Nach mehr als 17 Jahren

Er wollte einen Rauchmelder - Vermieter setzt herzkranken Mann auf die Straße

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Musste seine Kisten packen: Peter Hornung vor seiner bisherigen Wohnung an der Geigenbergerstraße.

Seit mehr als 17 Jahren wohnt Peter Hornung (63) zur Miete in Solln. Doch jetzt muss er ausziehen – weil er seinem Vermieter den Einbau eines Rauchmelders in Rechnung gestellt hatte.

München/Solln - „Ich bin völlig verzweifelt“, sagt Hornung. Für seine 58 Quadratmeter große Wohnung zahlte er bislang rund 780 Euro und wohnte in U-Bahn-Nähe. Eigentlich nicht schlecht. „Aber seit vier Jahren führt mein Vermieter Krieg gegen mich und versucht, mich aus der Wohnung zu klagen. Mittlerweile bin ich herzkrank.“

Seine Vermutung: Der Vermieter will mehr Profit aus der Wohnung schlagen. „Er hatte schon mehrfach Kündigungen gegen mich ausgesprochen.“ Unter anderem, weil der Fotograf angeblich Obst auf seinen Balkon geworfen haben soll. „Völlig absurd“, sagt Hornung. Vor Gericht hatte er bisher alle drei Prozesse gewonnen – und durfte stets weiter an der Geigenbergerstraße wohnen bleiben, weil die Kündigungen des Vermieters alle rechtswidrig waren.

Gericht verurteilt Mieter: Er muss seine Wohnung Räumen

Doch am Mittwoch kassierte Peter Hornung nun eine herbe Niederlage: Das Landgericht verurteilte ihn überraschend zur Räumung und Herausgabe der Mietwohnung. Im Prozess ging es diesmal um einen Rauchmelder. Diesen muss seit dem Jahr 2018 laut Gesetz in Bayern eigentlich der Vermieter einbauen lassen. „Weil das nach Monaten noch nicht geschehen war, habe ich dann eine Firma damit beauftragt“, sagt Hornung. Die Kosten über 243,95 Euro stellte er dem Vermieter Ende April 2018 in Rechnung. Doch der weigerte sich, das Dokument, das unserer Zeitung vorliegt, anzuerkennen – und verklagte Peter Hornung erneut. Vor dem Amtsgericht gewann zunächst der Mieter. Doch in zweiter Instanz setzte sich nun der Vermieter durch. Die Konsequenz: Bis zum Jahresende muss Peter Hornung ausziehen.

Der Regelung stimmte der Mieter zähneknirschend zu. Denn: Offenbar hatte die ausführende Firma eine falsche Rechnungsvorlage verwendet. „Das war leider ein Fehler“, sagte die Geschäftsführerin im Prozess. Sie hatte einen Subunternehmer mit dem Einbau des Rauchmelders beauftragt, dem sie seltsamerweise auch noch das Honorar überlassen hatte. Das Gericht witterte darin einen möglichen Betrug und drohte sogar damit, die Akte des Falles an die Staatsanwaltschaft weiterzugeben.

„Ein Schock“: Herzkranker Mann landet nach Gerichtsprozess auf der Straße

Pech für den Mieter: Er muss sich eine neue Wohnung suchen. „Der Ausgang des Prozesses ist ein Schock“, sagt Hornung. „Ich fühle mich ungerecht behandelt und suche nach Möglichkeiten, das Urteil anzufechten.“ Mit seiner Herzkrankheit auf Wohnungssuche gehen zu müssen – davor hat der 63-Jährige große Angst.

Auch der Münchner Mieterverein weiß, wie schwer diese Situation ist. „Viele Vermieter wollen unserer Erfahrung nach keine älteren Mieter“, sagt Geschäftsführer Volker Rastätter. Oft hätten die Vermieter Sorge, dass sie betagte Mieter nicht mehr loswürden oder die Miete eines Tages nicht mehr bezahlt werden kann. Ohnehin gebe es bekanntlich „einen extremen Mangel an bezahlbarem Wohnraum in München“.

In ähnlichen Fällen wehren sich aktuell auch ein 89-jähriger Mieter und eine 92-jährige Mieterin aus Neuperlach gegen den Rauswurf aus ihrer Wohnung. Beide Prozesse werden am Amtsgericht verhandelt, wo die betagten Mieter eine Härtefall-Regelung geltend machen wollen. Ihre Vermieter hatten Eigenbedarf angemeldet – doch gerade in München ist es auch eine moralische Frage, ob man so alte Mieter vor die Tür setzen darf. Oder sie mit 63 Jahren noch aufnimmt. „Ich hoffe sehr, dass mir jemand eine Chance gibt“, sagt Peter Hornung.

In München ticken die Uhren anders. Während in anderen Metropolen Hochhhäuser schon lange zum Stadtbild gehören, ist die Frage der Höhe hier ein Politikum. Nun gibt es Pläne für zwei Hochhäuser, die alles überragen.

Weil eine Familie sehr faire Mieten verlangt, soll sie horrende Steuern zahlen. Nun entscheidet der Münchner Stadtrat über eine Gesetzesvorlage, die alles ändern soll.

Um Mieter besser zu schützen, soll der Stadtrat heute die Erhaltungssatzungen ausweiten. Stadtweit die Mieten für fünf Jahre einzufrieren, wie in Berlin beschlossen, wäre ebenfalls wünschenswert, sagt OB Dieter Reiter. Es ginge aber sogar noch besser.

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