Trauermarsch vor der McDonald’s-Zentrale

München geht für Tugce auf die Straße

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Hunderte Münchner trauerten Sonntag Mittag um die getötete Tugce . Vor der Mc Donald’s-Zentrale in der Stäblistraße hielten sie Bilder der Studentin hoch.

München - Es ist ein unfassbares Schicksal: Studentin Tugce A. (22) aus Offenbach wurde totgeprügelt, weil sie zwei Mädchen zuhilfe kam, die bedroht wurden. Jetzt trauert auch München um die Türkin.

Ein Bild von Tugce.

Sonntag, 13 Uhr: Ein Trauerzug marschiert vom U-Bahnhof Forstenrieder Allee zur McDonald’s-Zentrale in der Stäblistraße. Hunderte Bürger nehmen teil. Sie haben Rosen und Bilder des toten Mädchens dabei, halten sich an den Händen. Einige weinen leise. „Tugce schritt ein, wo andere wegschauten“, sagt Organisator Levant Ekiz. Er erzählt die Geschichte, die niemand je vergessen soll: Wie sich die Studentin in der Toilette den vier Männern entgegenstellte, um zu schlichten – und ein 18-Jähriger sie später am Parkplatz abpasste. „Der feige Täter schlug ihr mit voller Wucht gegen die Schläfe“, verurteilt Ekiz die brutale Tat, bei der Tugce mit dem Kopf auf den Betonboden knallte! Ihr Hirn wurde verletzt, sie fiel ins Koma. Am Freitag mussten die Ärzte die lebenserhaltenden Maschinen abstellen. Denn Tugce war hirntot!

„Sie war eine schöne und kluge junge Frau, die ihr ganzes Leben noch vor sich hatte“, sagt Ekiz. Auch Alois Meier, Vorsitzender der Dominik-Brunner-Stiftung, bekundet sein Beileid: „Dieser Vorfall hat uns alle zutiefst schockiert“, sagt er – und lobt Tugce als Vorbild für Zivilcourage. Zum Schluss spielt Pianistin Bahar Eroglu River flows in you. „Dieses Lied hat Tugce auch an ihrem Abschlussball gespielt – ich widme es ihr von Herzen.“

Trauer um Tugce! Aber es herrscht auch Wut: „McDonald’s muss seiner Verantwortung gerecht werden und ein Sicherheitskonzept vorlegen. Denn hätten die Mitarbeiter sofort die Polizei gerufen, wäre Tugce nicht angegriffen worden. Aber sie wussten nicht, was zu tun ist“, sagt Ekiz. Das Unternehmen weist diese Vorwürfe zurück: „Wir verurteilen Gewalt und fühlen mit den Angehörigen. Unsere internen Prüfungen und die Ermittlungen der Polizei haben ergeben, dass keinerlei Fehlverhalten unserer Mitarbeiter vorlag“, sagt Sprecher Philipp Wachholz. Den Trauernden wird das nur ein kleiner Trost sein...

Andreas Thieme

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