache ich weiter wie bisher.

Wolfgang Ketterer (32), Bartender mit Greta (6) und Oscar (1,5)

Wolfgang K. (32), Bartender mit Greta (6) und Oscar (1,5): Wir haben Greta erklärt, dass es böse Menschen gibt. Als Angela Merkel vom Terror gesprochen hat, hat sie Angst um Freunde in Berlin gehabt. Wir haben geschwindelt und gesagt, dass Deutsche keine Angst haben müssen. Terroristen wollen, dass wir unser Leben ändern, aber wir machen uns nicht verrückt.

Detlef Winkler (53), Fahrzeugpfleger

Detlef Winkler (53), Fahrzeugpfleger: In München fühle ich mich sicher. Hier war die Polizei schon vor dem Attentat sehr präsent. Aber erwischen kann es mich überall, ob auf dem Weihnachtsmarkt oder in der U-Bahn. Ich versuche Angst auszublenden, denn sie macht nichts besser. Jetzt muss man gegen die Terroristen vorgehen. Die Luftangriffe haben den IS geschwächt. Weiter so!

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