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Surfer-Zoff in München schwelt: Fällt jetzt die komplette Saison ins Wasser?

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Von: Martina Williams

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Die Brücke über den Floßlände-Kanal in München-Thalkirchen: In diesem Sommer könnte es dort keine Surfer zu begutachten geben.
Die Brücke über den Floßlände-Kanal in München-Thalkirchen: In diesem Sommer könnte es dort keine Surfer zu begutachten geben. © Imago/siepmann

Zwischen 30 und 40 Surfer tummeln sich normalerweise an der Floßlände in Thalkirchen. Diesmal nicht, denn es gibt keine Welle. Möglicherweise fällt die ganze Saison aus.

München - An der Floßlände in Thalkirchen konnten Brettlfans seit 1972 rund um die Uhr surfen – ab 2008 wurde der Spaß eingeschränkt. Denn um die Stromproduktion am dortigen Isarwerk 1 zu erhöhen, wurde weniger Wasser in den Floßkanal geleitet. Als die Welle 2015 ganz ausblieb, entwickelte die Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM) eine spezielle Lamelle, die von der Stadt eingebaut wurde. Fünfeinhalb Stunden am Tag konnten die Surfer auf der Welle reiten – immerhin.

München: Surfer weisen die Stadt mehrmals auf das Dilemma hin

„Sieben Jahre ging das gut“, sagt Franz Fasel (34) von der IGSM. „Bis uns die Stadt im Januar informiert hat, dass die Welle nun aufgrund des Einbaus ein Betreibermodell benötigt.“ Für ihn ein Unding: „Zum Betreibermodell gehört, die Kontrolle der Anlage und die Haftung zu übernehmen. Das können wir aber so schnell nicht stemmen, wir sind kein Sportverein.“

Mehrmals haben die Surfer die Stadt auf das Dilemma hingewiesen und gebeten, selbst in die Betreiberrolle zu springen. „Unsere wiederholte Bitte, dem Verein bis zur Saison 2023 Zeit zu lassen, wurde nicht gehört“, erklärt Fasel. „Wir haben noch versucht, Warnschilder zu entwerfen, haben Versicherungen angefragt und geprüft. Leider hat die Zeit dennoch nicht gereicht.“ Folge: Der Saisonstart blieb aus.

Floßländle München: Stadtrat schließt eine künftige Verlängerung der Saison nicht aus

Die Stadt sieht die Schuld für die fehlende Welle nicht bei sich: Man habe mit den Stadtwerken die nötigen Voraussetzungen geschaffen und sogar die Wassersportzeiten auf bis zu 15 Stunden täglich erhöht, heißt es aus dem Referat für Klima- und Umweltschutz. „So freut es mich, dass nun die Kanuten von früh bis spät die Floßlände nutzen können“, sagt Referentin Christine Kugler. „Bedauerlicherweise gilt dies nicht für den Surfsport, da wir kurzfristig erfahren haben, dass die Interessenvertretung der Surfer die erforderlichen eigenen Einbauten nicht rechtzeitig vor Saisonstart vornehmen wird.“

Die Schuldvorwürfe weist Fasel von sich: „Es handelt sich bei der Floßlände um einen öffentlichen Raum, der frei zugänglich ist. Ein Skaterpark in München wird ja ebenfalls von der Stadt betrieben.“ An der Eisbach-Welle gebe es auch kein Betreibermodell. „Hier konnte die Stadt alles über eine Allgemeinverfügung regeln.“ Was den 34-Jährigen stört: „An der Floßlände trifft sich Jung und Alt, Reich und Arm. Das ist ein Naherholungsort mitten in der Stadt. Dieser soziale und ökologische Aspekt wird völlig vergessen.“ Aber immerhin habe der Stadtrat eine künftige Verlängerung der Saison nicht ausgeschlossen.

Stadt München: Kein Anspruch auf Schaffung und Erhaltung von Surfwellen

Warum die Stadt die Welle sieben Jahre lang sprudeln ließ – darauf gibt es im Referat für Klima- und Umweltschutz keine genaue Antwort: Das sei bislang rechtlich nicht geklärt gewesen. Und es gebe auch keinen Anspruch auf Schaffung oder Erhaltung von Surfwellen. Man unterstütze die Surfer auf freiwilliger Basis.

Die Enttäuschung bei den Surfern ist derweil groß: „Viele ziehen jetzt zum Eisbach, obwohl dort keine Anfänger sein sollten, weil es zu gefährlich ist“, sagt Fasel. Möglicherweise erst zur Saison 2023 könne der Verein die Betreiberrolle übernehmen. „Alle sollen umsonst und jederzeit surfen können. Ob das vereinsbasiert möglich ist, ist unsere größte Sorge. Ticketsysteme wie in Nürnberg wollen wir nicht.“ Jetzt hoffen die Surfer, dass die Stadt ihre Rolle noch einmal überdenkt. Fasel: „Vielleicht fällt das 50. Jubiläum an der Floßlände dann nicht komplett ins Wasser.“ MARTINA WILLIAMS

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