"Über Nacht war alles rot!"

Nachbarn gehen gegen Bordell vor - Richterin auf Ortstermin

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Richterin Marion Pauli-Gerz (Mitte) schaut sich das Bordell No 24 (Meglingerstraße) an und befindet: Die Werbung ist rücksichtlos gegenüber den Nachbarn.

München - Ein neues Bordell wirbt mit zugeklebten Fenstern und mit einem XXL-Plakat für seine Dienstleistungen. Die Nachbarn in der Meglingerstraße sehen rot.

Die Nachbarn in der Meglingerstraße sehen rot: In der Nummer 24 ist seit dem 5. Juni ein Bordell – und das Haus wirbt in zugeklebten Fenstern und mit einem XXL-Plakat für seine Dienstleistungen. Weil die Nachbarn im Obersendlinger Gewerbegebiet Werteverlust ihrer Häuser und ausbleibende Kunden fürchten, musste am Montag das Verwaltungsgericht über die Zukunft des Freudenhauses entscheiden. Außerdem klagt die Lokalbaukommission, weil ein nachträglich gebautes Obergeschoss ein Schwarzbau sein soll.

„Wir hatten keine Chance, gegen das Bordell vorzugehen, denn man hat uns nicht informiert. Über Nacht war alles rot“, sagt Martin Friedrich, dem das Bürohaus gegenüber gehört. „Uns stört vor allem das extreme Äußere“, sagt Friedrich. Am Verwaltungsgericht gibt ihm Richterin Marion Pauli-Gerz Recht. Nachdem sie sich vor Ort ein Bild gemacht hat, bezeichnet sie die Werbung als rücksichtslos. Und rüffelt die Lokalbaukommsion, weil die keine Vorgaben gemacht haben. „Betriebe in diesem Bereich lassen es krachen – damit muss man rechnen“, sagt Pauli-Gerz. Sie deutet an, dass die Nutzungsgenehmigung als Bordell aufgehoben wird, die Lokalbaukommission muss sie wieder erteilen. Diesmal aber mit strengeren Auflagen. Der Bordellbetreiber kündigt an, dass das Riesen-Plakat bereits am nächsten Dienstag abgehängt wird.

Als es ums sechste Obergeschoss geht, befindet auch die Richterin, das sei ein Schwarzbau. Denn für das nachträglich gebaute Geschoss hatte Hausbesitzer Albert Fischer keine Baugenehmigung.

Dass er es abreißen muss, wie Pauli-Gerz durchblicken ließ, schmerzt ihn auch finanziell. „Das Haus stand drei Jahre leer. Ein Jahr, weil ich als Büro keine Mieter gefunden habe. Zwei weitere Jahre, weil sich die Lokalbaukommission mit der Genehmigung des Bordellbetriebs so viel Zeit gelassen hat“, sagt Fischer der tz. Er argumentiert, dass die Häuser drumherum auch so hoch seien. Die Richterin lässt‘s nicht gelten. „Wer ohne Baugenehmigung baut, der geht das Risiko ein, dass er zurückbauen muss“, sagt Marion Pauli-Gerz. Ein Urteil soll heute fallen.

Das sagt der Chef

Laut dem Bordellchef ist es das erste Mal, dass es bei einem seiner Etablissements Schwierigkeiten mit den Nachbarn gibt. „Wir haben noch Häuser in der Baierbrunnerstraße 22 und in der Hansastraße 9 – letzteres haben wir seit über 20 Jahren. Nie gab’s Probleme“, sagt er. „Mich stören die Argumente der Nachbarn, die Kriminalität fürchten. Unsere Kunden kommen aus allen Bevölkerungsschichten und ein Bordellbesuch ist nichts Anrüchiges, sondern eine Dienstleistung.“ Er kündigt schon vor dem Gerichtstermin an, dass Werbung und Erscheinungsbild dezenter werden.

Jasmin Menrad

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