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Wohnung geöffnet, weil Nachbarn über „Leichengeruch“ klagten: Münchner Polizei erklärt Hinweis-Zettel

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Von: Tanja Kipke

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Ein handschriftlich geschriebener Zettel der Polizei Forstenried amüsiert aktuell die Jodel-Community.
Ein handschriftlich geschriebener Zettel der Polizei Forstenried amüsiert aktuell die Jodel-Community. © Screenshot Jodel

Die Polizei öffnete eine Wohnung in Forstenried, weil im Hausflur vermeintlich Leichengeruch wahrzunehmen war. Beamte informierten den Bewohner mit einem Zettel, der das Netz verwundert.

München – Ein kurioser Vorfall in Forstenried zeigt: Wer mehrere Tage wegfährt, sollte vorher seinen Müll wegbringen. Die Polizei öffnete die Wohnung eines Münchners, weil seine Nachbarn sich über „Leichengeruch“ im Hausflur beklagten und der Wohnungsinhaber offenbar nicht zu Hause war. Eine Leiche fanden die Beamten nicht vor, stattdessen ein verdorbenes Hähnchen im Küchenmüll.

Um den Besitzer über die Wohnungsöffnung zu informieren, hinterließen die Beamten einen handgeschriebenen Zettel. Diesen postete der Übeltäter in der App Jodel, mit dem Wort „Oopsi“. Die Notiz warf viele Fragen bei den Nutzern auf, die meisten halten sie für unglaubwürdig. Eine Nachfrage unserer Redaktion bei der Münchner Polizei gibt Aufschluss.

Leichengeruch? Polizei öffnet Wohnung und hinterlässt Zettel – „Bitte entsorgen!“

Auf dem Zettel, der offenbar aus einem gelochten Collegeblock stammt, heißt es: „Sehr geehrter Herr..., am 11. August, um 23.30 Uhr, wurde Ihre Wohnung mittels Generalschlüssel geöffnet, weil im Hausflur Leichengeruch wahrzunehmen war. Der Geruch kam von einem verdorbenen Hähnchen in ihrem Küchenmüll. Dieser wurde auf den Balkon gestellt. Bitte entsorgen!!!“. Unterschrieben wurde das Blockblatt von der Polizei Forstenried. Der Urheber des Jodel-Beitrags erklärt, er sei vier Tage weg gewesen.

„Bah, wer bringt denn vor dem Urlaub den Müll nicht raus“, will einer wissen. Andere finden den Vorfall einfach nur lustig. Viele zweifeln den Beitrag allerdings an und halten den Zettel für eine Fälschung, da die Polizei laut mehrerer Kommentare wohl eher ein offizielles Dokument genutzt hätte. Ein Nutzer postet sogar ein Foto eines „echten“ Polizeibescheids, den er nach eben so einer Wohnungsöffnung erhalten habe, als in seinem Haus ein Brand ausgebrochen war.

„Die Öffnung einer privaten Wohnung ist ein extremer Eingriff in deine persönlichen Rechte. Sowas mit einem Schmierzettel abzutun, ist einfach absolut unglaubwürdig“ oder „das war zu 100 Prozent nicht die Polizei. Sie würde dich vorher anrufen und ein offizielles Schreiben verwenden“ ist unter anderem zu lesen. Unsere Redaktion hat bei der Polizei München nachgefragt, ob der Zettel echt ist.

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München: Polizei bestätigt Wohnungsöffnung in Forstenried

Und tatsächlich. Die Münchner Polizei bestätigt den Vorfall in Forstenried. Durch Kollegen der PI 29 sei es tatsächlich zu einer Wohnungsöffnung am 11. August gekommen, da Nachbarn Leichengeruch berichtet hätten. Der Polizeisprecher gibt an, dass in einem solchen Fall normalerweise ein spezielles, rotes Formblatt („Mitteilung über eine Wohnungsöffnung“) –  wie von einem Jodel-Nutzer auch gepostet – verwendet wird.

„Die eingesetzte Streife führte dieses Formblatt am 11.08. jedoch nicht mit. Um den Bewohner trotzdem über die Betretung seiner Wohnung zu informieren, hatte die Kollegin eine handschriftliche Notiz hinterlassen.“ Der Urheber des Jodels hat die Geschichte also nicht erfunden, wie viele zuvor angenommen hatten.

Jodel-Nutzer irritiert Verhalten der Polizei: „Dann stinkt es ja über die anderen Balkone“

Nicht nur der handschriftliche Zettel schockiert die Jodel-Community. Auch, dass die Beamten den Küchenmüll auf den Balkon gestellt haben, halten einige für höchst verdächtig. „Es haben sich ja wohl Leute über den penetranten Geruch beschwert, trotzdem sollen die angeblich gesagt haben, ‚Ah, ein Hähnchen‘ und es liegen gelassen haben? Es weiß ja niemand, ob du vielleicht noch 2 Monate weg bist.“ Ein berechtigter Einwand, wie viele finden. „Dann stinkt es ja über die anderen Balkone in die Wohnungen der Nachbarn“, wundert sich ein weiterer. Vielleicht wollten die Beamten dem Inhaber dadurch eine Lehre erteilen, vielleicht ist es ihnen aber auch nicht gestattet, den Müll zu entsorgen. (tkip)

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