Fast 10 Jahre nach der Tat

Mörder von Dominik Brunner aus Haft entlassen - er bekommt strenge Auflagen

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Markus S. (27,l.) wurde wegen Mordes an Dominik Brunner (50 †) verurteilt. Jetzt ist er wohl wieder auf freiem Fuß.

2009 starb Dominik Brunner: Er wollte Jugendliche vor zwei jungen Männern beschützen - der Streit eskalierte. Jetzt ist der Haupttäter wieder auf freiem Fuß.

Update vom 20. Juli 2019: Der Mörder von Dominik Brunner ist wieder auf freiem Fuß. Markus S. (28) wurde nach Informationen der Bild vor einigen Wochen aus der Haft entlassen. Brunner schritt im September 2009 ein, als zwei junge Männer eine Gruppe von Jugendlichen überfallen wollten - der Streit eskalierte. Haupttäter Markus S. wurde damals zu neun Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Die Jugendstrafe sei jetzt verbüßt, wie das Oberlandesgericht und auch der Sprecher des Landgerichts Augsburg, Dr. Claus Pätzel, dem Blatt bestätigten.

Aus Ermittlerkreisen will die Bild (Bezahlschranke) erfahren haben, dass Markus S. unter strengen Auflagen entlassen wurde. Der 28-Jährige müssen demnach jeden Wohnsitzwechsel melden, dürfe keinen Kontakt zu Zeugen der Tat haben und dürfe keine Waffen mit sich führen. Außerdem seien Drogen- und Alkoholkonsum verboten. Deshalb müsse S. sich regelmäßig Haar-, Blut- und Urinproben unterziehen. 

Außerdem müsse er einmal im Monat zur Psychotherapie in die Fachambulanz für Gewalttäter. Zusätzlich würde sein Standort überwacht, er müsse jederzeit ein Handy bei sich tragen. 

Die Auflagen gelten für die nächsten fünf Jahre. „Sollte der Ex-Häftling gegen eine der Weisungen verstoßen, gilt das wie eine Straftat – die unter Umständen auch zu Haft führen kann", erklärt OLG-Sprecher Florian Gliwitzky auf Anfrage der Zeitung.

Erstmeldung vom 23. Juli 2018: Mörder von Dominik Brunner kommt nicht vorzeitig aus der Haft

München - Er bleibt im Knast – bis zum allerletzten Tag! Markus S. (27) hat bei der Münchner Justiz einen schweren Stand: Nach tz-Informationen wurden dem Brunner-Mörder keine vollzugslockernden Maßnahmen gewährt. Oberstaatsanwältin Anne Leiding: „Eine Strafrestaussetzung zur Bewährung wurde geprüft, erfolgte jedoch nicht.“ Das bedeutet: Erst nächstes Jahr im Sommer wird Markus S. das Gefängnis verlassen dürfen.

Zu neun Jahren und zehn Monaten Knast hatte ihn die Jugendkammer des Landgerichts im Herbst 2010 verurteilt – wegen Mordes an Geschäftsmann Dominik Brunner (unten). Ein Fall, der deutschlandweit für Schlagzeilen sorgte. Und der noch immer brisant ist. Denn üblicherweise haben Gefangene in Bayern nach zwei Dritteln ihrer verbüßten Haft die Chance, dass ihre Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt wird. Doch im Fall von Markus S. ist das nicht geschehen.

Im Gegenteil: Die Staatsanwaltschaft München I hat sogar eine nachträgliche Sicherungsverwahrung geprüft. Offenbar gilt der verurteilte Mörder nach Ansicht der Behörden nach wie vor als Gefahr für die Allgemeinheit. „Letztlich wurde kein entsprechender Antrag gestellt, da es hierfür an den rechtlichen Voraussetzungen fehlt“, erklärt Oberstaatsanwältin Anne Leiding.

Entlassungstermin im Juli 2019

Während Mittäter Sebastian L. (sieben Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge) wegen guter Führung bereits im September 2014 aus dem Knast entlassen wurde, muss Markus S. noch ein ganzes Jahr hinter Gittern verbringen. Im Urteil ist auch seine U-Haft (765 Tage, bis es rechtskräftig war) angerechnet – daraus ergibt sich der Entlassungstermin im Juli 2019.

Zuletzt saß S. in der JVA Ebrach (Landkreis Bamberg, 337 Haftplätze). Im Gefängnis hatte er mögliche Therapien zunächst abgelehnt, später aber doch an sich gearbeitet, um Vollzugslockerungen erhalten zu können. Etliche Einzelgespräche führte S. dafür im Jugendknast mit Psychologen und nahm an Anti-Aggressions-Trainings teil.

Doch in Bezug auf seine Haftdauer half das nichts: Die Bewährung wurde abgelehnt. „Das negative Ergebnis des vom Vollstreckungsgericht eingeholten Entlassungsgutachtens ist nicht nachvollziehbar – insbesondere vor dem Hintergrund der vielfachen therapeutischen Bemühungen“, sagt Markus S.’ Anwalt Maximilian Pauls. „Damit setzt sich fort, dass mein Mandant in diesem Verfahren seitens der Justiz zu keinem Zeitpunkt eine echte Chance erhalten hat.“ Dies zeige sich auch daran, dass die Staatsanwaltschaft die Beantragung der nachträglichen Sicherungsverwahrung in Erwägung gezogen hat, „obwohl Voraussetzungen dafür klar erkennbar zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise vorlagen.“

Markus S. bereitet sich nun auf die Verbüßung seiner Endstrafe vor. Weitere Anträge auf Entlassung haben kaum Chancen.

Die Tat am Bahnsteig

Den 12. September 2009 wird München nie vergessen – noch heute erinnert eine Gedenktafel am Sollner S-Bahnhof an den traurigen Tag, als Dominik Brunner (50) starb.

Am S-Bahnhof in Solln wurde Dominik Brunner ermordet.

Am Bahngleis hatte er sich schützend vor vier Schüler gestellt, die von Markus S. (27) und dessen Spezl Sebastian L. (26) bedroht wurden. Den mutigen Einsatz bezahlte der Geschäftsmann mit seinem Leben: Nach Auffassung des Landgerichts wollten sich Markus S. und Sebastian L. an Brunner rächen und prügelten ihn so brutal nieder, dass er an Herzversagen im Krankenhaus verstarb.

In einer 90-seitigen Anklageschrift rekonstruierte die Staatsanwaltschaft die Tat, die das Gericht am 6. September 2010 als Mord wertete: Markus S. erhielt neun Jahre und zehn Monate Jugendhaft. Am 06.10. 2011 bestätigte der Bundesgerichtshof das Urteil und verwarf die Revision.

Video: Auch diesem jungen Doppelmörder droht möglicherweise eine Sicherheitsverwahrung

Lesen Sie auch: Hoeneß: Darum ist mir die " Dominik Brunner Stiftung " wichtig

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