Schlauchboot-Drama

Isar-Rettung: Helfer sauer wegen Leichtsinns

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Ein Bild der dramatischen Rettungsaktion auf der Isar.

München - Nach der dramatischen Rettung eines Schlauchbootes in der Isar, meint ein Wasserwachtler ärgerlich: "Wer ein bisschen Hirn hat, der fährt bei solchen Bedingungen erst gar nicht los."

Mehrere dramatische Rettungseinsätze an der Isar haben Wasserwacht und Feuerwehr am Samstag schwer gefordert. Um das Leben von elf Menschen zu retten, waren unter anderem Spezialtaucher sowie zwei Hubschrauber nahezu pausenlos im Einsatz. „Wir sind teilweise an unsere Grenzen gegangen“, sagt Rudolf Brettner, Einsatzleiter der BRK-Wasserwacht.

Gleich dreimal mussten die Retter an der Marienklausenbrücke in Thalkirchen ausrücken – innerhalb von nur vier Stunden! Wegen der starken Regenfälle in den vergangenen Tagen tost hier derzeit unterhalb des Wehrs eine lebensgefährliche Wasserwalze (siehe Artikel unten).

Einsatz 1: Gegen 15.30 Uhr geriet das erste Schlauchboot in Not. In der Wasserwalze kenterte es mit sechs Menschen an Bord. Als die Retter eintrafen, hielten sich vier Insassen an einem Baumstamm im Wasser fest, zwei von ihnen waren bereits abgetrieben.

Zur Rettung wurde ein Boot der Tauchergruppe ins Wasser gelassen und zeitgleich stiegen weitere Wasserretter mit Überlebensanzügen zu den Gekenterten in die tosende Walze hinab. Alle Verunglückten konnten teils mit dem Boot, die übrigen durch die Retter mit Überlebensanzügen und Leinen an Land gebracht werden. „Alle kamen mit Unterkühlung ins Krankenhaus“, erklärt ein Feuerwehrsprecher.

Einsatz 2: Kaum war der erste Einsatz abgeschlossen, mussten die Wasserwachtler wieder ran. Gegen 17.30 Uhr war wieder ein Schlauchboot an der Wasserwalze in Not geraten. Zwei Menschen trieben im Wasser, ein Verunglückter konnte sich an das Boot klammern. Mithilfe von zwei Hubschraubern konnten zwei Gekenterte gerettet werden. Der noch im Wasser treibende Mann konnte flussabwärts von Rettern an Land gebracht werden. Auch diese drei Verunglückten kamen in die Klinik.

Einsatz 3: Gegen 19.36 Uhr schließlich erfolgte die dritte und letzte Alarmierung an der Marienklause. Dieses Mal waren zwei Bootfahrer in Not geraten. Auch die beiden US-Soldaten wurden gemeinsam von Feuerwehr und Wasserwacht in letzter Sekunde aus der tosenden Wasserwalze gerettet!

Helfer: Wer ein Hirn hat, fährt erst gar nicht los!

Die gekenterten Schlauchbootfahrer hatten allesamt die Strömungsgeschwindigkeit der Isar unterschätzt, die nach dem starken Regen der vergangenen Tage deutlich zugenommen hat. „Wer in die Wasserwalze gerät, findet sich in einer riesigen Waschmaschine wieder“, sagt Wasserwachtler Rudolf Brettner. „Da besteht Lebensgefahr.“

Ärgerlich ist für den Einsatzleiter, dass alle Rettungseinsätze vermeidbar gewesen wären. „Wer ein bisschen Hirn hat, der fährt bei solchen Bedingungen erst gar nicht los.“

Am gestrigen Sonntag war der Wasserpegel der Isar nochmals angestiegen. Schlammig-braune Wassermassen strömten an der Marienklause vorbei. Die Wasserwacht hat auf die Vorfälle vom Vortag reagiert: 25 ehrenamtliche Mitarbeiter sind im Einsatz, normal sind es am Wochenende vier oder fünf. Rudolf Brettner versteht nicht, warum manche Schlauchbootfahrer mit ihrem Leben spielen. Dabei seien am Flussufer immer wieder Schilder mit der Aufschrift „Lebensgefahr“ angebracht. „Aber vielleicht macht das für manche erst den Nervenkitzel aus.“ Zudem seien viele nicht in soliden Rafting-Booten, sondern in Schlauchbooten vom Discounter unterwegs.

Übrigens: Ab dem heutigen Montag sind die Wasserwachtler nicht ständig an der Marienklause im Einsatz. Ein Grund mehr, die Boote an Land zu lassen.

Vor 4 Jahren: Karl D. starb an dieser Stelle

Wo am Samstag elf Menschen einen riesigen Schutzengel hatten, starb vor vier Jahren ein Familienvater. Karl D. (40) wollte damals seinen zweijährigen Sohn Kevin aus dem Sog der Wasserwalze befreien und geriet selbst in den tödlichen Strudel. Der kleine Bub war so schnell seinem Spielzeug hinterhergelaufen, so dass das Wasser ihn in die Marienklause zog. Karl D. zögerte keinen Moment und sprang hinterher. Als die Walze beide frei gab, konnte der kleine Kevin gerettet werden. Für Karl D. kam jede Hilfe zu spät.

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Jacob Mell

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