10-Jähriger starb an schwerem Herzleiden

Nach rührendem Brief der Mutter - Grabräuber bringen Quirins (†10) Schmuck zurück

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Sieglinde Kaiser hat nach den Diebstählen schon nicht mehr an das Gute im Menschen geglaubt.

Viel zu früh wurde ihr ihr Sohn genommen - mit zehn Jahren starb Sieglinde Kaisers Kind. Grabräuber verschlimmerten ihre Trauer. Nun brachten die Diebe den Schmuck zurück.

Update 5. November 2018: Diebe bringen Geschenke zurück

In einem offenen Brief hat Sieglinde Kaiser ihrer Trauer und Wut über die fiesen Grabräuber vom Waldfriedhof in Solln Luft gemacht. Unbekannte hatten im August die Geschenke an ihren verstorbenen Sohn Quirin gestohlen. Zwei blaue Herzen mit Edelsteinen. In dem Brief, den die Mutter an das weiße Holzkreuz geklebt hat, spricht Sieglinde Kaiser den Dieb direkt an - eine emotionale Bitte an den Grabräuber, er solle doch in sich gehen und die Herzen zurückbringen. Jetzt das Wunder: Eines der Herzen ist wieder da!

„Ich habe natürlich gehofft“, sagt Sieglinde Kaiser am Telefon. „Aber wirklich damit gerechnet habe ich nicht. Am 15. Oktober - also vor knapp drei Wochen - besuchte sie ihren im Jahr 2011 an einem schweren Herzleiden verstorbenen Quirin (†10) an dessen Grab auf dem Waldfriedhof im Münchner Süden. Da fehlten die dekorativen blauen Herzen (Blau war Quirins Lieblingsfarbe) schon seit knapp zwei Monaten. Ihr emotionaler Brief, den sie an das weiße Holzkreuz auf Quirins Grab geklebt hat, brachte den Dieb offenbar zum Umdenken… 

Zunächst habe sie die Grabdekoration gar nicht gesehen, aber als sie direkt davorstand, traute Sieglinde Kaiser ihren Augen nicht. „Da hat vermutlich jemand ein schlechtes Gewissen bekommen und das Herz an seinen Platz zurückgebracht“, glaubt die Mutter. Sieglinde Kaiser ist froh, dass es genau dieses blaue Herz ist. „Es ist reine Handarbeit“, erklärt sie. „Das Herz ist aus Edelstahl, darüber ein wertvoller blauer Stein. Ein Einzelstück, das ich so nie wieder bekommen hätte.“ Der gemeine Diebstahl der Geschenke an ihren Quirin ist Sieglinde Kaiser sehr nahe gegangen. Sie sagt: „Quirin regelmäßig kleine Geschenke zu machen, ist für mich die einzige Möglichkeit, die ich noch habe, um ihm meine Liebe zu zeigen.“ Sieglinde Kaiser hat nach den Diebstählen schon nicht mehr an das Gute im Menschen geglaubt. Jetzt haben sogar die Grabräuber Herz gezeigt. 

Ursprungsmeldung vom 30. August: Grabräuber stehlen Geschenke für toten Sohn

München - Das Schicksal hat Sieglinde Kaiser (50) vor sieben Jahren ihren Sohn genommen. Quirin starb 2011 mit nur zehn Jahren nach einer schweren Operation. Er litt seit seiner Geburt an einem Herzfehler. Auf dem Waldfriedhof in Solln hat Sieglinde Kaiser einen Platz gefunden, an dem sie über seinen Tod hinaus mit ihm sprechen, ihm Geschenke machen kann. Doch genau diese Geschenke verschwinden seit Kurzem von der Grabstelle. Die liebende Mutter machen diese Diebstähle wütend und traurig zugleich. Jetzt hat sie einen Brief an das Holzkreuz mit dem Foto von Quirin gehängt – es ist ein bewegender Appell an den Grabräuber.

Der Brief an die Grabräuber.

„Die Farbe Blau hat er immer geliebt“, sagt Sieglinde Kaiser. Deshalb hat sie extra blaue Herzen in Quirins Grab gesteckt. „Rote Herzen findet man überall“, erzählt die Mama. „Aber die blauen muss man suchen. Bei einem Kunstmarkt bin ich fündig geworden.“ Jetzt sind die blauen Herzen weg! Gestohlen von einem Unbekannten. Für Sieglinde Kaiser ist das ein Stich, ein Schmerz, als ob ihr ein Teil des Sohnes genommen wird: „Quirin Geschenke zu machen, ist die einzige Möglichkeit, die ich noch habe, um ihm meine Liebe zu zeigen.“

33 ähnliche Taten im Vorjahr

Wie Sieglinde Kaiser ergeht es in München auch anderen Trauernden. 2017 gab es laut Polizei 33 solcher Taten. Die Friedhofsverwaltung erkennt zwar keine Zunahme, gleichwohl bedauere man jeden einzelnen Fall, der immer mit einem zusätzlichen Schmerz für Trauernde verbunden sei.

Lesen Sie auch: Pfleger unter Mordverdacht: Weitere Todesfälle werden überprüft

Sieglinde Kaiser weiß das. Wenn sie von den letzten Stunden mit ihrem Quirin erzählt, scheint es so, als ob sie ihr Kind erst vor wenigen Tagen zu Grabe tragen musste. Schauspieler wollte er werden. Er liebte Katzen. Deshalb steckt eine – natürlich blaue – Katzenfigur in der Grabstelle. Ihr Quirin hatte nicht viel Zeit in diesem Leben, erzählt Mutter Sieglinde. Ihr kam es so vor, als habe er das von Anfang an gespürt. „Quirin hat sehr wenig geschlafen, war an allem interessiert und hatte ständig das Gefühl, er würde etwas verpassen.“ Mit nur zehn Jahren musste der kleine Bub viel zu früh gehen, dafür blieb ihm weiteres Leid erspart, ist sich seine Mama sicher.

Seinen Tod muss Sieglinde Kaiser verkraften, die Erinnerungen an ihren Schatz und die kleinen Mitbringsel will sie sich aber nicht nehmen lassen. Deshalb spricht sie den Grabräuber mit einem Brief (siehe oben) aktiv an. „Er soll in sich gehen“, sagt die trauernde Mutter. Und wer weiß: Vielleicht stehen die blauen Herzen eines Tages wieder an ihrem Bestimmungsort. Ganz nah bei Quirin. 

Johannes Heininger

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