Bürger im Süden Münchens in Sorge

Angst vor Nachverdichtung: „München zerstört sich selbst“

Aus „Campus Süd“ wurden die „Hofmann Höfe“: So soll das neue Quartier in Obersendling aussehen. Simulation: Patrizia

Die Unzufriedenheit im Münchner Süden wächst. Die laufenden und geplanten großen Bauprojekte bereiten den Bürgern Sorgen. Schon jetzt ist es im 19. Stadtbezirk vielerorts unangenehm eng: in Schulen, auf den Straßen, in der U-Bahn.

München - Kein Wunder also, dass sich bei der Bürgerversammlung fast alles um Verkehrsbelastung und Nachverdichtung drehte. Die meisten waren sich einig: So kann es nicht weitergehen. Vor allem müsse endlich ein echtes Mitspracherecht für Bürger geschaffen werden.

Überall im Stadtbezirk Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln wird gebaut. Allein in Obersendling entstehen in den kommenden Jahren mehrere Tausend Wohnungen. In Fürstenried West wird eine große Siedlung nachverdichtet. Zu den 1500 bereits bestehenden Wohnungen kommen rund 600 neue hinzu. Gleichzeitig stehen Nachverdichtungsprojekte in Fürstenried Ost an. Etwa an der Züricher Straße, wo den Anwohnern Wohnblöcke vor die Nase gesetzt werden sollen.

Die Entwicklung sorgt für Unbehagen. Und so bissen sich die 450 Besucher bei der Bürgerversammlung vor allem an diesem Thema und möglichen negativen Auswirkungen fest. Denn: Viele Straßen sind schon jetzt überlastet und stärker zugeparkt als früher. Zum Beispiel die Forstenrieder Allee. Ein Bürger berichtete, dass es sich dort immer wieder staut, und forderte ein Parkverbot. Ein anderer beklagte die Situation in Thalkirchen. „Wir brauchen unverzüglich ein Parklizenzgebiet“.

Auf der Allgäuer Straße und der Kemptener Straße sorgen abgestellte Fahrzeuge und Anhänger vermehrt für Ärger. Ein Mann plädierte für „ein Parkverbot oder Anwohnerparken“. Die Mehrheit schloss sich den Anträgen an.

Ob das seit Langem erwartete verkehrspolitische Gesamtkonzept den Stadtteil entlasten wird, bleibt abzuwarten. „Es wird derzeit noch mit der MVG abgestimmt, jetzt geht es um den Feinschliff“, erklärte der BA-Vorsitzende Ludwig Weidinger (CSU). „Wir erwarten, dass das Planungsreferat uns das Konzept in Kürze vorlegt.“ Allerdings gebe es schon jetzt die Vermutung, dass nicht der große Wurf gelungen sei, dämpfte Weidinger die Hoffnungen. „Es geht eher um punktuelle Verbesserungen.“

Das Stichwort für Vertreter des Vereins Verkehrsberuhigung München: Sie bemängelten, dass Bürger nur schriftlich zu dem Verkehrskonzept Stellung nehmen könnten. Ihr Antrag: „Die zuständigen Referate werden gebeten, eine öffentliche Anhörung und Diskussion dazu abhalten.“ Also eine echte Bürgerbeteiligung zu ermöglichen. Schließlich habe das auch der Stadtrat so beschlossen, sagt Vereinsmitglied Anke Sponer. Dem schloss sich die Versammlung mit großer Mehrheit an.

Klaus Schneider, Vorsitzender des Vereins der GWG-Eigenheimer an der Berner Straße, kritisierte die starke Nachverdichtung scharf. München zerstöre sich selbst. Er prognostizierte auch in sozialer Hinsicht eine düstere Zukunft, sollten Nachverdichtung und Bevölkerungswachstum sich im gleichen Tempo wie bisher weiterentwickeln. „Wir bekommen ähnliche Probleme wie in Neuperlach und im Hasenbergl.“ 

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Brigitta Wenninger

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