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Streit um Ladesäulen: Münchner Unternehmer knöpft sich Tesla-Chef Musk vor – „In diesen Zeiten ein Unding“

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Von: Jannis Gogolin

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Constantin Schwaab Wirelane
Unternehmer und Experte für E-Mobilität: Constantin Schwaab © Wirelane GmbH

Eine Abmahnung von Tesla im Briefkasten kann nervös machen. Nicht Constantin Schwaab. Er kritisierte das US-Unternehmen wegen ungeeichter Ladestationen und will rechtlich Klarheit schaffen.

München – Auf Deutschlands Straßen und Autobahnen gehören neben den klassischen Verbrennern vollelektrische Kfz mittlerweile zum Alltag. Eins wird den Fahrern von E-Autos öfter schmerzlich bewusst: Sprit tanken können sie nicht. Und die Möglichkeiten zum Laden sind noch ausbaubar. Das weiß Constantin Schwaab. Damit keinem der Saft ausgeht, baut und betreibt der Firmengründer mit seinem Unternehmen Wirelane Ladesäulen über die deutschen Landesgrenzen hinaus. „Die Möglichkeiten der Elektromobilität haben mich schon immer fasziniert“, sagt CEO Schwaab. Wenig verwunderlich, dass er Tesla-Fan der ersten Stunde war. Jetzt ist er allerdings nicht mehr gut auf den texanischen E-Automobil-Riesen und Vorreiter der Branche zu sprechen. Und das hat zweierlei Gründe.

Trotz Abmahnung von Auto-Giganten Tesla – Unternehmer aus München führt Rechtsstreit fort

„Zum einen hat es mich überrascht, dass wir von Tesla abgemahnt wurden“, sagt Schwaab auf Anfrage von Merkur.de. Dabei habe er ausschließlich seine Kunden – „vorrangig deutsche Hotels“ – über die Destination Chargers aufgeklärt, die Tesla-eigenen Ladestationen in Hotels, Restaurants und Parkhäusern zum Laden vor Ort. Über 15 solcher Destination Charger gibt es laut der Tesla-Website allein in München, um die 120 Stellen in Deutschland. Derweil vergrößert Tesla sein Angebot für den europäischen Markt und fährt die Produktion der Giga-Factory in Brandenburg weiter hoch.

Anfrage bliebt ohne Antwort – Hoffnung von Unternehmer Schwaab ruht auf deutschen Gerichten

Das Problem: „Sie entsprechen nicht dem deutschen Eichrecht.“ Das führe zu ungenauen Messungen beim Laden. Den Betreibern bleibe somit nichts anderes übrig, „als Strom an Kunden zu verschenken. In Zeiten explodierender Strompreise ein Unding!“ Über Teslas Abmahnung ärgert sich Schwaab dementsprechend. Seine Versuche, das Problem auf direktem Wege zu klären, schlugen fehl. „Meine Anfrage an das Unternehmen wurde nicht beantwortet“, berichtet der Firmen-Chef. „Nun müssen Gerichte darüber entscheiden, ob sich Tesla rechtskonform verhält.“ Der Automobil-Riese musste sich bereits Anfang des Jahres der deutschen Rechtssprechung unterwerfen.

Der zweite Grund für die getrübte Stimmung gegenüber dem Platzhirsch Musk und dessen Firma: Durch diesen Streit sieht er sein Bild von Tesla und insbesondere von dessen Chef Elon Musk bestätigt. Früher Fan, ist er heute ein Kritiker des exzentrischen Milliardärs. „An Elon Musk finde ich mittlerweile problematisch, wie er sich politisch und wirtschaftlich positioniert.“ Er habe Musk 2013 auf einer Veranstaltung in München kennengelernt und daraufhin seine Firmenflotte mit Fahrzeugen des US-Unternehmens ausgestattet. Als „Freund der sozialen Marktwirtschaft“ distanziert er sich mittlerweile von Musk und dessen Weltanschauung deutlich. „Darüber hinaus sollte kein einzelner Mensch über derart viel Macht verfügen, wie es Elon Musk beispielsweise durch den Kauf von Twitter anzustreben scheint“, stellt der Unternehmensgründer klar.

Bei Niederlage von Tesla vor Gericht sei Demontage der Ladesäulen möglich

Mit Ausblick auf einen Rechtsstreit gegen den E-Auto-Pionier mit über 18 Milliarden Euro Umsatz bleibt er aber positiv. „Ich erwarte, dass nun Recht gesprochen wird. Wir haben viel Geld, Zeit und Mühen investiert, um unsere Produkte den deutschen Normen entsprechend zu gestalten und zu fertigen. Es muss gleiches Recht für alle gelten.“ Wenn das hieße, dass Tesla „die eigenen, nicht eichrechtskonformen Ladesäulen“ wieder demontieren muss, „dann muss das Unternehmen dies akzeptieren“. Seinen eigenen Tesla Model-S hat er mittlerweile abgegeben – aus einem anderen Grund: „Pkw haben in Städten nichts zu suchen.“ Und obwohl E-Autos mittlerweile am Kfz-Markt eine feste Größe sind, warnen Experten vor einem Absturz.

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