Mordprozess

Brutale Tat nach Streit: Opfer erschossen und verbrannt

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Mit Aktenordnern und Papieren verbargen die Angeklagten Hikmat A., Askar H. und Jerjis S. vor Gericht ihr Gesicht.

Der wohl mysteriöseste und brutalste Mord im vergangenen Jahr wird seit Dienstag vor Gericht verhandelt. Drei Männer sitzen auf der Anklagebank. Sie sollen einen 35-Jährigen in Fürstenried erschossen und verbrannt haben. Am ersten Prozesstag schwiegen sie zu den Vorwürfen.

Was an jenem Sonntag im Mai 2017 in dem vierstöckigen Gebäude am Luganoweg in Fürstenried passierte, war womöglich ein Ehrenmord. Das 35-jährige spätere Opfer Salam S. soll eine Affäre mit der Ehefrau des Angeklagten Hikmat A. (49) gehabt haben. Um die Ehre und das Ansehen der Familie des Dönerbuden-Besitzers wiederherzustellen, soll der perfide Plan entstanden sein, S. umzubringen.

Salam S. stammt aus dem gleichen Ort im Irak wie die Tatverdächtigen. Die beiden Familien sind verwandt und kennen sich gut, alle waren befreundet. Das spätere Opfer und Tschiman Y., die Ehefrau des Angeklagten, waren Cousin und Cousine. Vor fünf bis sechs Jahren hatten die beiden ein Verhältnis, von dem die drei Angeklagten sowie die ganze Familie wussten. In den vergangenen Jahren schien die Affäre beendet. Doch als sich Salam S. ein Bein brach, soll sich Tschiman Y. wieder um den 35-Jährigen gekümmert haben, das Liebesverhältnis flammte offenbar wieder auf. Daraufhin sollen Hikmat A., sein Bruder Askar H. (47) sowie der Neffe Jerjis S. (44) am 14. Mai gegen 22.30 Uhr an der Wohnungstür ihres späteren Opfers im zweiten Stock geklingelt haben. Sie sollen gewusst haben, dass Salam S. zu diesem Zeitpunkt alleine in der Wohnung war. Der 35-jährige Firmenchef lebte seit mehr als 15 Jahren in München, zuletzt mit seiner Freundin und dem gemeinsamen sechsjährigen Sohn am Luganoweg. Die Lebensgefährtin war mit dem Kind zu diesem Zeitpunkt in St. Petersburg.

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Salam S. ließ die drei Männer, die er ja gut kannte, in seine Wohnung. Mit Gewalt sollen die Angeklagten ihr völlig überraschtes Opfer ins Wohnzimmer gedrängt haben. Als S. auf der Couch saß, soll Hikmat A. seinem Nebenbuhler mit einer kleinkalibrigen Tokarev gezielt in den Kopf geschossen haben. Als er am Boden lag, soll der Dönerbuden-Besitzer noch zwei Mal abgedrückt haben. Die Schüsse trafen den Firmenchef am Hinterkopf. Die Angeklagten sollen mit dem Wohnungsschlüssel geflohen sein. Nachbarn hörten damals Schüsse und riefen die Polizei. Da die Geräusche jedoch nicht zugeordnet werden konnten, rückten die Beamten wieder ab.

Das Opfer: Salam S. lebte seit 15 Jahren in München.

Die Anklage geht davon aus, dass die Männer am nächsten Tag an den Tatort zurückkehrten und mit flüssigem Grillanzünder und Einwegfeuerzeugen die Wohnung in Brand setzten, um ihre Spuren zu verwischen. Zu diesem Zeitpunkt waren laut Anklage mindestens 24 weitere Bewohner zu Hause. Nachbarn bemerkten den dichten Qualm und alarmierten die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte fanden am 15. Mai die teilweise verbrannte Leiche. Trotz des Brandes fanden sich am Tatort DNA-Spuren, die zu den mutmaßlichen Tätern führten. Die Männer wurden etwa drei Wochen später gefasst.

Der Tatort: Am Luganoweg sollen die Angeklagten ihr Opfer erschossen und den Leichnam verbrannt haben.

Die Staatsanwaltschaft legt den beiden Brüdern und dem Neffen gemeinschaftlichen Mord und gemeinschaftliche besonders schwere Brandstiftung zur Last. Die Verteidiger ließen den Vorsitzenden Richter wissen, dass ihre Mandanten weder zur Sache noch zur Person Angaben machen werden. Die Gesichter der Angeklagten waren völlig ausdruckslos, während die Anklage verlesen wurde. Der Prozess wird fortgesetzt.

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