Vorzeitig aus der Haft entlassen

Mord an Dominik Brunner: Schläger wieder frei

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Dominik Brunner mit seiner Familie. Er wurde nur 50 Jahre alt.

München - Es stockt einem noch immer der Atem, wenn man an den Fall denkt: Geschäftsmann Dominik Brunner wurde in München erschlagen, weil er Jugendlichen helfen wollte. Einer der Schläger ist nun wieder frei.

Der Fall Dominik Brunner († 50): Exakt 1759 Tage nach der Gewalt-Orgie am Sollner S-Bahnhof ist der erste Schläger wieder auf freiem Fuß! Am 7. Juli verließ Mittäter Sebastian L. (22) den oberbayerischen Jugend-Knast Neuburg-Herrenwörth (200 Insassen).

Sieben Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge – so lautete das Urteil von Jugendrichter Reinhold Baier im August 2010. Haupttäter Markus S. (23) bekam neun Jahre wegen Mordes aus Rache. Zusammen hatten sie den Manager totgeprügelt, weil der sich schützend vor vier Kinder gestellt hatte.

Dass Sebastian L. schon knapp fünf Jahre nach der Tat wieder in die Freiheit darf, ist im Gesetz geregelt: Der Schläger hatte bereits zwei Drittel seiner Strafe (inklusive U-Haft) abgesessen. Bei guter Führung können Häftlinge dann einen Antrag auf Entlassung stellen. Das Gericht kann die Reststrafe zur Bewährung aussetzen. Bei Sebastian L. offenbar ein klarer Fall: Er hatte hinter Gittern eine Lehre zum Maler- und Lackierer abgeschlossen, fiel nach tz-Informationen während seiner Gefängniszeit nie negativ auf.

Im Gegenteil: Sebastian L. will mit seiner Vergangenheit für immer abschließen, sich im Raum München ein neues Leben aufbauen. Bisher war es eines voller Schicksalsschläge und verpasster Chancen. Wie im Prozess bekannt wurde, war L. zum Zeitpunkt der Tat ein Fall für den Psychiater! Als Frühgeburt kam er zur Welt, weil die Mutter in der Schwangerschaft wohl trank und rauchte. Als Sebastian L. vier Jahre alt war, trennten sich seine Eltern. Er blieb im Glockenbachviertel bei seiner Mutter, die weiter trank und die Zeit lieber bei den Nachbarn verbrachte, als sich um ihn zu kümmern.

Auch sein Vater soff, machte sich damit Leber und Speiseröhre kaputt. Was den Buben jedoch nicht abschreckte: Auch er trank mit elf schon Bier und begann zu kiffen, später kamen Kokain und Ecstasy dazu. Als er 14 war, erlitt seine Mutter eine Hirnblutung und wurde zum Pflegefall. Anschließend zog er zum Vater nach Ramersdorf, der zwei Jahre später an einem Hirnschlag starb. Sebastian L. kam ins Heim.

So einfältig wie er vielleicht beim Prozess wirkte, ist er aber nicht: Der Gutachter stellte bei ihm einen IQ von 104 fest – ein durchschnittlicher Wert.

Möglicherweise hat ihm die Zeit im Knast jetzt in die richtige Spur verholfen. Sein Anwalt Jochen Ringler wollte sich auf tz-Anfrage nicht zu Sebastian L.’s Zukunft äußern.

Die Dominik-Brunner-Stiftung reagierte versöhnlich auf die Freilassung. Vorstandsmitglied Andreas Voelmle sagte im Interview des Radiosenders „Antenne Bayern“: „Wir wünschen ihm für seine Zukunft alles Gute.“ Sicherlich bereue er die Tat inzwischen.

Jahrestag Mordfall Brunner: Gedenken am Tatort

Jahrestag Mordfall Brunner: Gedenken am Tatort © dpa
Besucher einer Andacht legen am Sonntag in München am Bahnhof Solln Kerzen an einem Kreuz nieder. Vor einem Jahr ist der Manager Brunner an diesem Bahnhof zusammengeschlagen und getreten worden, nachdem er eine Gruppe Schüler beschützen wollte. © dpa
Die Kinder Kai (l-r) und Caroline, der evangelische Pfarrer Christian Wendebourg, der katholische Dekan Andreas Weiger und der orthodoxe Erzpriester Apostolos Malamoussis stehen am Sonntag in München am Bahnhof Solln nach einer ökumenischen Andacht neben einem Kreuz. © dpa
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU, r-l) und der Präsident des FC Bayern und Kuratoriumsvorsitzende der Dominik Brunner Stiftung, Uli Hoeneß nehmen am Sonntag in München am Bahnhof Solln an einer ökumenischen Andacht Teil. © dpa
Der Präsident des FC Bayern und Kuratoriumsvorsitzende der Dominik-Brunner-Stiftung, Uli Hoeneß nimmt am Sonntag in München am Bahnhof Solln an einer ökumenischen Andacht Teil. © dpa
Der Präsident des FC Bayern und Kuratoriumsvorsitzende der Dominik-Brunner-Stiftung, Uli Hoeneß nimmt am Sonntag in München am Bahnhof Solln an einer ökumenischen Andacht Teil. © dpa
Die Kinder Kai und Caroline tragen am Sonntag in München am Bahnhof Solln nach einer ökumenischen Andacht ein Kreuz zum Bahnsteig, wo Sicherheitskräfte stehen, hinter ihnen gehen der evangelische Pfarrer Christian Wendebourg (2. Reihe l-r), der katholische Dekan Andreas Weiger, der orthodoxe Erzpriester Apostolos Malamoussis und der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU, 3. Reihe, M). © dpa
Die Kinder Kai und Caroline tragen am Sonntag in München am Bahnhof Solln nach einer ökumenischen Andacht ein Kreuz zum Bahnsteig, hinter ihnen gehen der evangelische Pfarrer Christian Wendebourg (2. Reihe l-r), der katholische Dekan Andreas Weiger, der orthodoxe Erzpriester Apostolos Malamoussis und der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU, 3. Reihe, M). © dpa
Die Kinder Kai und Caroline tragen am Sonntag in München am Bahnhof Solln nach einer ökumenischen Andacht ein Kreuz zum Bahnsteig, hinter ihnen gehen der evangelische Pfarrer Christian Wendebourg (2. Reihe l-r), der katholische Dekan Andreas Weiger, der orthodoxe Erzpriester Apostolos Malamoussis und der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU, 3.Reihe, M). © dpa
Ein Kreuz und Ringe aus bunten Glasscherben liegen am Sonntag in München am Bahnhof Solln vor einer ökumenischen Andacht auf dem Boden. © dpa
Ein Kreuz und Ringe aus bunten Glasscherben liegen am Sonntag in München am Bahnhof Solln vor einer ökumenischen Andacht auf dem Boden. © dpa
Ein Kreuz und Ringe aus bunten Glasscherben liegen am Sonntag in München am Bahnhof Solln vor einer ökumenischen Andacht auf dem Boden. © dpa
Ein Kreuz und Ringe aus bunten Glasscherben liegen am Sonntag in München am Bahnhof Solln vor einer ökumenischen Andacht auf dem Boden. © dpa

Sebastian Arbinger

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