Theater-Chef hat neue Pläne

Iberl-Bühne nimmt Abschied aus Solln

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Iberl-Chef Georg Maier mit seiner Tochter Georglia (li.) und seiner künftigen Frau Raphaela.

München - Der Abschied fällt schwer. Die Iberl-Bühne verlässt Solln. Theater Chef Georg Maier hat aber bereits neue Pläne geschmiedet. Er will in die Innenstadt.

Andere setzen sich mit 72 zur Ruhe. Doch was macht Georg Maier, der Impresario der Iberl-Bühne in Solln? Er startet noch einmal voll durch, packt sein komplettes bayerisches Volkstheater zusammen und zieht aus der Vorstadt im Münchner Süden um in die Münchner City!

Noch will der Tausendsassa keine Details verraten. Nur so viel: „Ab Herbst nächsten Jahres spielt die Iberl-Bühne in der Innenstadt.“ Das künftige Ambiente? Wird rustikal-bayerisch im besten Sinne sein, nix G’schlecktes, verspricht Georg Maier. Denn das würd’ auch gar nicht zu ihm und seinem grandiosen Ensemble passen.

Und was passiert dann mit Iberls Gasthaus an der Wilhelm-Leibl-Straße in Solln? Bis vor zehn Jahren stand der Schauspieler, Autor und Musikant da ja noch selbst hinter dem Tresen. Hier war er gleichzeitig Wirt und Theaterbetreiber, Gastronom hat er ja gelernt. Schon mit 15 führte er das Pfälzer Weinstüberl im Schlachthofviertel, später dann die Hundskugel in der Hackenstraße. Aber das Kapitel hat er abgeschlossen – und so hält sich sein Sorge um die Zukunft des Gasthauses auch in Grenzen. Zumal die Wirtin (seine Nach-Nachfolgerin), wie er sagt, nix fürs Theater übrig hat…

Der Neustart in der City ist Maier so wichtig, dass er sogar sein Privatleben hinten anstellt. Zwar heiratet er wie geplant im August seine 43 Jahre jüngere Raphaela („Jetzt weiß ich erst, dass meine zwei, drei bisherigen Beziehungen scheiterten, weil ich diese Frau treffen musste …“), aber erst einmal „nur“ standesamtlich. Die 29-Jährige hat übrigens ähnlich viele Talente wie ihr Zukünftiger. Sie gehört nicht nur dem Iberl-Ensemble an, sondern studiert auch noch, tritt als Sopranistin auf und schreibt gerade an einem Roman. Kein Wunder also, dass sie fürchtete, dass eine große Hochzeit 2014 einfach „etwas zu viel“ hätte werden können. Aber so gibt’s die große Party und die kirchliche Hochzeit halt ein Jahr später. Ein Spektakel wird das werden. Maier plant eine „echte Vorstadthochzeit wie aus der Zeit um 1900 – mit Hochzeitslader und allem, was dazugehört.“

Georg Maier wird sicher auch dafür die passende Bühne finden.

Von der Jazzkneipe zum Volkstheater-Tempel

Die Geschichte des „Iberl in Solln“ beginnt in den 1860er Jahren als Ausschank für die Arbeiter einer Ziegelei, die Josef Iberl im Jahr 1862 gründete. 1937 übernahm dann die Franziskaner-Brauerei den Besitz, die im Januar 1966 das Wirtshaus an Georg Maier verpachtete. Der Schauspieler machte daraus zunächst eine Jazzkneipe, ehe er im Dezember 1966 sein erstes Stück auf die Bühne brachte und aus dem Wirtshaus das machte, was es auch nach 40 Jahren noch ist: Iberls Bühne. Markenzeichen: lebendiges Theater in der Tradition von Shakespeare, Nestroy und Molière - heiter, witzig, ironisch und hintersinnig, oft deftig, aber immer mit Niveau! Die 2010 verstorbene Petra Schürmann schrieb ins Iberl-Gästebuch: „Wenn es einen Oskar für Volkstheater gäbe, gehörte er der Iberl Bühne.“

Wolfgang de Ponte

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