Münchner Bank verkauft Wohnungen

Nach dem Beben: Jetzt wehren sich die Mieter

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Um dieses Gebäude hier geht es: Das Wohnhaus in Sendling umfasst 74 Apartments – sie sollen verkauft werden.

München - Erst waren sie schockiert, jetzt wollen sie sich zur Wehr setzen! Beim Mieterverein München gab’s jetzt vor wenigen Tagen eine Informationsveranstaltung.

Erst waren sie schockiert, jetzt wollen sie sich zur Wehr setzen! Viele der 74 Mietparteien im Isar-Tower Nord, dessen Verkauf die Münchner Bank überraschend angekündigt hat, fürchten nun Eigenbedarfskündigungen. Manche haben erst vor ein paar Wochen ihren Mietvertrag unterzeichnet – ohne von der Münchner Bank (einer Genossenschaftsbank) darüber informiert worden zu sein, dass ihre Wohnung schon bald verkauft werden soll (tz berichtete).

Beim Mieterverein München gab’s jetzt vor wenigen Tagen eine Informationsveranstaltung. Die tz sprach dort mit Betroffenen. Etwa mit Katharina A., deren Mietvertrag erst am 1. November zu laufen begann. Sie ist entsetzt! „Bei uns stehen noch Umzugskisten herum. Dass man uns nicht vor unserem Mietvertragsabschluss, sondern kurz danach über die Verkaufsabsicht informierte, empfinden wir als unfair“, sagt sie. Sie habe vorgehabt, die Einbauküche ihrer Vormieterin gegen eine Ablöse zu übernehmen, jetzt aber möchte sie lieber nichts mehr in die Wohnung investieren.

Stefan Immerfall, Leiter der Rechtsabteilung des Mietervereins, ermutigte die Mieter dazu, sich zusammenzuschließen: „Dann sind Sie alle viel stärker als alleine.“ Da die Mietverträge teils erst Wochen vor der Information über den geplanten Verkauf geschlossen wurden, sehe er „gewichtige Indizien für einen Rechtsmissbrauch der Münchner Bank“. Deshalb solle niemand „voreilig einen Aufhebungsvertrag unterschreiben“.

Sein Kollege, der Rechtsanwalt Alexander Erb, der für den Verein „Mieter helfen Mietern“ ebenfalls Betroffene vertritt, glaubt, dass die Bank den Verkauf schon länger geplant habe.

Die tz fragte bei der Münchner Bank nach, wieso die Information über den geplanten Verkauf der Wohnungen so überraschend kam und ob der Verkauf schon länger geplant war. Die Bank antwortete, sie habe sich erst im zweiten Halbjahr 2015 für den Verkauf entschieden.

Und, so heißt es weiter: „In einem einzigen Fall ist es zur Neuvermietung einer Wohnung zum 01.10.2015 gekommen. Die Freigabe an den Makler zur Vermietung erfolgte seitens der Bank bereits Mitte August. Zu diesem Zeitpunkt waren die zeitlichen Planungen bezüglich des Verkaufs noch nicht abgeschlossen. Daher konnte keine Vorab-Information erfolgen.“

Es geht um den Profit

Roland H. (53), Manager: "Die Manager der Münchner Bank verfolgen anscheinend das Ziel maximalen Profits auf Kosten der Mieter. Ich bin im August 2014 als einer der Ersten eingezogen. Ich finde, dass die Bank mich hätte informieren müssen, dass sie einen Verkauf plant – erst recht gilt das für Verträge, die erst im Herbst unterzeichnet wurden."

Leider kein Scherz

Elaine Cole (43), Controllerin: "Wir ärgern uns sehr. Bei dem ersten Schreiben vom 6. Oktober dachten wir, es handle sich um einen schlechten Scherz. Es war ein Schreiben ohne Briefkopf und Stempel und sah unprofessionell aus. Die Stimmung unter den Mietern ist jetzt schlecht. Ein wenig mulmig ist mir schon."

Ich will nicht kaufen

Moritz Enderle (31), Berater, mit tz-Plakat von letzter Woche: Ich bin am 1. Juli 2014 mit meiner Verlobten in eine 80-Quadratmeter-Wohnung gezogen. Wir heiraten in wenigen Tagen und haben uns die Wohnung unter dem Gesichtspunkt ausgesucht, dass wir bald eine Familie gründen wollen. Spielplätze und Kindergarten liegen ums Ecke, die S-Bahn fährt mich direkt vors Büro. Ich hatte kurz den Kauf der Wohnung erwogen, aber es gibt vieles, das dagegen spricht."

Susanne Sasse

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