"Meine Rente reicht gerade für die Miete"

Teures München! Viele Rentner müssen Geld dazuverdienen

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Franziska L. (67) kocht für Flüchtlingskinder in Neuhausen.

München - Franziska L. hat ihr ganzes Leben lang gearbeitet. Doch mittlerweile ist ihre Miete in München so hoch, dass sie nur 100 Euro zum Leben hat. Ihr bleibt nur eine Wahl: Die 67-Jährige muss wieder arbeiten gehen.

Ihr ganzes Leben lang hat Franziska L. fleißig gearbeitet. Als Buchhalterin. Genau 46 Jahre lang am Stück - ohne Pause. Und so bekommt die Seniorin (67) aus Neuaubing eigentlich eine schöne Rente: genau 1030 Euro. Nur: Nachdem ihr die GBW die Miete um 100 Euro erhöht hat, muss sie nun 929 Euro für ihre 74-Quadratmeter-Wohnung hinblättern. Bleiben nach Adam Riese 101 Euro zum Leben im Monat.

„Wie soll das gehen?“, schimpft die Rentnerin. Ja, wie soll das gehen? Das fragen sich beim Thema Miete viele Münchner. Damit Franziska L. irgendwie über die Runden kommt, tut sie etwas, was viele Rentner in der Weltstadt mit Herz mittlerweile müssen: Sie arbeitet nebenbei. „Sonst ginge es nicht“, erklärt die agile Bayerin. „Ich habe deswegen einen Job beim Jugendhilfeprojekt in Neuhausen.“ Clean Projekt Neuhausen nennt sich ihr Arbeitgeber. „Dort kochen wir derzeit für Flüchtlingskinder, beraten auch junge Familien“, schwärmt Franziska L. Fast jeden Tag hilft sie dort für vier Stunden - und bekommt dafür 450 Euro monatlich. „Das Geld brauche ich, um auch alle meine Fixkosten - vom Telefon bis zu Nebenkostenabrechnungen - bezahlen zu können. Ich weiß gar nicht, was ich machen soll, wenn ich mal nicht mehr arbeiten kann. Und ich weiß, dass viele Menschen noch weniger Rente als ich zur Verfügung haben.“

Umzug in eine andere Wohnung? "Der Markt ist doch total kaputt"

Natürlich hat sich Franziska L. auch schon oft überlegt, in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Sogar in ein anderes Viertel - obwohl sie seit 1999 in Neuaubing lebt, hier ihren Sohn großgezogen hat. Auch einen Wohnungstausch würde sie in Kauf nehmen. „Aber wenn ich in der Zeitung oder im Internet die Mietangebote durchstöbere, sehe ich immer: Da würde ich noch immer 700 bis 800 Euro für eine 45-Quadratmeter-Wohnung zahlen. Der Markt ist doch total kaputt, weil es immer Leute geben wird, die sich diese horrenden Mieten leisten können.“

Natürlich hat Franziska L. bei der Stadt Wohngeld beantragt, um einen Zuschuss zur Miete zu bekommen. Der wurde aber glatt abgelehnt. Die Begründung: Die Rentnerin lebt alleine und daher in einer viel zu großen Wohnung. „Also sind wir wieder am Punkt, wo ich mir eine kleinere suchen soll. Aber finden Sie da mal was Günstiges. Die reden sich leicht.“

Wie es jetzt weitergeht? Franziska L. wird weiter arbeiten gehen - und von den 551 Euro im Monat leben. „Solange es irgendwie geht“, sagt sie.

Armin Geier

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