„Geht weg, weg, weg hier!“

Dem Terror entkommen: Diese Münchner erlebten den Anschlag in Barcelona 

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Andreas G. harrte nach dem Anschlag drei Stunden in einem Weinkeller aus. A. schmidt

Münchner berichten, wie sie in Barcelona den Anschlag erlebten – einige waren nicht weit vom Ort der Tat entfernt.

München - Lore Roos ist immer noch geschockt. Der Urlaub in Barcelona sollte pure Erholung werden, purer Spaß. Stattdessen entging die Familie aus München am Donnerstag nur knapp dem Terroranschlag auf dem Prachtboulevard Las Ramblas in Barcelona.

Die Münchnerin war mit ihrem Mann Elmar (49) und ihrem Sohn Kevin (17) im Bus unterwegs zur Plaça de Catalunya, als der Anschlag passierte. „Es war mein Geburtstag, wir wollten etwas Schönes kaufen, dann zur Flaniermeile Las Ramblas“, erzählt Lore Roos. Doch dort kommen sie nicht an: „Plötzlich eine Durchsage, alle mussten raus aus dem Bus“, erzählt die 47-Jährige. Um sie herum tauchen immer mehr Polizei- und Rettungsfahrzeuge auf. Hektisch telefonierende Menschen rennen umher.

Die Münchner laufen zur Passeig de Gracia. Dort machen gerade alle Läden zu. Hubschrauber kreisen über den Straßen. Immer mehr schlimme Informationen erreichen die Familie. Dass es Tote gegeben habe. Und ein oder mehrere bewaffnete Täter auf der Flucht seien. „Ich bekam richtig Angst“, erzählt Lore Roos. Die Mitarbeiter eines Louis-Vuitton-Geschäfts lassen die Familie rein. Mit ihnen quetscht sich eine Gruppe Chinesen in den Laden, darunter viele Kinder, die geweint und geschrien hätten, wie Lore Roos berichtet. „Sie haben erzählt, sie hätten den Täter gesehen.“ Zwei Stunden später geht es durch den Hinterausgang wieder raus. Über Umwege schaffen es die Münchner ins Hotel, ein Taxi ist nicht zu bekommen. Am nächsten Tag sind die Straßen leerer als sonst. „Wir werden uns nicht einschüchtern lassen“, sagt Lore Roos. „Heute fahren wir zur Kirche Sagrada Familia und zünden Kerzen an.“

Elmar, Lore und Kevin Roos wollten gerade zu den Ramblas.

Die Menschenmassen wurden weggescheucht

Luise und Benedikt Haak, beide 30 Jahre alt, waren nicht weit vom Anschlagsort entfernt. „Wir sind gerade auf die Las Ramblas zugelaufen, als uns plötzlich Leute entgegen rannten“, erzählen die Münchner. Ein Mitarbeiter eines Fast-Food-Restaurants habe ihnen zugerufen: „Geht weg, weg, weg hier!“ Auch die Polizei scheucht die Menschenmassen mit Trillerpfeifen in Richtung Hafen. „Ab dann kamen nur noch Ambulanzen.“

Luise und Benedikt Haak mit  ihren Töchtern Victoria (1) und Josephine (4).

20 Sekunden später wären wir dort gewesen

Joseph und Cedric Raimond hatten ebenfalls großes Glück. Ein lauter Krach, dann schreiende und weinende Menschen, die durch die Straßen irren. „In 20 bis 30 Sekunden wären wir selber dort gewesen“, erzählt der Hamburger nach der Landung in München. Der 55-Jährige war mit seinem 15-jährigen Sohn Cedric in Barcelona. „Wir wussten nicht, ob es ein Amoklauf ist oder nur ein Autounfall.“ Vater und Sohn suchten Zuflucht in einem Geschäft. Erst später im Hotel hätten sie richtig begriffen, dass sie gerade einem Terroranschlag entgangen waren.

20 Sekunden später wären sie am Anschlagsort gewesen.

Drei Stunden im Weinkeller

Andreas G. harrte ganze drei Stunden im Weinkeller unter dem Kolumbus-Denkmal direkt am Fuße der Las Ramblas aus. Unmittelbar vor dem schrecklichen Ereignis ist der Münchner gerade auf der Aussichtsplattform des Denkmals. Plötzlich kommt eine Nachricht aufs Handy: Ein Freund will wissen, ob alles bei ihm in Ordnung sei. „Ich habe von oben nur die Einsatzkräfte gesehen. Bisschen Blaulicht – nichts Wildes“, dachte sich der Beamte aus München. Dann sieht er auf seinem Handy die ersten Nachrichten von dem Anschlag. „Mein erster Gedanke war: Gut, dass wir hier oben in Sicherheit sind.“ Ein Tourismus-Mitarbeiter brachte die Urlauber von oben dann in den Weinkeller.


Alle aktuellen Nachrichten und Entwicklung zu dem Anschlag in Barcelona lesen Sie auch in unserem News-Ticker. 

bw/pwk

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