Überblick über Grünfraß-Projekte

Sollner Villa von Abriss bedroht: So kämpfen die Bürger um die Gartenstädte

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Scharfer Protest: Sollner Bürger demonstrieren für den Erhalt der alten Villa an der Linastraße.

Der Bauboom bedroht Münchens Gartenstädte. Aktuell kämpfen die Sollner um den Erhalt einer alten Villa. Kritiker werfen der Stadt vor, nicht alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente zum Schutz gewachsener Strukturen zu nutzen. Die städtebauliche Erhaltungssatzung ist so ein Instrument.

München - Nach dem Kampf um den Erhalt des ehemaligen „Café Kustermann“, das zur Erleichterung vieler Sollner vergangenes Jahr unter Denkmalschutz gestellt wurde, treibt das nächste Bauvorhaben die Bürger um: Die Villa an der Linastraße 3a ist vom Abriss bedroht. Die evangelische Kirche will auf dem Grundstück Wohnungen bauen. Die Sollner kämpfen für den Erhalt der Villa - mit Protestaktionen und Unterschriftenliste. „Das Gebäude ist Teil des prägenden Gartenstadt-Charakters in Solln“, betont Andreas Dorsch vom Bündnis Gartenstadt.

In der Sollner Villa lebte und wirkte 50 Jahre lang der Sozial-Theologe Trutz Rendtorff (1931-2016). Die Villa wurde 1923 erbaut. „Sie ist ein Schmuckstück mit viel Grün, das zum Teil auch unter Naturschutz steht“, sagt Dorsch. In Zeiten der Verdichtung seien „solche Baumbestände für die Kühlung der Stadt“ umso wichtiger.

Wird bebaut: die Traminer Straße 6.

Bauanträge müssen unter bestimmten Voraussetzungen genehmigt werden

Das sieht Clemens Baumgärtner (CSU), Chef des BA Untergiesing-Harlaching, genauso. „Als die Gartenstadt-Satzung gefallen ist, hätte man Bebauungspläne machen müssen, die die Bebauung festzurren.“ Jetzt gilt, vereinfacht gesagt, für jeden Bauantrag: Solange die Architektur nicht verunstaltend ist und sich Größe und Lage des Neubaus in die Umgebung einfügen, muss er genehmigt werden. Wie das dann aussehen kann, zeigt sich aktuell an der Traminer Straße in Harlaching.

Auf dem Sollner Grundstück soll Wohnraum für mindestens 20 Mitarbeiter entstehen. „Der Bauantrag wird im Herbst eingereicht“, sagt Johannes Minkus, Pressesprecher der Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern. Die Fällung einer Rotbuche unter Auflage einer Ersatzpflanzung wurde bereits genehmigt. Baumgärtner kritisiert, dass dieser Auflage oft nicht nachgekommen werde - Kontrollen fehlten. Laut Planungsreferat wurden zwischen 2010 und 2015 insgesamt 47.000 Bäume in München gefällt, aber nur 25.000 seien nachweislich neu gepflanzt worden. Die Behörde bestätigt, dass durch das Anwachsen der Stadt der Pro-Kopf-Anteil an Grün- und Freiflächen sinke.

Idyll in der Lerchenau: der Eggarten.

Hier verschwindet das alte München

Hier wird eine Wiese zugebaut, dort sind alte Gebäude in Gefahr: Welche Schandtaten aus Sicht von Kritikern in der Stadt schon verübt worden sind, und welche Grünfraß-Projekte noch verwirklicht werden könnten - wir zeigen eine Auswahl.

  • In der Lerchenau steht eine altgewachsene Siedlung vor dem Aus: Der Eggarten soll umgepflügt werden, einige Bewohner sind schon ausgezogen. Bürgerinitiativen versuchen sich zur Wehr zu setzen.
  • In Bogenhausen ist der Kampf bereits verloren: Die Walmdachvilla an der Kolbergerstraße 5 wurde abgerissen. Sie muss einer schicken Wohnanlage weichen.
  • Bürger wehren sich gegen ein „Wohnen-für-Alle“-Projekt an der Franz-Albert-Straße in Allach-Untermenzing. Gefordert wird eine der „Umgebung angepasste Bebauung“.
  • Alle Bemühungen waren auch in Harlaching erfolglos: Die Traminer Straße 6 wird bebaut - mit knapp 90 Wohnungen in sieben Häusern. Früher standen hier viele Bäume und dazwischen eine große freie Wiesenfläche. In der Mitte war ein großes Haus.
  • Eine Bürgerinitiative kämpft gegen eine dritte Kindertagesstätte auf der Grünfläche an der Münsinger Straße in Obersendling.
  • Rund 750 Wohnungen sollen auf dem Acker an der Truderinger Straße entstehen - Gegner aus Berg am Laim protestieren gegen die geplanten „Wohnsilos“.


Daniela Schmitt


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