Ein möglicher Standort

Ikea-Filiale am Ratzingerplatz? Lokalpolitiker schlagen Alarm

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Möglicher Ikea-Standort: Der Ratzingerplatz liegt seit einigen Jahren brach.

Steht bald eine Ikea-Filiale am Ratzingerplatz? Der Bezirksausschuss (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln hält diese Pläne für „unmöglich“ – zumindest, was seinen Bezirk betrifft.

München - Der Bezirksausschuss (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln hält die Pläne von Ikea für „unmöglich“ – zumindest, was seinen Bezirk betrifft. Die TU-Studie, die Ikea in Auftrag gegeben hatte (wir berichteten), untersucht drei mögliche Standorte für eine Ikea-Filiale in der Stadt: das Arbeitsamt an der Kapuzinerstraße, die Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke und den Ratzingerplatz. Ikea habe sich noch nicht festgelegt, sagt eine Konzern-Sprecherin.

Der Ratzingerplatz liegt seit Jahren brach. Die Stadt will dort eigentlich ein Gymnasium und eine Grundschule errichten – aber wirklich passiert ist noch nichts. Wäre es also noch nicht zu spät, um dort eine Ikea-Filiale einzuplanen? Der BA ist auf Antrag der CSU dagegen. Die Lokalpolitiker betonen besonders, dass sie eine Verzögerung beim Bau der beiden Schulen nicht für hinnehmbar halten. Aufgrund des deutlichen Bevölkerungszuwachses seien diese Schulen wichtig für das Viertel. Auch der Bau der Tram-Westtangente dürfe auf keinen Fall durch weitere Bauprojekte verzögert werden, so Reinhold Wirthl, CSU-Fraktionsvorsitzender im BA. Die Politiker fragen sich: Wo soll neben den bereits geplanten Gebäuden und Bauvorhaben noch Platz für eine große Ikea-Filiale sein? Weiter heißt es im Antrag: „Der BA sieht an diesem zentralen Standort im Stadtviertel soziale und kulturelle Nutzungen sowie kleinteiligen Einzelhandel als wesentlich sinnvoller und dringender an als einen großen Verkaufsmarkt.“

„Kunden werden nicht mit dem Fahrrad kommen“

Die Lokalpolitiker befürchten außerdem, dass Ikea Autos aus der ganzen Region anziehen würde. Das würde die angespannte Verkehrssituation weiter belasten. BA-Chef Ludwig Weidinger (CSU) glaubt nicht, „dass Ikea-Kunden mit dem Fahrrad oder zu Fuß kommen werden.“ Wirthl sieht das ähnlich: „Da kommen doch auch viele mit dem Auto, wenn das Einzugsgebiet bis Garmisch geht! Ich halte diesen ganzen Plan für unsinnig. Der Verkehr bricht doch jetzt schon fast zusammen!“ 

Ludwig Weidinger (CSU) ist Chef des Bezirksausschusses im Münchner Süden

Ikea sagt dazu: „Wir sind ganz bewusst auf der Suche nach einem Standort, der schon jetzt gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden ist. Denn unser Ziel ist, dass möglichst viele Besucher mit alternativen Verkehrsmitteln zu uns kommen.“ Außerdem gehe Ikea davon aus, dass hauptsächlich Münchner zu einem Innenstadt-Ikea kommen werden.

Die Tram-Westtangente, die den Ratzingerplatz gut anbinden würde, wird allerdings frühestens 2027 fertig sein. Ist das also das Aus für den Ikea an diesem Standort? Wirthl hofft, dass es nicht zu einer weiteren Planung seitens der Stadt kommen wird. Er ist jedoch vorsichtig: „Die Stadt hat bereits eine Arbeitsgruppe gegründet.“ Auch Ikea erklärt: „Wir sind in Abstimmungsgesprächen mit der Stadt.“ Dorle Baumann (SPD) appelliert: „Die Planung sollte nicht nach einem Konzern ausgerichtet werden, dem es nur um Kommerz geht. Zumal Ikea für seine Steuervermeidungspolitik bekannt ist.“

Lokalpolitiker wollen endlich Klarheit

Am meisten ärgert die BA-Mitglieder, dass sie im Unklaren gelassen werden. Gibt es bereits eine offizielle Anfrage für einen Ikea an die Stadt? Würde die Stadt zustimmen? Die Lokalpolitiker fordern Antworten auf diese Fragen. Außerdem wollen sie wissen, bis wann die beiden Schulen am Ratzingerplatz fertig werden sollen und ob ein Ikea-Markt diese Planungen umschmeißen könnte. Welche Kosten und finanziellen Vorteile würde ein solches Projekt mit sich bringen?

Zumindest in einer anderen Frage herrscht Klarheit: Das Geheimnis um die Ikea-Hot-Dogs ist nun gelüftet.

Ikea hat sich noch nicht konkreter geäußert. Man prüfe mehrere Standorte: „Wir haben aktuell noch keine Entscheidung getroffen und sind weiterhin auf der Suche nach einem möglichen Standort – der dann einer der Standorte aus der Studie, aber auch ein ganz anderer werden könnte“, so eine Ikea-Sprecherin auf Merkur-Anfrage.

Wie so ein Innenstadt-Projekt aussehen kann, können Hamburger seit 2014 erleben. Die Kunden erreichen die Filiale dort mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ihre Einkäufe lassen sie sich liefern oder nutzen das Lastenrad, das sie sich vor Ort ausleihen.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Sendling - mein Viertel“.

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