Kalter Krieg um die Klimaanlage

Wegen Mini-Umbau: Münchner Mieterin droht nach 42 Jahren der Rauswurf

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Monika B. zeigt das ärztliche Attest, welches belegt, dass sie Hitze meiden soll. Neben ihr steht die Klimaanlage, die nun für Ärger sorgt.

Mit der neuen Vermieterin kamen für Monika B. viele Sorgen. Die 61-Jährige hat Angst, ihre Wohnung im achten Stock eines Hochhauses in der Parkstadt Solln zu verlieren. Nach 42 Jahren! 

München - Denn ihre neue Vermieterin droht mit einer Klage – und zwar wegen einer Klimaanlage. Diese hat Monika B. allerdings seit 26 Jahren, ihr alter Vermieter hatte sie ihr erlaubt. Das aber will die neue Vermieterin nicht glauben. Die Mieterin behaupte einmal dies und einmal das, so die Eigentümerin gegenüber der tz.

Rauswurf wegen Klimaanlage? 

„Ich kann es beweisen, dass die Klimaanlage schon seit 26 Jahren bei mir in der Wohnung ist“, sagt dagegen Monika B.. Mit Fotos, Zeugen und ärztlichen Attesten. „Ein Arzt hat sie mir verordnet, da ich schwer atemwegserkrankt bin und Hitze nicht aushalte“, so Monika B.. In dem 41-Quadratmeter-Appartement werde es an heißen Tagen ohne Klimatisierung unerträglich warm. Deshalb installierte sie mit der Erlaubnis des früheren Vermieters die Klimaanlage.

Vermieter möchte 9000 Euro

Nun, nach mehr als zweieinhalb Jahrzehnten, bereitet ihr das Ding schlaflose Nächte. Die neue Vermieterin nimmt die Klimaanlage zum Anlass, anzukündigen, sie werde das Fenster und den Fensterstock erneuern lassen, auf Kosten ihrer Mieterin. Denn Monika B. habe das Loch eigenmächtig vor Kurzem in den Rahmen gebohrt und damit die Sub­stanz der Wohnung beschädigt. „Das Loch ist faustgroß, ein dicker Schlauch hängt auf den Balkon und der Schaden beträgt 9000 Euro. Mit dem Loch hat die Mieterin ein architektonisches Kleinod zerstört“, sagt die Dame.

Das Zugangsloch in der Wand, welches zum Balkon in dem Wohnblock führt.

Münchner Mieterin hat einen üblen Verdacht

„Was für eine Unterstellung, ich habe das Loch seit 26 Jahren, es ist immer verplombt, außer, wenn es heiß wird und ich die Klimaanlage anstecke“, sagt B.. Für die Schadensreparatur habe sie sowieso kein Geld. „Ich bekomme Grundsicherung, muss Lebensmittel von der Tafel holen.“ Dank des Mietervereins konnte sie vor Kurzem eine Mieterhöhung um 51 Euro abwenden, erzählt sie: Sie bezahlt 646 Euro warm, die Kaltmiete beträgt gut 500 Euro. „Mein Anwalt riet mir sogar, ich solle die Miete mindern, denn im Winter funktionierte die Heizung schlecht und die Wohnung wurde nicht wärmer als 17 Grad.“ Sie ist sich sicher: Die Vermieterin will sie rausekeln.

„Mit dem Loch hat die Mieterin ein architektonisches Kleinod zerstört“ - sagt angeblich die neue Vermieterin. 

Müssen Mieter den Vermieter in die Wohnung lassen?

Diese will zudem Zutritt zur Wohnung: Unter anderem zum Besichtigen des Lochs im Fensterrahmen. Monika B.: „Ich habe richtig Angst vor der Frau und will sie eigentlich nicht schon wieder reinlassen.“ Mieterschützerin Anja Franz vom Mieterverein München stellt klar, dass ein Vermieter dann, wenn er einen Grund dafür hat, auch das Recht hat, nach Ankündigung die Räume eines Mieters zu besichtigen. „Aber das geht natürlich nicht so weit, dass er ständig neue Gründe finden darf, warum er wieder rein muss“, sagt Franz. 

Was Vermieter leisten müssen

Generell gilt: Mieter können nicht verlangen, dass der Vermieter ihre Wohnung mit Rollläden, Fensterläden oder einer Klimaanlage ausstattet, damit sie auch an heißen Tagen kühl bleibt, sagt Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München. Doch müssen sie es sich nicht gefallen lassen, dass es in einer Wohnung im Sommer unerträglich heiß wird. Steigen die Raumtemperaturen auf über 26 Grad, dann haben Mieter das Recht, die Miete zu mindern. Allerdings gilt das nur für die heißen Tage – nicht für den gesamten Monat. Insofern ist es wichtig, die Temperaturen beweissicher zu dokumentieren. Dazu kann man Zeugen benennen oder ein Thermometer anschaffen, dass die Temperaturkurve aufzeichnet.

Auch andere Mieter leben in der Millionenstadt mit Mängeln, die das Leben schwer machen. So darf zum Beispiel eine Frau aus München nicht duschen - und das mitten in der Hitze des Hochsommers.

Traurig: Münchner suchen Wohnung - und haben keine Chance bei Vermietern 

Die Wohnungsnot in München ist enorm. Besonders schwer haben es Menschen, die nicht der Norm entsprechen. Drei Schicksale

Ein weiteres schlimmes Beispiel für die Wohnungsnot in München ist das Schicksal der jungen Mutter Monika M., die mit ihren zwei kleinen Kindern auf die Straße gesetzt wurde und jetzt keine neue Wohnung findet.

Weil der Wohnraum knapp, teuer und begehrt ist, bleiben Wohnungen in München nur selten ungenutzt. Und doch gibt es Leerstand – etwa in der Amisiedlung am Perlacher Forst, die sich im Besitz des Bundes befindet.

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S. Sasse

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