Hier sollen Wohnungen entstehen

Kino-Kleinod Solln vor dem Aus: Stirbt auch das letzte Kino im Münchner Süden?

Der Sollner Jürgen Jacob steht vor dem Kino
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Jürgen Jacob (59) sagt: „Das Kino bereichert die ganze Gegend.“

Die Streamingdienste waren nur der Anfang. Das Kinosterben ist kein neues Phänomen. Corona könnte es aber beschleunigen. Jetzt ist auch ein Kino-Kleinod im Münchner Süden in Gefahr.

München - Hier wurde gelacht, geweint und geknutscht. Zigtausende Filme liefen seit 1995 über die beiden Leinwände. Nun droht dem Kino Solln* das Aus. „Mit Überraschung haben wir zur Kenntnis genommen, dass unser Vermieter bei der Lokalbaukommission einen Antrag zur Nutzungsänderung gestellt hat“, sagt Cornelia Green von der Betreibergesellschaft Omaha Film GmbH, „nämlich den Umbau des Kinos zu mehreren Wohnungen und einem Ladengeschäft.“

Laut zuständigem Bezirksausschuss sei der Bauantrag für die Sollner Str. 43a wohl Ende August bei der Lokalbaukommission eingegangen. Der BA bedauere die beantragte Nutzungsänderung, sieht jedoch „baurechtlich leider keine Möglichkeiten den Antrag abzulehnen“. Ist damit das Ende des Lichtspielhauses, das 2010 den Kinoprogrammpreis der Stadt für „die inspirierte Programmarbeit mit ihrem sorgfältig überlegten Stadtteilbezug“ erhielt, besiegelt?

Ein Kinosaal des Filmhauses. Hier könnte bald Schluss sein mit Vorführungen.

Kino Solln vor dem Aus: Türkendolch, Tivoli und Gabriel mussten bereits schließen

Der Türkendolch, das Tivoli Theater und das Gabriel mussten bereits schließen, ebenso die Kinos Münchner Freiheit. Die Kinofreunde im Münchner* Süden wollen nicht glauben, dass sich auch ihr Haus in die Liste der sterbenden Filmhäuser einreihen soll. „Ich habe am Sonntag hier noch den James Bond geschaut“, sagt Jürgen Jacob (59), der nur 200 Meter entfernt wohnt. „Das Kino ist doch eigentlich immer gut besucht. Es bereichert die ganze Gegend. Das wäre sehr schade.“ Tatsächlich hat die Pandemie aber auch dieses Kino hart getroffen. „Corona hat natürlich auch bei uns ein Loch in die Kasse gerissen“, sagt Green. Deshalb versuche der Betreiber, mit dem Vermieter eine Einigung „zur Anpassung der Miete“ zu erzielen, sagt Cornelia Green unserer Zeitung. Keine einfache Ausgangsposition. Aber: „Wir sind nach wie vor hoffnungsvoll, dass uns das gelingen wird. Dieses Kino ist das letzte im Münchner Süden und unser Herz hängt daran. Ein Ende wäre für uns und das ganze Einzugsgebiet schon sehr traurig.“

Das Kino-Foyer in Solln.

Der Bezirksausschuss fordert den Antragsteller in seinem Beschluss auf, „sich mit den Kinobetreibern zusammenzusetzen und zu beratschlagen, ob es nicht doch noch eine für beide Seiten wirtschaftlich rentable Fortführung des angestammten Kinobetriebs geben kann“. Ein Realisierungszeitraum sei in dem Bauantrag nicht angegeben, sagt Alexander Aichwalder, Vorsitzender des Bau-Unterausschausses. „Im besten Fall könnte man also darauf hoffen, dass der Eigentümer das Baurecht „auf Vorrat“ sichern will. Auf Nachfrage beim Eigentümer des Gebäudes, der Sedlmayr Immobilien-Gruppe, gab es bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme. - *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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