Polizei ermittelt

Fischsterben im Auer Mühlbach: Tierpark im Visier

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Moritz Gärth (li) und Sebastian Hanfland bargen jede Menge tote Fische.

München - Einen Monat nach dem mysteriösen Fischsterben im Auer Mühlbach gibt es nach tz-Informationen einen Verdacht, woher die Verunreinigung stammen könnte: nämlich aus dem Tierpark Hellabrunn!

Fakt ist: Am frühen Morgen des 4. August wurde die im südlichen Teil des Tierparks gelegene Robbenanlage routinemäßig mit einem chemischen Reinigungsmittel gesäubert. Am Vormittag desselben Tages entdeckten die Isarfischer mit Entsetzen Hunderte tote Fische. Weil die Ermittlungen und die toxikologischen Gutachten noch nicht abgeschlossen sind, will die Polizei derzeit keine Stellungnahme abgeben. Auch Oberstaatsanwalt Peter Preuß ist zurückhaltend, bestätigt aber: „Wir ermitteln vorerst in alle Richtungen. Dazu zählt auch der Tierpark Hellabrunn.“

Die Robben-Anlage liegt nahe des Auer Mühlbachs, der den Tierpark in ganzer Länge vom südlichsten Punkt bis zum Flamingo-Eingang nahe der Schönstraße durchfließt. Auf Anfrage der tz bestätigte der Tierpark die Reinigungsarbeiten am Morgen des 4. August. Verwendet wurde dazu Natriumhypochlorit – eine zwölfprozentige verdünnte Chlorbleichlauge. Der Tierpark bestreitet allerdings entschieden, dass die hochgiftige Lauge in den Auer Mühlbach gelangt sein könnte: „Nach Kenntnis über das Fischsterben wurden die Anlage und der Reinigungsprozess nochmals intern sowie durch die ermittelnden Behörden geprüft. Nach dieser Überprüfung ist aus Sicht des Tierparks gesichert, dass bei der letzten Beckensäuberung keine Reinigungslauge in den Auer Mühlbach gelangt ist“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme. Die letzte TÜV-Prüfung der Anlage habe im Juni 2015 stattgefunden: „Die technischen Anlagen verfügen über Sicherungen, die gewährleisten, dass keine Reinigungsstoffe in den Auer Mühlbach gelangen können.“ Nach tz-Informationen überprüft die Polizei jedoch, ob am fraglichen Morgen ein Auslassventil verwechselt worden sein könnte.

Nach Einschätzung von Fachleuten weisen die verendeten Fische genau solche Kiemen-Verätzungen auf, die Laugen wie die Chlorbleiche auslösen. Die Chlorbleiche zerfällt bei Kontakt mit Wasser relativ schnell in ihre Einzelteile und gast an der Oberfläche aus. Das ist auch der Grund, warum sie so schwer nachweisbar ist. Die Flamingos und Wasservögel weiter flussabwärts zeigten nach Angaben des Tierparks keinerlei Vergiftungssymptome — ebenso wie die Futterfische, die auf Höhe des Geländes der Mähnenwölfe in einem Tank leben, der mit dem Wasser des Auer Mühlbachs gespeist wird. Auch das könnte ein Hinweis auf ein sich sehr schnell zersetzendes Gift sein.

Unabhängig von den polizeilichen Ermittlungen engagiert sich der Tierpark zusammen mit den Isarfischern für eine schnelle Erholung des Fischbestandes. Im Frühjahr sollen wieder Jungfische eingesetzt werden. Geplant ist ein Fischbruthaus, das den Tierparkbesuchern die heimische Fischwelt nahe bringen soll.

Hellabrunn ist Nummer Zwei in Deutschland

Der Tierpark Hellabrunn ist der zweitbeliebteste Zoo Deutschlands – das sagt zumindest eine Studie von TripAdvisor, der weltweit größten Reise-Website mit über 250 Millionen Besucher-Bewertungen. Hellabrunn-Chef Rasem Baban reagiert naturgemäß erfreut: Die Auszeichnung sei „Belohnung für die Leistungen unserer Mitarbeiter und gleichzeitig Ansporn“ für die Zukunft. Auf 40 Hektar gibt’s über 750 Tierarten zu bewundern.

Dorita Plange

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