Nach Schließung im Dezember

Real-Mitarbeiter warten auf Gerechtigkeit

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Zukunftssorgen: Die ehemalige Belegschaft des Real-Marktes in Obersendling weiß nicht, wie es weitergeht.

Der Real-Markt in Obersendling war für die Beschäftigten so etwas wie ein zweites Zuhause. Bis eine Hiobsbotschaft viele Träume zerstörte: Mitte Dezember wurde das Warenhaus geschlossen. Seitdem schwanken die 110 Real-Mitarbeiter zwischen Wut und Angst. Sie fühlen sich schlecht informiert und wissen nicht, wie es weitergeht.

München - Seit Monaten hat Sema Becker schlaflose Nächte. Sie ist 56 Jahre alt. 2002 fing sie an, an dem Standort in Obersendling als Kassiererin zu arbeiten. Sie mochte ihren Job. Jetzt hat sie das Gefühl, vor dem Nichts zu stehen. „Wie soll ich in meinem Alter denn nochmal eine neue Stelle finden“, klagt sie. „Mein Mann ist schon in Rente, ich weiß überhaupt nicht, wie unsere Zukunft aussieht.“

Laut Real gibt es keinen anderen Weg: Eine Instandsetzung des maroden Gebäudes sei ebensowenig möglich wie ein Abriss und Neubau während des laufenden Geschäftsbetriebes, erklärt Real-Sprecher Markus Jablonski. „Deshalb müssen die Arbeitsverhältnisse der Mitarbeiter leider betriebsbedingt gekündigt werden.“ Dass sie dagegen machtlos sind, ist den meisten längst klar: „Wir wissen, dass die Kündigungen nicht mehr abzuwenden sind“, sagt Nikolaus Baecker (61). Er arbeitete 30 Jahre lang in dem Gebäude. „Ich war in der Hausbäckerei beschäftigt.“ Was ihn auf die Palme bringt: „Wie kurzfristig das alles ablief.“

Seit 1999 arbeitete Claudia Seidl als Verwaltungsangestellte an dem Standort. Die 50-Jährige ging fest davon aus, bis zur Rente dort zu bleiben. „Wir waren alle gern bei Real, haben uns für den Laden reingehängt. Das Geschäft lief richtig gut.“ Und jetzt? „Niemand geht auf unsere Fragen ein. Alles was wir bekommen, sind überhebliche Antworten.“ Sie würde sich so wie viele andere vor allem eines wünschen: „Mehr Respekt für das, was wir geleistet haben. Die Art und Weise, wie das Unternehmen mit uns umgeht, ist nicht in Ordnung.“ Ähnlich empfindet es Corinna Waltenberg (40). Sie arbeitete seit 2008 als Verkäuferin in der Real-Hausbäckerei. „Wir haben dem Arbeitgeber Vorschläge gemacht, wurden aber nur belächelt“, ärgert sich die 40-Jährige.

Gescheitert sind mittlerweile die Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und örtlichem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und Sozialplan. Nun wird laut Jablonski durch das Gericht eine Einigungsstelle eingesetzt. Die Ungewissheit schwebt damit erst einmal weiter über den Köpfen der Beschäftigten, die seit Januar freigestellt sind. „Wir hoffen, dass die Einigungsstelle die besonderen Umstände der Schließung berücksichtigt“, so Baecker. „Es muss endlich ein angemessenes Angebot kommen. Wir warten auf Gerechtigkeit.“

Unterdessen ist unklar, wie es mit dem Areal weitergeht. Der Wunsch des Bezirksausschusses Thalkirchen-Obersendling-Fürstenried-Solln: An dem Standort sollen Einkaufsmöglichkeiten im gleichen Umfang entstehen. Laut Michael Kollatz (SPD) ist dort ein größeres Bauvolumen möglich. „Wir stellen uns einen Neubau mit einem Mix aus Einzelhandel, Büros und Wohnungen vor.“ Die aktuellen Planungen laufen darauf hinaus, voraussichtlich an gleicher Stelle wieder ein SB-Warenhaus zu betreiben. „Zur weiteren Zukunft des Standortes – an dem wir nach wie vor sehr interessiert sind – finden derzeit konstruktive Gespräche zwischen allen beteiligten Parteien statt“, so Felicitas Schrom von der Objekteigentümerin, der Objektgesellschaft Camas Vermögensverwaltung GmbH & Co. Objekt München-Süd Grundbesitz KG. Anvisiert werde ein Abriss: „Wir planen einen Neubau, mit Real als Partner.“ Die Eigentümerin hofft, 2017 die Planungen einreichen zu können. 2018 könnte dann der erste Spatenstich erfolgen. „Ein ambitionierter Plan“, räumte Schrom ein. „Denn es gibt noch viele Punkte, die geklärt werden müssen.“

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Brigitta Wenninger

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