Schock in der Neujahrsnacht

Hauptbahnhof: Wir lassen dem Terror keine Chance

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Aziz Ihab (rechts) und Abed Dhainmuntaha arbeiten bei Rubenbauer im Hauptbahnhof.

München - Auch für die vielen Händler und Verkäufer im Hauptbahnhof war die Terror-Warnung an Silvester ein Schock. Unterkriegen wollen sie sich dennoch nicht lassen.

Die unruhige Nacht steht ihm noch ins Gesicht geschrieben. Kaum ein Auge hat Robert Häfele nach der Terrorwarnung an Silvester zugemacht. Die grundsätzliche Sorge, dass so etwas überhaupt in München geschehen könnte: Das war das Eine. Aber dass er seinen Stand einmal zusperren muss: Das hatte Häfele in sechs Jahren noch nie erlebt. So lang verkauft er schon Bratwürste am Hauptbahnhof – rund um die Uhr, auch an Feiertagen. „Silvester war stets die umsatzstärkste Nacht“, sagt der Betriebsleiter. Durch die Terrorwarnung kam alles anders.

„Gegen halb zwölf hat die Polizei alles abgeriegelt“, sagt er. „Mein Mitarbeiter musste die elektronischen Geräte ausschalten, damit nichts anbrennt, und den Stand dann sofort verlassen. Das war schon sehr ungewöhnlich.“ So ging es auch im Hauptbahnhof zu. „Wir verkaufen normalerweise auch nachts. Aber an Silvester mussten unsere Kollegen wegen der Terrordrohung schon um 23 Uhr schließen. Das kann einem schon Angst machen“, sagt Aziz Ihab vom Rubenbauer-Standl. Kurz vor Mitternacht war die Haupthalle menschenleer. Wo sonst Reisende und Nachtschwärmer durcheinanderwuseln, standen plötzlich nur voll ausgerüstete Spezialkräfte der Polizei. Eine gespenstische Szenerie zum Abschluss des alten Jahres. Verbunden mit großer Bedrückung, die in ganz München zu spüren war.

Nachdenklich steht Robert Häfele am Freitag vor seinem Bratwurststand am Hauptbahnhof.

Auch am Freitag hielt diese Stimmung am Hauptbahnhof noch an, aber längst nicht mehr so stark wie am Silvesterabend, als niemand mehr den Bahnhof betreten durfte. Seit dem frühen Morgen trauten sich wieder Reisende zum Hauptbahnhof. Sie hatten gehört, dass die Züge wieder fahren – und klapperten mit Koffern durch die Bahnhofshalle, kauften an den Schmankerl-Ständen ein und stiegen in die Züge, die schon in der Nacht wieder unterwegs waren. Und auch draußen, am Vorplatz, ging es gestern so geschäftig zu, wie man es kennt. Ein Stück Normalität an Neujahr. Nach einem Abend voller Angst. Genau von dieser wollen sich die Münchner und viele Besucher aber nicht einschränken lassen. Sondern der Bedrohung mit Respekt begegnen.

Dem Terror keine Chance – so hält es auch Robert Häfele. „Man darf kein Risiko eingehen, da hat die Polizei richtig gehandelt“, sagt er. „Aber man braucht sich auch nicht zu sehr zu fürchten.“ Seinen Bratwurststand durfte er gestern Morgen wieder aufsperren – so wie auch Aziz Ihab bei Rubenbauer. Es ist Tag eins nach der Terrorwarnung. Und der erste Tag im Jahr. „Ich hatte das Gefühl, dass sich alles wieder beruhigt hat“, sagt Ihab. „Und ich hoffe sehr, dass das so bleibt.“

Den Live-Ticker mit allen Informationen vom Sonntag nach der Terror-Warnung an Silvester lesen Sie hier bei tz.de.

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Terroralarm in München: Die Fakten

Andreas Thieme

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