Geplante Wohnungen in Obersendling

Stadträte entsetzt: Investor will Campus Süd verkaufen

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Visualisierungen der Hofmann Höfe. 1000 neue Wohnungen sollen auf dem ehemaligen Siemensgelände in Obersendling entstehen, weitere 300 im Hochhaus.

Der Eigentümer des ehemaligen Siemens-Geländes, die Patrizia AG, plant anscheinend den Verkauf des Areals. Viele Stadträte sind davon entsetzt, denn eigentlich sollten hier gut 1000 Wohnungen entstehen.

München - In Obersendling offenbart sich ein Dilemma der Stadt. München braucht Wohnungen, möglichst rasch, möglichst viele. Auf dem ehemaligen Siemens-Gelände wäre Platz, aber zu viele Gebäude sollen es dann auch nicht sein. Und zu hoch dürfen sie auch nicht werden. Die Pläne für den Campus Süd hatten daher nicht nur Befürworter. Eine Bürgerinitiative gründete sich, und auch aus dem Stadtrat gab es vereinzelt Kritik. Die wird nun jedoch deutlich vehementer. 

Jetzt will Johann Altmann (Bayernpartei) aus dem Planungsreferat erfahren haben, dass der Investor, die Patrizia AG, offenbar bereits den Verkauf des Geländes zwischen Baierbrunner Straße, Hofmannstraße und Siemensallee anstrebt. Und zwar bevor das Wettbewerbsergebnis umgesetzt wird. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagt Sprecher Thorsten Vogel vom Planungsreferat: „Wir haben davon bereits gehört. Es liegt uns aber noch nichts Schriftliches vor.“

Fraktionsvorsitzender der Bayernpartei Johann Altmann.

Altmann derweil tobt. „Ich bin stinkig, da müssen wir uns überlegen, wie wir das als Stadtrat besser regulieren. Wir warten seit Jahren, dass da etwas passiert. Und jetzt verzögert sich alles.“ Der Fraktionsvorsitzende kritisiert auch die Patrizia. „Das sind ja dann in meinen Augen keine Bauträger mehr, sondern Spekulanten.“ Er gehe davon aus, dass ein möglicher Verkauf die Kosten des Projektes in die Höhe treibe. „Die werden das ja mit Gewinn verkaufen wollen.“

Sieben Türme mit zwölf Stockwerken sind genehmigt

Wie berichtet, soll auf einem Teil des Siemens-Geländes auf rund 11,5 Hektar Fläche ein neues Quartier entstehen. Die Rede ist von etwa 1000 Wohnungen. Zudem sind Grün- und Freiflächen, Geschäfte, Kindertagesstätten und Büros vorgesehen. Das Siemens Hochhaus soll ebenfalls in die Planungen einbezogen werden. Dort könnten weitere 300 Wohnungen entstehen.

In der Planungsphase hatte es zahlreiche Beteiligungsverfahren für die Bürger gegeben und einen Architektenwettbewerb, aus dem das Büro Rapp+Rapp mit Lützow 7 als Sieger hervorging. Kritiker werfen der Stadt vor, dabei die Wünsche der Bürger nicht berücksichtigt zu haben. 

CSU-Vize Michael Kuffer schimpft noch heute: „Der Architektenentwurf ist städtebaulich rücksichtslos und ignoriert den eindeutig erklärten Bürgerwillen.“ 

Ähnlich hatte sich Kuffer bereits vor wenigen Tagen in unserer Zeitung geäußert. Demnach hätten die Münchner deutlich artikuliert, eine Bebauung mit mehr als acht Stockwerken nicht zuzulassen. Die Verwaltung habe derweil Ausnahmen genehmigt. „Mit dem Ergebnis, dass es jetzt sieben Türme gibt, die zwölf Stockwerke hoch sind.“ 

Die Entwürfe für den Campus Süd in Obersendling wurden 2015 vorgestellt, mehr dazu finden Sie hier

Das Planungsreferat weist diesen Vorwurf jetzt in einer Stellungnahme zurück. Die Entwicklung des Projektes sei vom Stadtrat so beschlossen worden. „Die Standpunkte werden in den Planungs- und Abwägungsprozess einfließen und dem Stadtrat im Rahmen des Billigungsbeschlusses zur Entscheidung vorgelegt. Im Anschluss wird den Bürgern erneut Gelegenheit zur Beteiligung gegeben.“

Falsches Spiel

Die SPD München wirft der CSU in diesem Zusammenhang sogar ein falsches Spiel vor. Auf Facebook schreibt Partei-Vize Roland Fischer von einem Klassiker der Union: „Erst im Stadtrat mit beschließen und dann vor Ort im Stadtbezirk die Hände in Unschuld waschen. Leider bleibt dabei aber ehrliche, standhafte und lösungsorientierte Politik für München auf der Strecke.“ Kuffer, der mit in der Jury des Wettbewerbs saß, kontert: „Wir haben Änderungsanträge eingebracht, die von der Verwaltung nicht richtig umgesetzt wurden. Und in der Jury habe ich von Anfang an gegen die Pläne gestimmt.“

Ändert sich jetzt etwas an der Planung?

Kuffer sieht aber nun die Möglichkeit, das Thema insgesamt noch einmal aufzuwärmen. „Die Patrizia wollte diesen Entwurf unbedingt durchsetzen. Ein Rückzug sollte zum Anlass genommen werden, die Planungen auf eine neue Grundlage zu stellen.“ Der neue Eigentümer solle die Gelegenheit bekommen, sich für einen der verträglicheren Alternativentwürfe zu entscheiden und „auf diese Weise eine Befriedung mit der Umgebung herbeizuführen“.

Vorerst werde sich nichts ändern, sagt Planungssprecher Vogel. „Das Bebauungsplanverfahren läuft weiter.“ Vermutlich wäre auch ein neuer Investor an den städtebaulichen Wettbewerb gebunden.

Johann Altman drängt unterdessen in einer Anfrage an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) auf ein Handeln der Verwaltung und will verhindern, „dass künftig Spekulanten Grundstücke, auf denen dringend benötigter Wohnraum entstehen soll, weiterveräußern“.

Die Patrizia hat auf die Anfrage unserer Zeitung nicht reagiert.

Kauft die Stadt doch den Sportpark?

Wie geht es weiter mit dem Siemens-Sportpark? Die Bayernpartei will in einer Anfrage von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wissen, wie ernst es der Stadt mit einem Kauf des Geländes ist. Siemens will rund den 14 Hektar großen Sportpark an die Stadt verkaufen, hieß es im Februar.

Fraktionschef Johann Altmann: „In der Landeshauptstadt München wird überall, wo es möglich ist, nachverdichtet und neuer Wohnraum geschaffen.“ Dazu würden aber auch unbedingt öffentliche Grün- und Freizeitflächen für die Bevölkerung benötigt, um das Leben in München weiter lebenswert zu erhalten. 

Auf dem ehemaligen Siemensglände an der Siemensallee sind neue Wohnprojekte entstanden und auch noch weitere in Planung. In unmittelbarer Nähe dazu liegt der Hermann-von-Siemens-Sportpark, von dem es bereits seit Jahren heißt, dass ihn die Landeshauptstadt gerne kaufen möchte. „Hierzu sind die verschiedensten Gerüchte im Umlauf.“ 

Altmann will nun von der Stadt wissen, wie genau der Stand der Planungen ist. Bewahrheitet sich das kolportierte Interesse an einem Kauf der Sportanlage, solle die Verwaltung doch einmal verraten, was genau sie auf dem Gelände vorhat und in welchem Zeitrahmen sie sich die geplanten Maßnahmen vorstellt.

Neubauten in München: Sind das wirklich Schmuckkästen?

Schwabinger Tor, Hirschgarten, Campus Süd oder der Königshof: In München wird geklotzt – und zwar buchstäblich. Architekten erklären in hier die Neubauten.

Unsere wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Sendling – mein Viertel“.

Sascha Karowski

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