Frauenkirche erstmals seit 1715 nicht mehr zu sehen

Historische Sichtachse zerstört - diese Schilder sind schuld

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Hinweisschilder über der A95 verdecken die Frauenkirche.

Bislang konnten Besucher des Schlosses Fürstenried ihren Blick bis zu den Türmen der Münchner Frauenkirche schweifen lassen - doch das ist vorbei. Das sorgt für Ärger.

München - Im Park spazieren gehen, Meditation und innere Einkehr – bis zu 16.000 Gäste besuchen das Exerzitienhaus im Schloss Fürstenried alljährlich für eine kleine Auszeit. Bislang konnten sie ihren Blick bis zu den Türmen der Münchner Frauenkirche schweifen lassen, dank einer historisch begründeten freien Sichtachse. Die ist nun Geschichte. Mitarbeiter und Besucher blicken jetzt auf riesige Verkehrsschilder. Schilda an der A95!

Seit 1715, als Kurfürst Max Emanuel das damalige Jagd- und Lustschloss errichten ließ, hatten die Schlossbesucher diesen einmaligen, freien Blick auf den Dom. Aus und vorbei: Die Autobahndirektion hat dem Schloss jetzt zwei neue Schilderbrücken vor die Nase gesetzt – große Wegweiser über der Autobahn. „Sie dienen der Wechselweisung“, erklärt Josef Seebacher von der Autobahndirektion Südbayern. „Falls der Luise-Kiesselbach-Tunnel gesperrt sein sollte, erfolgt bereits hier über die Schilder eine Ableitung des Verkehrs.“ (Lesen Sie auch: Am Luise-Kiesselbach-Tunnel wird nachgebessert)

Freier Blick auf den Dom – das war einmal die Aussicht der Schlossbesucher.

Aber warum genau dort? Es habe einen langen Dialog mit verschiedenen Stellen bezüglich der Standorte gegeben, so Seebacher. „Wegen der Sichtachsen war beispielsweise auch der Denkmalschutz involviert.“ Man habe darauf geachtet, dass es „so wenig Sichtbeeinträchtigung wie möglich“ gebe. Von wegen, klagen Schloss-Mitarbeiter: Ein Großteil der Frauenkirche ist nun verdeckt – und auch den Autofahrern auf der A95 blockieren die neuen Schilder die Sicht auf das Münchner Wahrzeichen.

Für die Schlossherren kam das recht überraschend: „Wir wurden vorab nicht informiert. Seit gut einer Woche versperren uns nun die Schilder die Sicht“, klagt Betriebsleiter Harald Jäger. „Wir bedauern das sehr. Dieses Sichtfeld war über die Jahrhunderte vorhanden und hat sogar den Autobahnneubau überlebt. Nicht nur wir Mitarbeiter, auch unsere Gäste haben den Ausblick immer sehr genossen. Es ist sehr schade, dass das nicht mehr so ist. Wir hoffen, dass man an der Situation noch etwas ändern kann.“

Harald Jäger, Betriebsleiter des Schlosses, hofft noch auf eine Einigung mit der Autobahndirektion.

Auch die Kirche will nicht kampflos aufgeben – das Exerzitienhaus gehört zum Erzbistum München Freising. „Wir werden das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen und versuchen, da noch etwas zu ändern“, sagt Christoph Kappes vom Erzbischöflichen Ordinariat. Damit der Blick auf den Dom bald wieder frei ist!

Stichwort: Schloss Fürstenried

Schloss Fürstenried.

Seit seiner Fertigstellung hat das Schloss eine bewegte Geschichte hinter sich gebracht. Kurfürstin Maria Anna Sophia verbrachte hier ihren Lebensabend – und auch der psychisch kranke Bruder König Ludwigs II., Prinz Otto, war in dem Jagdschloss bis zu seinem Tod im Oktober 1916 untergebracht. Doch nicht nur als Sitz der Adeligen diente es: Mehrmals wurde es militärisch genutzt. Im Februar 1925 ordnete Michael Kardinal Faulhaber, Erzbischof von München und Freising, die Nutzung des Schlosses als Exerzitienhaus an. Einen besonders prominenten Besucher hatte das Gebäude unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg: Für drei Jahre diente die Anlage als Ausweichquartier der Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität und des Georgianiums – einer der Studenten war der heute emeritierte Papst Benedikt XVI.

Nina Bautz, Annika Schall

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