„Wir lieben sie“

Kastanien-Kampf in München: Anwohner wollen Bäume erhalten - und richten Appell an die Stadt

Anwohner in München
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Obersendlinger Anwohner kämpfen um bedrohten Kastanien in der Johann-Clanze-Straße

Obersendlinger kämpfen für ihre Kastanien: Ein Gutachten soll klären, ob die bei den Anwohnern beliebten Bäume erhalten werden können.

München - Sie stehen für München und die Biergarten-Kultur: Kastanien sind in der ganzen Stadt beliebt, weil sie neben Schatten auch viel Gemütlichkeit spenden. Doch die Bäume können auch krank werden – so zum Beispiel in Obersendling. Dort kämpfen die Anwohner jetzt für den Erhalt ihrer Kastanien, denen teilweise die Fällung droht.

Pseudomonas heißt das Bakterium, das sich in der Johann-Clanze-Straße mittlerweile in sechs Kastanien gefressen hat. Teilweise fällt schon die Rinde ab. Auch Pilzbefall ist ein Problem. Die Stadt beobachtet die Erkrankung der Bäume schon länger und hat blaue Punkte auf die betroffenen Kastanien geklebt, um sie zu kennzeichnen.

München: Pseudomonas-Befall bei Kastanien? Gutachten soll Antworten liefern

„Von den über 80 Kastanien in der Johann-Clanze-Straße zeigen sechs Bäume Schäden wie abgestorbene Kronenteile, großflächige Rindenabplatzungen und Stammrisse“, sagt Dagmar Rümenapf vom Baureferat. „Derzeit wird durch ein externes Sachgutachten geklärt, ob ein Pseudomonas-Befall gegeben ist. Ein weiteres Gutachten wurde beauftragt, um zu klären, ob die sechs geschädigten Bäume erhalten werden können oder schlimmstenfalls gefällt werden müssen.“

Das wollen die Anwohner unbedingt verhindern. „Die Kastanien sind schon 80 Jahre alt. Wir lieben sie und wollen nicht, dass sie gefällt werden“, sagt Anwohner Uli Schaarschmidt (70). Gemeinsam mit etlichen Nachbarn tritt er für den Erhalt der Bäume ein– sie alle wollen mithelfen, dass die Kastanien bleiben. Ihr Appell an die Stadt: Die Bäume sollen gepflegt werden – und nicht gefällt.

Anwohner wollen nicht, dass Bäume gefällt werden - Experten prüfen Kastanien-Fall

„Diese Kastanien haben ein eigenes Immunsystem und können noch viele Jahre mit so einer Krankheit leben“, sagt Schaarschmidt. „Im Mai wollen wir sehen, wie die Kastanien blühen – und wie sich die Pflege bis dahin auswirkt.“ Bis dahin soll die Fällung auf jeden Fall vermieden werden.

Schon jetzt helfen Lehmverbände, die die abgefallene Rinde ersetzen sollen. Experten und Wissenschaftler, die den Kastanien-Fall geprüft haben, kommen zu dem Schluss: Die Bäume können gerettet werden. Das Bakterium führe nicht zum Tod einer Kastanie. Demnach würde es auch eine Verbesserung darstellen, parkende Autos auf dem Grünstreifen zu unterbinden, da sie den Boden verdichten. Auch Streusalz ist schädlich – ebenso wie Hunde-Urin.

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