Angestellte mit SMS beunruhigt

Terrorgerüchte gestreut? BMW-Mitarbeiter verhaftet

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Johann L. (46) wird seit Dienstag der Prozess gemacht. Er bestreitet die Vorwürfe.

München - Weil er verdächtigt wird, Terrorgerüchte gestreut zu haben, steht Johann L. jetzt vor Gericht. Der BMW-Mitarbeiter wurde am Band verhaftet.

Als diese Kurznachricht sie erreichte, stand den Mitarbeitern in der BMW-Produktion der Schrecken ins Gesicht geschrieben. „Sie wissen schon, dass in Ihrer Abteilung aktive Mitglieder der Terrorgruppe Al-Kaida sind?“, hieß es in den SMS, die ein Unbekannter im Februar 2013 an einige Fertigungsmeister, Betriebsräte und sogar an die Personalabteilung geschickt hatte. „Unternehmen Sie etwas, damit nichts passiert“, forderte der Absender weiter – und löste damit große Angst aus.

Terroristen im eigenen Haus? Diesen Hinweis nahm das Unternehmen ernst und schaltete sofort die Polizei ein. Kurz darauf begann zudem das Landeskriminalamt und sogar der Verfassungsschutz mit den Ermittlungen – jedoch ohne Ergebnis. Schnell wurde klar: Es handelte sich zwar um eine gezielte, aber eine leere Drohung. Vier Monate später wird der Tatverdächtige am Arbeitsplatz abgeführt und verhaftet: Johann L. (46, Name geändert), ein unscheinbarer Angestellter. Ihm wird seit Dienstag der Prozess am Amtsgericht gemacht!

Neben den Terror-Nachrichten hat er laut Anklage wochenlang auch weitere SMS geschickt, um Kollegen aus seinem Arbeitsumfeld zu diskreditieren – meist Ausländer, die er sexuell beleidigt haben soll. Die Vorwürfe gehen aber noch weit darüber hinaus: Mutmaßlich erstellte Johann L. auch Internetseiten und Profile in sozialen Netzwerken, die einige seiner Kollegen ohne deren Wissen in perversen Zusammenhängen zeigten. Sein Ziel laut Staatsanwaltschaft: Die Mitarbeiter persönlich fertig zu machen! Für einen Kollegen soll er in dessen Namen auch Sex-Spielzeug bestellt haben – aus einem Internetcafé am Stachus. Insgesamt sieben Lieferungen mit 26 Dildos und Gummipuppen. Die Konto- und Adressdaten hatte Johann L. angeblich von dessen Gehaltsabrechnung, die er sich heimlich angesehen haben soll.

Das alles streitet Johann L. allerdings ab. Mit rotem Kopf sitzt der hagere Mann auf der Anklagebank und schüttelt immer wieder den Kopf. „Was mir vorgeworfen wird, ist der absolute Wahnsinn. Ich habe nichts damit zu tun.“ BMW aber hatte ihm gekündigt, als die Vorwürfe bekannt wurden und auch interne Ermittler den Fall untersucht hatten. Zum Prozess möchte sich das Unternehmen nicht äußern.

Im Gegensatz zu den acht Ex-Kollegen: Sie alle sind als Zeugen geladen und hatten, wie ein Polizist aussagte, Johann L. sofort im Verdacht. Der hat mit Adam Ahmed und Jürgen Langer nun gleich zwei Verteidiger an seiner Seite. Sie wollen ihn vor einer Haftstrafe bewahren. Das Urteil steht noch aus.

Andreas Thieme

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