Heftige Kritik an Vorhaben von Investor

Hochhaus-Plan schockt Obersendling: Anwohner fürchten riesige Betonburgen

Gelb umrandet das Entwicklungsareal an der Boschetsrieder Straße. Die rot eingezeichneten Bauten sollen lediglich die Höhe von 100-Meter-Bauwerken veranschaulichen.

Das Areal rund um das alte Betonwerk in Obersendling soll komplett neu entwickelt werden – es soll mindestens ein sehr hohes Gebäude entstehen. Dies stößt auf heftige Kritik.

München - Im alten Siemens- und Betonwerkareal zwischen Boschetsrieder-, Machtlfinger- Geisenhausener- und Helfenriederstraße soll in den nächsten Jahren viel passieren: Die Brachfläche soll komplett neu entwickelt werden. Geplant sind derzeit Wohnungen und Gewerbe – unter anderem in mindestens einem Hopchhaus.

Der Haupteigentümer des fünf Hektar großen Areals, die Horus Sentilo Projektentwicklungs GmbH, spricht von einer „städtebaulichen Aufwertung“. Doch schon jetzt wird vor Ort Kritik laut. Mehrere Mitglieder des Bezirksausschusses 19 haben bereits die Sorge geäußert, die hohen Gebäude könnten alle bisherigen Dimensionen im Viertel sprengen. Auch der BA-Vorsitzende des BA 19 (Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln), Ludwig Weidinger, ist gegen die Wolkenkratzer.

Der Eigentümer hat bereits sieben Planungsbüros erste Entwürfe vorlegen lassen. Zwei kamen nun in die engere Auswahl: Ein Entwurf sieht vier Gebäude zwischen 53 und 101 Metern vor, der andere zwei Gebäuden mit 80 und 100 Metern Höhe. „Wenn das Vorhaben so verwirklicht werden würde, wären dies die mit Abstand höchsten Gebäude in unserem Stadtviertel“, erklärt Weidinger.

Bürger können zu Projekt Anregungen einbringen

Die Horus Sentilo Projektentwicklungs GmbH lädt nun am 10. Juli ab 19 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in den Bürgersaal Fürstenried (Züricher Straße 35) ein. Die Bürger sollen dort informiert werden, wie das Areal in Zukunft aussehen soll. Außerdem können sie Anregungen für die weitere Planung einbringen. Da extrem hohe Gebäude wie diese immer auf Kritik stießen, hoffe er auf eine hohe Bürgerbeteiligung von Anfang an, so Weidinger.

Skeptisch: BA-Chef Ludwig Weidinger

Die Einladung des Investors erwähnt die Höhenentwicklung mit keinem Wort. Hier wird vor allem die „Schaffung qualitätsvoller öffentlicher Räume“ betont und erklärt, dass das neue Areal „für ganz Obersendling mit dem begrünten, alten Gleisband zum höchst attraktiven Bezugspunkt werden“ soll. Außerdem verspricht das Unternehmen, dass die weiteren Planungen „durch einen umfassenden Bürgerbeteiligungsprozess begleitet werden“ sollen. Ein erster Schritt sei die Veranstaltung am Mittwoch, darüber hinaus werde es „für die Bürger Obersendlings weitere Möglichkeiten geben, sich intensiv in die Planungen einzubringen.“

Verliert München seine Einzigartigkeit? Das fordert der Verband der Wohnungswirtschaft

Der Stadtrat hat im Mai 2019 das Bebauungsplanverfahren für die Neuentwicklung dieses Gebiets beschlossen. Planungsziel ist unter anderem eine Höhenentwicklung von bis zu acht Geschossen, wobei zusätzlich auch profilüberragende Gebäude vorstellbar seien. Nach den ersten Planungen durch die Investoren könnten circa 200 Wohnungen entstehen, wobei es den Eigentümern wohl vor allem um neue Büroflächen geht. Ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt – neben den Hochhäusern wird vermutlich auch die Zukunft des alten Betonwerks. In der Stadtratsvorlage heißt es dazu: „Das ehemalige Beton- und Zementwerk an der Helfenrieder-/Geisenhausenerstraße gilt mit seinem Turm als identitätsstiftend für das Gebiet.“ BA-Vorsitzender Weidinger fragt sich hier, „ob der alte Turm neben dreimal so hohen Gebäuden überhaupt noch irgendeine Wirkung entfalten kann.“

Nach der Informationsveranstaltung für die Bürger ist ein Workshop geplant, bei dem die Planungsbüros gemeinsam mit dem Planungsreferat, dem Bezirksausschuss 19 und dem Investor ein Konzept entwickeln. Im Verlauf der Planungen sollen die Bürger weiterhin beteiligt werden.

Sorgen wegen einer Bebauung, die in die Höhe schießt, machen sich auch Anwohner in einem anderen Münchner Stadtteil: Fürstenried West schießt in die Höhe

Pasing-Obermenzing: Ein neuer Wohnturm mit Studentenbuden soll entstehen. Die Pläne wecken Kritik. Gut kommt an, dass eine Lösung für das Radlchaos winkt.

Am Hirschgarten: Weil zwei geplante Hochhäuser die in München geltende 155-Meter-Marke zu sprengen drohen, regt sich Widerstand gegen die Entwürfe des weltberühmten Architekturbüros.

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Kommentare

Nozomi07Antwort
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Erstaunlich, für was man alles die Migranten verantwortlich machen kann. Als wären die Immobilienpreise vor 2015 nicht auch schon in die Höhe geschossen.

Aber ohne Migranten dürfte kaum ein Bus und kaum ein Taxi durch München fahren.

MadridistaMUC
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Die Lösung besteht darin, dass die grossen Konzerne nach Draussen gehen.. Dann haben wir weniger Probleme mit Pendler und Mieten. Ab ins Umland.

MadridistaMUC
(1)(1)

München kommt da nicht drumrum. Natürlich geht's nur in die Höhe. Ansonsten muß man halt den Zuzug begrenzen und dann darf der Seehofer auch nicht alle Wirtschafts - Migranten aus Malta oder Lampedusa zu uns in München aufnehmen. Langsam wirds echt lustig.