Drama mit Happy End in Obersendling

Diese beiden Helden retteten Mann von den Gleisen

+
An dieser Stelle stürzte ein etwa 50-jähriger Mann ins Gleisbett. Alisa Fenske (19) und Jonas Kessler (21) haben mit ihrer Zivilcourage ein Drama verhindert.

München - Alisa Fenske (19) und Jonas Kessler (21) haben ein Leben gerettet. Für die beiden war es selbstverständlich, einem ohnmächtigen Mann aus dem Gleisbett zu helfen. Andere sahen den Rettern nur zu...

Sie werden als Rettungsassistenten für den Ernstfall ausgebildet. Doch dass es so schnell dazu kommt, damit haben Alisa Fenske (19) und Jonas Kessler (21) nicht gerechnet. Am 10. März haben sie einen Mann vor dem sicheren Tod aus den Gleisen in der U-Bahnstation Machtlfinger Straße gerettet.

Es ist 15.45 Uhr als Jonas Kessler die Treppen zum Bahnsteig hinunterspaziert. Er und Alisa Fenske befinden sich auf dem Heimweg. „Im Augenwinkel sah ich nur einen Schatten vorbeihuschen“, beschreibt Kessler den Moment, als ein etwa 50-Jähriger Mann in den Gleisbereich stürzt und bewusstlos liegen bleibt. Ein Blick auf die Anzeigetafel: In vier Minuten rollt der nächste Zug ein. „Ich habe den Nothalt gezogen und einen Notruf abgesetzt.“

Weitere Augenzeugen standen einfach nur da, haben aber nicht geholfen

Alisa Fenske eilt ihrem Bekannten zu Hilfe. „Wir sind auf die Gleise gesprungen. Alles ging schnell. Aber wir waren klar im Kopf.“ Auf dem Bahnsteig ist nicht viel los. Doch an der Stelle, an der sich das Drama abspielt, stehen drei Frauen. „Keine hat uns geholfen! Es wirkte so, als ob sie sich unsichtbar machen wollten“, erzählt die 19 Jährige. Eine von ihnen entscheidet sich aber dann doch zu helfen. Der Mann, ein gut gekleideter Herr, liegt mit dem Gesicht nach unten auf den Schienen. Betrunken ist er nicht. „Wir haben gleich Atemwegskontrollen durchgeführt. Alkoholgeruch ist uns dabei nicht aufgefallen. Er ist wahrscheinlich ohnmächtig geworden“, vermutet Fenske. Die Bergung ist kompliziert. „Wir haben ihn an den Schultern gepackt und versuchten ihn nach oben zu kriegen. Doch er war zu schwer.“ Ihre Blicke wandern immer wieder in den Tunnel. „Man weiß ja nicht, ob die Zeitangaben stimmen und doch ein Zug plötzlich anrauscht“, sagt Kessler. Irgendwie gelingt es ihnen, den Bewusstlosen in Sicherheit zu bringen. „Anscheinend entwickelt man spezielle Kräfte“, spekulieren die Lebensretter.

Als der Mann zu sich kommt, kann er sich an wenig erinnern. „Sein Glück wurde ihm wohl erst im Krankenhaus bewusst.“ Außer einer Platzwunde am Kopf und einem gebrochenen Handgelenk bleibt er unversehrt.

Der größte Fehler: "Nur dastehen und nichts tun!"

Trotz der Heldentat sehen Alisa Fenske und Jonas Kessler ihr Handeln als selbstverständlich. „Helfen kann jeder. Es gibt kein richtig oder falsch. Der größte Fehler: „Nur dastehen und nichts tun!“

Gerhard Bieber vom Regionalverband der Johanniter in München spricht den jungen Helden ein großes Lob aus: „Sie haben sich vorbildlich verhalten. Wir freuen uns über jeden, der erste Hilfe leistet. Aber: Die Eigensicherung geht dabei immer vor.“

Johannes Heininger

Auch interessant

Meistgelesen

Berufung zurückgezogen: Todesfahrer muss in Haft
Berufung zurückgezogen: Todesfahrer muss in Haft
Video: Das ergaben die Ermittlungen zum OEZ-Amoklauf
Video: Das ergaben die Ermittlungen zum OEZ-Amoklauf
Sie werden nicht glauben, wer hinter diesen Fassaden lebte
Sie werden nicht glauben, wer hinter diesen Fassaden lebte

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare