Solln

Ex-Kustermann-Bau bleibt: Neues altes Lieblingscafé

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Feiern die Pläne: (v. li.) Dirk Grieß von der Merkur Bauträger GmbH, BA-Mitglied Karl Pauli (CSU), Miriam Schnitzke von der Firma Duken & von Wangenheim, die die neuen Wohnungen vertreibt, und Architekt Stefan Larass.

Das Café Kustermann war Sollns Treffpunkt. Doch ein Investor wollte den gelben Pavillon abreißen. Nun ist entschieden: Der 50er-Jahre-Bau bleibt stehen, ein neues Café zieht ein.

München- Der schmucke 50er-Jahre-Pavillon an der Wolfratshauser Straße erinnert mit seiner halbrunden Form und den großen Fenstern an ein amerikanisches Diner. Die Nachbarn sind stolz darauf. Dennoch sollte er abgerissen werden. Jetzt steht fest: Der Pavillon, in dem sich lange Jahre das Café Kustermann befand, wird saniert und bleibt den Sollnern erhalten. Sogar ein Café wird es an der Stelle wieder geben.

Der Eigentümer, die Merkur Bauträger GmbH, und Architekt Stefan Larass stellten am Mittwoch ihre Vorhaben für das Areal nahe dem Sollner Bahnhof vor. Zwei zweigeschossige Wohnhäuser sind geplant, außerdem Räume für zwei Geschäfte zusätzlich zum Café. Der Pavillon wird lediglich saniert – Heizung und Dämmung sind veraltet.

„Das hätte schlimmer kommen können“, sagt eine Nachbarin. Eine andere ist begeistert, die Entwürfe seien ansprechend. Alle applaudieren nach dem Vortrag des Architekten. Das ist nicht selbstverständlich, denn das Schicksal des beliebten Café Kustermann hat die Sollner in den vergangenen Monaten beschäftigt. Über Jahrzehnte war der Platz vor dem Café, mit seinem Eisverkauf, seinen Sonnenschirmen und den Café-Tischen, ein wichtiger Treffpunkt.

Der charakteristisch halbrunde Pavillon aus den 50er-Jahren bleibt erhalten, die Neubauten gruppieren sich dahinter entlang der Frans-Hals-Straße, ein Anbau zur Wolfratshauser Straße hin.

Doch Ende 2015 war bekannt geworden, dass der alte Pächter das Café aufgeben muss, weil der damalige Besitzer das Gebäude „mieterfrei“ weiterverkaufen wollte. Sogar ein Abriss des beliebten Gebäudes stand zur Debatte. „Es stand Spitz auf Knopf, ob der Platz verödet oder ob er gerettet werden kann“, sagt Stadtrat Michael Kuffer (CSU) bei der Präsentation. Doch die Anwohner setzten sich gemeinsam mit dem örtlichen Bezirksausschuss (BA) für den Erhalt des Pavillons ein. Denn in Solln gebe es kaum Plätze, „wo man sich einfach hinsetzen und das Leben beobachten kann“, erklärte BA-Mitglied Karl Pauli (CSU). Man traf sich regelmäßig mit dem Eigentümer und dem Architekten, suchte Kompromisse, hob die Bedeutung des Pavillons als ein Stück Lebensqualität heraus.

Neubauten am beliebten Treffpunkt: Etwa 15 Wohnungen und zwei zusätzliche Geschäfte sind für das Areal in Solln geplant.

Das Engagement hatte Erfolg: „Solln als Stadtteil soll seine eigene Mitte haben, wo urbanes Leben stattfindet“, erklärt Architekt Larass den Erhalt des Pavillons. Geplant sind für das zukünftige „Karree Kustermann“ zwei kleinteiligere Anbauten hinter dem jetzigen Café: zweigeschossige Wohnhäuser mit Dachterrassen, dazwischen ein begrünter Innenhof. Zwischen 13 und 17 Wohnungen sind vorgesehen: größere mit Garten für Familien, kleinere Apartments für Alleinstehende und für „Kapitalanleger“, wie Miriam Schnitzke sagt, die für die Firma Duken & von Wangenheim die Wohnungen vertreibt. Außerdem sollen zusätzlich zu dem Café zwei Geschäftsräume entstehen, einer an der Wolfratshauser Straße, einer an der Frans-Hals-Straße. Die Neubauten würden die umstehenden Villen nicht überragen, sondern sich harmonisch in das Villenviertel einfügen, so der Architekt.

Die Eigentümer suchen gerade einen neuen Pächter für das Café. Der ehemalige Pächter Thomas Ritz sei aber nicht mehr involviert. Die Sitzplätze draußen soll es auf jeden Fall wieder geben.

Der Bezirksausschuss hat den Plänen am Dienstag zugestimmt. Der Bauantrag ist bereits eingereicht, im Sommer sollen die Bauarbeiten beginnen. Bis Mitte 2018 soll alles fertig sein.

Judith Issig

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