Jetzt rudert Geschäftsleitung zurück

Blindenhund darf nicht in den Supermarkt

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Dr. August Rüggeberg durfte mit seinem Benley nicht in den Bio-Basic-Markt an der Passauer Straße.

München - Der blinde Dr. Rüggeberg traut seinen Ohren nicht: Als er einen Bio-Supermarkt betreten will, verbietet ihm der Geschäftsführer, seinen Blindenhund mit in den Laden zu nehmen. Nach einem Anruf der tz rudert die Supermarktkette zurück.

Der zweijährige Benley und Dr. August Rüggeberg sind ein echt eingespieltes Team. Wer Benley ist? Ein wunderschöner Golden Retriever – und ein exzellenter Blindenhund. Und weil sein Herrchen schon vor vielen Jahren sein komplettes Augenlicht verlor, führt Benley den Münchner jeden Tag durch die Stadt. Doch vor wenigen Tagen passiert etwas, was dem 66-Jährigen für kurze Zeit die Sprache verschlägt: Als er mit dem Hund (wie zig Mal zuvor auch schon) in den Bio-Basic-Markt an der Passauer Straße will, stellt sich der Geschäftsführer vor ihm auf: „Der Hund darf hier nicht rein!“

Ein Blinder bekommt mit seinem Führhund Ladenverbot? „Ich war erstmal richtig geschockt“, erzählt der studierte Psychologe. Es ist später Vormittag, als er und Benley den Laden betreten – und plötzlich die Ansage kommt. Doch Rüggeberg will sich das nicht gefallen lassen: „Ich habe dem Mann ruhig erklärt, dass Benley ein ausgebildeter Blindenhund ist. Das Tier wird keine Waren oder irgendwas anderes berühren.“ Dem Geschäftsführer ist das egal: Der Hund muss raus! Basta! Der Kunde könne ihn ja draußen anbinden. Den Vierbeiner, der mehrere tausend Euro wert ist, an der Passauer Straße anbinden? Keine Chance. Rüggeberg erklärt dem Mann, dass ein Blindenhund juristisch betrachtet überall rein dürfe. Die Reaktion wird daraufhin noch harscher: „Wenn Sie nicht gehen, dann ruf ich die Polizei.“ Der 66-Jährige kann sich nur wundern: „Ich hatte den Eindruck, dass ich und mein Tier aus ästhetischen Gründen in dem Laden nicht erwünscht sind.“

Rüggeberg gibt nicht auf: „Dann rufen Sie die Polizei.“ Das macht der Geschäftsführer tatsächlich. Die Gesetzeshüter sind aber sehr freundlich zu dem Blinden, merken, dass sich dieser wie ein Aussätziger vorkommen muss. „Die haben mir dann erklärt, dass der Geschäftsführer auf sein Hausrecht pocht. Und da könne man nichts machen.“ Eine Auskunft, die nicht ganz stimmt (siehe unten). Fazit: Dr. August Rüggeberg muss den Laden verlassen.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Blinde in München diskriminiert wird. „Manchmal nimmt mich auch ein Taxi nicht mit, weil der Hund nicht in den Wagen darf.“ Und beim Metzger? „Auch da gibt es manchmal Probleme – bis ich versichert habe, dass der Hund sich ganz brav verhalten wird.“

Immerhin: Als die tz bei der Geschäftsleitung der Basic-Bio-Ladenkette anruft, entschuldigt man sich mehrmals: „Hier hat jemand falsch reagiert“, erklärt die Pressesprecherin. „Das tut uns sehr leid. Natürlich darf eine blinde Person mit ihrem Hund in unsere Läden. Wir werden uns bei Herrn Rüggeberg entschuldigen.“

Ob Benley vielleicht gar zur Entschädigung einen Bio-Knochen bekommt, ist uns leider nicht bekannt.

Die Rechtslage

Die Gesetzeslage für Blindenhunde ist eigentlich unmissverständlich: Nach §33 des Sozialgesetzbuchs, fünftes Buch, sind Blindenführhunde als medizinisches Hilfsmittel anerkannt, vergleichbar mit einem weißen Langstock bzw. einem Rollstuhl. Und es gilt: Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vom 14. August 2006 stellt ein generelles Verbot der Mitnahme eines Blindenführhundes oder eines anderen Assistenzhundes in aller Regel eine unzulässige Diskriminierung im Sinne von §3 Abs. 2, 19 AGG dar. Dies gilt ungeachtet eines generellen Verbotes zur Mitnahme von Hunden und auch ungeachtet der Regelungen zum Hausrecht. Heißt: Ein Blindenführhund darf überall mit! Egal ob in die Metzgerei, ins Flugzeug oder in den Zug.

Armin Geier

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