Initiator von Bellevue di Monaco

Dürfen Flüchtlinge nicht zur IS-Beute machen

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Till Hofmann

München - Die tz sprach mit Kleinkunst-Veranstalter Till Hofmann (45), Initiator des Flüchtlingsprojektes Bellevue di Monaco über die Anschläge in Paris.

Was bedeuten die Anschläge in Paris für Sie?

Till Hofmann: Furchtbar. Diese Terroristen versuchen, uns an unserer empfindlichsten Stelle zu treffen, unsere freiheitlichen Werte anzugreifen. Man soll sich nicht einschüchtern lassen. Und man darf diese Extremisten nicht gleich stellen mit dem Islam. Es sind Wahnsinnige.

Kamen diese Attentate überraschend?

Hofmann: Wir wissen doch schon lange, dass so etwas jederzeit passieren kann. Trotz der konzertierten Arbeit der Geheimdienste. Es ist tragisch, dass es trotzdem passiert. Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Wir sollten unsere Freiheiten nicht noch weiter einschränken lassen. Denn so etwas zu verhindern, schafft auch kein totalitäres System – weder Russland, China oder die Türkei.

Was sagen Sie zu Söders Folgerung, dass man nach Paris die Zuwanderung weiter begrenzen müsse?

Hofmann: Es zeugt nicht von Souveränität und Vertrauenswürdigkeit, wie Finanzminister Markus Söder jedes Mal reflexhaft überreagiert und, berechnend den rechten Rand im Blick, Flüchtlingsthematik mit Terrorismus in Zusammenhang bringt. Das ist schäbig. Einmal fordert er, Bayern einzuzäunen ein anderes Mal diskreditiert er Menschen, die gerade vor diesem Terror wie in Paris geschehen aus ihrer Heimat fliehen. Er sollte sich erst einmal darum kümmern, dass die eigenen Behörden logistisch im Stande sind zu registr-ieren und um Vertrauen werben, um die Integration zu meistern. Sicher haut das nicht hin, wenn man Menschen in Not abschottet.

Stehen wir jetzt vor einem Krieg gegen den Terror?

Hofmann: Wollen wir Syrien jetzt komplett zubomben? Der Krieg der Amerikaner gegen den Terror 2003 hat ja schon nichts gebracht, im Gegenteil. Dadurch konnte sich der IS erst etablieren. Jede militärische Aggression wird eine empfindliche Gegenreaktion wie in Paris hervorrufen. Realpolitik und Diplomatie sind gefragt, nicht aktionistisch rumbomben.

Haben Sie Angst, dass sich solche Anschläge auch bei uns ereignen könnten?

Hofmann: Angst? Nein, die habe ich nicht. Es geschehen ja leider ständig solche Anschläge in der ganzen Welt, in Beirut gab es einen schweren IS-Anschlag einen Tag zuvor, jetzt ist es halt geografisch näher gerückt.

In Syrien sterben jeden Tag Hunderte Menschen, vor allem durch Assads Bomben, aber auch den IS-Terror!

Hofmann: Der Terror ist der Grund, warum Menschen fliehen. Und wir müssen jetzt viel Geld und Geduld investieren, um diese Menschen in unsere Gesellschaft zu integrieren. Ich kenn mich im Islam nicht aus, vertraue aber unserem Grundgesetz. Unsere Politik muss hingegen ihr Vokabular entschärfen. Wir dürfen den Geflüchteten nicht das Gefühl geben: „Ihr seid nicht gewollt!“ Wir müssen dafür sorgen, dass es keine Loser mit Migrationshintergrund gibt, die für den IS leichte Beute sind. Bildung und Aufklärung täten beiden Seiten gut, uns und den geflüchteten Menschen, die vor allem mit vielen Talenten und Fähigkeiten zu uns kommen und Frieden suchen. Denen werden wir eine Perspektive geben und wir werden alle gewinnen.

Auch eine Aufgabe für Bellevue di Monaco?

Hofmann: Wenn wir da ein Scherflein dazu beitragen könnten, würde mich das sehr freuen.

Die aktuellen Entwicklungen vom Sonntag finden Sie im News-Ticker zum Terror in Paris.

tz

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