Ungerechtigkeit im Kita-Finder?

Mutter beklagt Betrug bei Kitaplatz-Vergabe - so reagiert die Stadt München

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Stefanie Thiemann sucht für Sohn Theo einen Kita-Platz - bislang noch ohne Erfolg.

Erschleichen sich manche Eltern mit falschen Angaben einen Kita-Platz? Diesen Verdacht hat eine Mutter aus Solln - und nennt ein Beispiel. Jetzt äußert sich die Stadt dazu.

Update vom 14. Mai, 12.59 Uhr: Die Stadt München hat sich jetzt zur Vergabe von Kitaplätzen geäußert und stellt klar, dass sich die Platzvergabe in städtischen Kindertageseinrichtungen an mehreren Kriterien orientiert. 

Zuerst würden die eingegangenen Anmeldungen nach Rangstufen sortiert. Diese berücksichtigen beispielsweise die Sprengelzugehörigkeit bei Schulkindern oder den Wechsel von der Krippe in den Kindergarten im Haus für Kinder. Erst wenn an einer Einrichtung nicht genügend Plätze zur Verfügung stehen würden, um alle Kinder, die innerhalb einer Rangstufe gleichberechtigt nebeneinander stehen, versorgen zu können, komme eine zusätzliche Reihung der Anmeldungen nach Dringlichkeitsstufen ins Spiel. 

Nachweis über Berufstätigkeit Pflicht - jedoch keine externe Kontrollinstanz

Hier sei laut der Stadt München vorrangig die Berufstätigkeit der Eltern relevant. Grundsätzlich müssten alle Eltern, die eine Platzzusage erhalten, zum Aufnahmegespräch einen Nachweis mitbringen. Die Leitungen der städtischen Kindertageseinrichtungen seien verpflichtet, den Nachweis zu überprüfen. Die Stadt müsse jedoch darauf vertrauen, dass der vom Arbeitgeber ausgestellte Nachweis zur Arbeitszeit wahrheitsgemäß ist. Sollte sich herausstellen, dass Eltern falsche Angaben gemacht haben, kann die Platzzusage widerrufen werden.

Die Meldung vom 11. Mai

München - Irgendetwas geht da nicht mit rechten Dingen zu“, sagt Stefanie Thiemann (36). Die Unternehmensberaterin aus Solln ist unglücklich. Ihr Sohn Theo ist bisher bei der Vergabe der Kindergartenplätze leer ausgegangen, obwohl er im Juli drei wird – und Thiemann von September an 40 Stunden pro Woche arbeitet. Ihr Mann arbeitet ebenfalls Vollzeit.

Was die berufstätige Mutter aber richtig auf die Palme bringt, ist, dass Eltern sich offenbar noch immer mit falschen Angaben einen Kita-Platz erschleichen können. „Ich will ja niemanden anschwärzen“, sagt sie. „Aber ich verstehe nicht, warum eine andere Familie aus dem Viertel einen Platz bekommen hat, obwohl da die Mutter nur Teilzeit arbeitet.“

Thiemann kennt die andere Familie und weiß, dass deren Sohn nur wenig älter ist als Theo. Die Mutter habe im Online-Anmeldeportal, dem Kita-Finder, angegeben, dass sie 40 Stunden pro Woche arbeitet, dabei seien es nur 30. Die Arbeitszeit der Eltern ist eines der entscheidenden Kriterien bei der Platzvergabe. Arbeiten beide Elternteile Vollzeit, werden sie vorrangig behandelt, eingerechnet werden auch pauschale Wege- und Pausenzeiten.

Unfaire Platz-Vergabe? Stadt lässt Schreiben unbeantwortet

2017 hatte die Stadt angekündigt, die Angaben zur Arbeitszeit ab sofort immer zu überprüfen, nicht mehr nur stichprobenartig wie bis dahin. „Die städtischen Kita-Leitungen sind seither verpflichtet, beim Aufnahmegespräch auf die Vorlage der Nachweise zu achten“, sagt Katharina Rieger vom Referat für Bildung und Sport. Nicht städtischen Trägern habe die Stadt empfohlen, sich der Praxis anzuschließen.

Kita-Chaos am Prinz-Eugen-Park: Grünen machen Stadt Vorwürfe

Für Stefanie Thiemann sieht’s im Alltag anders aus: „Ich weiß, dass die Mutter bei zwei städtischen Einrichtungen angerufen und auf die Tränendrüse gedrückt hat.“ Wenig später sei die Platzzusage eingegangen. Sie selbst sei „nicht der Typ, der rumjammert. Ich will aber davon ausgehen können, dass die Vergabe fair erfolgt“. Die Stadt, so Thiemann, dulde Betrug bei der Platzvergabe.

Die Mutter hat sich in einem Schreiben zunächst an das Bildungsreferat, dann an OB Dieter Reiter (SPD) gewandt. Die Antwort: Stadtschulrätin Beatrix Zurek (SPD) werde sich persönlich bei ihr melden. Passiert ist bisher noch nichts. Was Thiemann aber weiß: Die meisten Plätze sind jetzt bereits vergeben. Stellt sich jedoch nach der Aufnahme heraus, dass gelogen wurde, kann Eltern ein Platz auch wieder weggenommen werden.

Ein äußerst unappetitlicher Vorfall in einer Kita im Münchner Osten hatte kürzlich Konsequenzen: Die Stadt hat reagierte, nachdem in einem Münchner Tagesheim ein Getreidekäfer im Essen aufgetaucht war.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der

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