Geschichtsträchtiges Gebäude

Traumhaus vieler Münchner liegt direkt an der Isar: Bewohner werden ständig von Passanten angesprochen

Bewohner des Häuschens
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Ein Sehnsuchtsort für viele Spaziergänger ist das romantisch überwucherte Schleusenwärterhäuschen in Thalkirchen. Auch Julia (r.) und Andreas Jung flanierten oft hier vorbei. Jetzt wohnen sie hier.

Hier haben viele Generationen gelacht und geweint: In alten Häusern steckt viel Seele und die Vergangenheit wird lebendig. Ein besonderes Gebäude steht in Thalkirchen.

München - Ihr Häuschen wirkt ein bisschen wie ein verzaubertes Märchenhaus. An der Vorderseite ist es fast komplett in wildem Wein und Efeu eingewachsen, nur noch die Fenster und die grüne Türe sind frei. Wenn Julia und Andreas Jung dort morgens sitzen und das Frühstück genießen, dann werden sie immer wieder von Passanten angesprochen. Denn viele Münchner, die in Thalkirchen an der Isar spazieren gehen, kommen daran vorbei und interessieren sich für das ungewöhnliche Haus.

Die Jungs wohnen im Schleusenwärterhäuserl an der Zentralländstraße. Die Isar und die Marienklause sind in unmittelbarer Nähe, der Isarwerkkanal läuft direkt am Haus vorbei. Früher hat dort der Schleusenwärter mit seiner Frau gelebt. Nach deren Tod kauften Freunde des Ehepaars Jung im Jahr 2011 das Haus (wir berichteten*). Vor knapp drei Jahren zogen schließlich die beiden als Mieter ein. „Wir sind sehr glücklich, hier wohnen zu können“, sagt Julia Jung.

München-Thalkirchen: Schleusenwärterhaus mit Isarflimmern durchs Esszimmerfenster

Rund 90 Quadratmeter hat das Paar zur Verfügung, das unter Denkmalschutz stehende Haus wurde komplett renoviert. Denn die Witwe des Schleusenwärters lebte auch im hohen Alter noch in sehr einfachen Verhältnissen. „Es gab keine Heizung“, sagt die 49-Jährige. „Die Witwe hat nur mit Holz geheizt, das sie selbst gehackt hat.“ Sie und ihr Mann haben ebenfalls einen Holzofen, doch natürlich sorgt inzwischen auch eine moderne Heizung für wohlige Wärme.

In dem Haus im Südwesten von München* verbindet sich Alt mit Neu: „Bei der Renovierung wurde versucht, möglichst viel wie im Original wiederherzustellen“, sagt Andreas Jung. Die Sprossenfenster etwa sind noch von früher und an einem der Fenstergriffe hängen sogar noch die alten Zimmerschlüssel. Neu sind dagegen eine zweite Eingangstüre und eine Innentreppe ins Untergeschoss. „Früher gab es im Gang nur eine Art Falltüre“, sagt der 57-Jährige. Auch ein kleiner Balkon am hinteren Teil des Gebäudes wurde nachträglich errichtet. Unten gibt es einen großen Garten, in dem sich fünf Hühner tummeln. „Jeden Tag haben wir vier bis fünf frische Eier“, erzählt Julia Jung. Auch drei Bienenstöcke hat das Ehepaar auf dem Grundstück.

Ein kleiner Teil des Gartens ist abgezäunt. Denn dort blühen Christrosen, Maiglöckchen und verschiedene Frühjahrsblüher. „Die Blumen sind über Jahrzehnte gewachsen“, erklärt Julia Jung. So war es auch bei der gebogenen und geschwungenen Form eines Efeu-Stocks: „Der Stock ist um Ställe der Witwe herumgewachsen“, berichtet die 49-Jährige. Besonders imposant ist die große Fichte neben dem Haus.

Durch Sprossenfenster blickt man aus dem Esszimmer auf die vorbeifließende Isar.

Auf dem Grundstück steht außerdem ein alter Betonbunker. Er wurde zwar zum Teil zurückgebaut, die Spuren der Vergangenheit sind aber noch immer sichtbar. Auf einer alten Türe ist der Wegweiser „Zur Gasschleuse“ zu lesen, ein anderes Schild verweist auf den Notausstieg. Jetzt werden neue Geschichten geschrieben: Julia und Andreas Jung laden gerne Freunde in den Garten ein. Vergangenen September feierten die beiden sogar ihre Hochzeit dort. Im Haus bietet außerdem eine Freundin des Paares Kochkurse an und Andreas Jung gibt Geigenunterricht. Auch dafür ist die etwas einsame Lage perfekt.

Die beiden genießen auch die Nähe zur Isar. „Wir nutzen das schon aus und sind oft dort, um spazieren zu gehen oder zu baden“, erzählt Andreas Jung. Früher ist er beim Joggen manchmal am Schleusenwärterhäusl vorbeigekommen – ohne zu ahnen, dass es einmal sein Zuhause wird. Die beiden sind sich sicher: „So ein altes Haus muss bewohnt werden.“

München: Die Entstehungsgeschichte des Schleusenwärterhäuschens

Das Schleusenwärterhäuschen wurde vermutlich in den Jahren 1906 bis 1908 von August Blößner errichtet. Hier lebte ein Wärter, der die Schleuse des Isarkraftwerks bediente. Weil der Auer Mühlbach abzweigt, musste der Wasserstand damals Tag und Nacht überprüft werden. Seit den 70er-Jahren geschieht das durch eine Fernsteuerung. Der Wärter arbeitete dann als Werksgehilfe im Isarwerk, mit seiner Frau lebte er aber weiter in dem Haus. Nach seinem Tod blieb seine Witwe dort bis 2009 wohnen. 2011 entschieden sich die Stadtwerke, das Haus zu verkaufen. Die neuen Eigentümer nutzten es zunächst unter anderem als Büroräume.

Nach einer Sanierung zogen vor rund drei Jahren Julia und Andreas Jung dort als Mieter ein. In dem zur Schleuse gehörenden Betonbunker ist jetzt unter anderem ihre Heizung untergebracht. Das Schleusenwärterhäuschen steht unter Denkmalschutz. Das Denkmalamt beschreibt es als „kleinen, eingeschossigen Satteldachbau mit schlichter Putzgliederung“. Es ist im barockisierenden Heimatstil errichtet.

Währenddessen haben Nacktbadende an der Isar Angst um ihr Idyll*. Der Grund: Auf der FKK-Insel am Flauchersteg hat sich ein „Künstler“ niedergelassen - der versteht die Aufregung nicht. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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