Über 1600 Menschen betroffen

So leben die Flüchtlinge in der alten Bayernkaserne

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Aus der Bayernkaserne ist eine Stadt in der Stadt geworden.

München - Auf dem alten Militärgelände der Bayernkaserne leben heute mehr als 1600 Menschen. Es gibt Kantinen, Sportplätze, einen Fernsehraum und sogar ein Streichelgehege.

Die alte Bayernkaserne dient seit drei Jahren als Notquartier für 400 Flüchtlinge, weil das marode Haus in der Baierbrunner Straße (Obersendling) aus allen Nähten platzte. Heute leben auf dem alten Militärgelände mehr als 1600 Menschen – und weitere 500 Schlafplätze stehen bereit! Es gibt Kantinen, Sportplätze, Fernsehraum, sogar ein Streichelgehege: Der Freistaat hat aus dem Provisorium an der Heidemannstraße (Freimann) eine Stadt in der Stadt gemacht – eine Stadt der Flüchtlinge. Jetzt schlägt OB Dieter Reiter (SPD) Alarm: „Das Gefüge der angrenzenden Stadtteile wird zunehmend belastet.“

Hohe Zäune, Wachpersonal, umherstreunende Gruppen vor allem junger Männer, versiffte Matratzen, zu Hunderten in einer abbruchreifen Lkw-Garage: Solche Bilder wie aus den Kriegs- und Katastrophengebieten dieser Welt erwartet man nicht in der reichsten Stadt im reichsten Bundesland dieser Republik.

Flüchtlingsrat: Lagerpflicht gehört abgeschafft

Dazu bringt die Stadt hier Hunderte Obdachlose und im Winter wilde Camper unter. Die Flüchtlinge bekommen 130 Euro Taschengeld im Monat und dürfen sich frei bewegen. Und das tun sie auch, sie haben ja sonst nichts zu tun.

Heuer erwartet Sozialministerin Emilia Müller (CSU) 30.000 Asylbewerber in Bayern – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Die schleust der Freistaat durch gerade einmal zwei Städte. Nur in München und im fränkischen Zirndorf gibt es sogenannte Erstaufnahmeeinrichtungen. Dort bleiben die Menschen mehrere Wochen bis zu drei Monaten, bis sie untersucht, Formalitäten geklärt sind und sie in Großunterkünfte verlegt werden.

Doch es kommen mehr Menschen als gehen. Die Zahl der Bewohner steigt. Eine dritte Aufnahmeeinrichtung in Deggendorf soll erst Anfang nächsten Jahres öffnen.

Der falsche Weg, meint der Flüchtlingsrat. „Die Lagerpflicht gehört umgehend abgeschafft“, fordert Sprecher Alexander Thal. Kein anderes Bundesland habe solche Probleme. Die Opposition im Landtag sieht eine Eskalation in der Bayernkaserne. Die Grünen haben eine Aktuelle Stunde beantragt. Die SPD-Abgeordnete Angelika Weikert sagt: „Es müssen endlich unbürokratische, schnelle Lösungen her, um die Not der Menschen zu lindern.“ Und es braucht bald einen Ersatz: Spätestens 2017 will die Stadt in der Bayernkaserne 4000 Wohnungen bauen.

OB schlägt bei Seehofer Alarm

OB Dieter Reiter (SPD) ist stocksauer, wie der Freistaat die Flüchtlinge in der Bayernkaserne behandelt, sorgt sich um die benachbarten Stadtteile – und stellt Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) per Brief ein Ultimatum!

Die städtischen Lkw-Garagen mit den 600 neuen Schmuddel-Notbetten (tz berichtete) dürfe der Freistaat nicht länger als bis Ende Juli nutzen. „Eine menschenwürdige Unterbringung ist nicht mehr gewährleistet“, schreibt Reiter.

Auch in der Nachbarschaft wachsen die Probleme. Der Freistaat solle die Flüchtlinge besser betreuen und mehr Geld in Reinigung und Sicherheit außerhalb der Kaserne stecken. Die Stadt habe schon 2013 einen Stab mit 17 Mitarbeitern eingerichtet und 20 Millionen für Unterkünfte bereitgestellt. Der Freistaat habe seitdem kein einziges neues Grundstück vorgeschlagen.

David Costanzo

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